Arbeitsmarkt- und Berufsforschung : Jede zweite Einstellung in MV ist nur befristet

Von einer unbefristeten Festanstellung können viele Arbeitnehmer heute nur noch träumen. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Von einer unbefristeten Festanstellung können viele Arbeitnehmer heute nur noch träumen. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Trotz Konjunkturaufschwung und Fachkräftemangel: Der Anteil der Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen ist deutschlandweit auf einen neuen Höchststand gestiegen. Fast jeder Zehnte ist mittlerweile befristet beschäftigt.

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23. Juli 2012, 06:36 Uhr

Schwerin | Trotz Konjunkturaufschwung und Fachkräftemangel: Der Anteil der Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen an allen Beschäftigten ist deutschlandweit auf einen neuen Höchststand gestiegen. Fast jeder Zehnte ist mittlerweile befristet beschäftigt, bei den Neueinstellungen erhält sogar jeder Zweite nur einen Vertrag mit begrenzter Laufzeit. Nach Hochrechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kletterte die Zahl der befristeten Arbeitsverträge zwischen 2001 und 2011 von etwa 1,7 auf 2,7 Millionen. Das entspricht 9,5 Prozent an allen Beschäftigten. Wer gedacht hat, die Unternehmen würden angesichts des immer wieder postulieren Fachkräftemangels die Mitarbeiter mit unbefristeten Verträgen an sich binden, sieht sich getäuscht. "Ich würde nicht sagen, dass es einen extremen Fachkräftemangel gibt", kommentiert der Autor der Studie, Dr. Christian Hohendanner, die Zahlen. Allerdings sei es schon immer so gewesen, dass in Berufen der Metallindustrie kaum Einstellungen befristet erfolgten, während in der Dienstleistungsbranche viel mit befristeten Verträgen gearbeitet wird. Der öffentliche Dienst ist bei der Befristung neuer Arbeitsverträge Vorreiter. Nach der Nürnberger Studie erfolgten im vergangenen Jahr in der öffentlichen Verwaltung 68 Prozent aller Neueinstellungen befristet. Im Erziehungs- und Unterrichtswesen wurden 67 Prozent der neuen Stellen befristet. Im Schnitt aller neuen Stellen waren es 45 Prozent.

Dabei gibt es regional gravierende Unterschiede. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil der befristeten Einstellungen nach Berlin mit 53 Prozent aller Erstverträge bundesweit am zweithöchsten. Etwa ein Drittel der Verträge werden verlängert, später entfristet bzw. die Arbeitnehmer übernommen. "Die Übernahmequote hat zugenommen", sagt Christian Hohendanner. Zudem hat MV nach Berlin und Hamburg mit 11,2 Prozent den höchsten Anteil von befristeten sozialver sicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen an deren Gesamtzahl von 580 000. Hohendanner: Es gibt immer mehr Minijobs und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse.

Erst in der vergangenen Woche hatte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt geurteilt, dass Firmen ihre Mitarbeiter nicht mehr ohne weiteres mit immer neuen befristeten Verträgen beschäftigen können. Eine Justizangestellte aus Köln arbeitete elf Jahre lang am Amtsgericht, mit 13 aufeinanderfolgenden befristeten Verträgen.

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