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Video: MVs Boxer bei Olympia in Rio : Jede Menge Dampf in den Fäusten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wir stellen die Olympia-Starter aus MV vor, heute: Die Boxer Artem Harutyunyan und Araik Marutjan vom Bundesstützpunkt Schwerin

Der eine hatte sein Olympia-Ticket bereits vor einem Jahr gelöst, der andere erst auf den letzten Drücker – was beide eint: Artem Harutyunyan und Araik Marutjan sind Boxer mit armenischen Wurzeln, sind Schützlinge von Schwerins Meistermacher Michael Timm und haben gute Aussichten, in Rio auf dem Siegerpodest zu landen.

Im Bürokraten-Dschungel deutscher Medaillenzählerei würde Halbweltergewichtler Harutyunyan allerdings nicht für Meck-Pomm zu Buche schlagen. Der 25-Jährige, der 2005 Zweiter der Jugend-EM im Taekwondo war, boxt nach wie vor für seinen Hamburger Heimatverein TH Eilbeck.

Zum Weltklasseboxer ist der Schwiegersohn in spe von Profi-Exweltmeister Artur Grigorian aber erst in Schwerin gereift. Erfüllt von unbändigem Ehrgeiz und dem festen Willen, ihren Traum von Olympia wahr werden zu lassen, setzten Artem und sein ein Jahr älterer Bruder Robert 2011 alles auf eine Karte. Von Hamburg, wo sie boxsportlich im eigenen Saft schmorten, zogen sie nach Schwerin, um hier die Möglichkeiten des Bundesstützpunktes zu nutzen.

Mit abgeschlossener Schulausbildung, aber ohne Job und finanziell gestützt auf Eltern, Verbands-Förderung und Hartz IV bezogen sie eine Einraumwohnung. „Aber eine große, in der wir noch heute leben. Unsere Jungs-WG funktioniert auch immer noch prima. Robert macht die Wäsche, ich bin der Koch und wasche ab“, erzählt Artem.

Sportlich hingegen hat sich jede Menge verändert. Nicht zuletzt dank der Rückkehr Michael Timms 2012 von den Profis. Unter dem heutigen Cheftrainer des Bundesstützpunktes holte Artem 2013 Bronze bei der EM und avancierte zu einem der Großen der 2014 ins Leben gerufenen Profiserie APB des olympischen Weltverbandes AIBA. Bei der Premiere im 64-Kilo-Finale noch an Armen Zakarjan gescheitert, entthronte er den Russen im zweiten Anlauf im September 2015.

Zweiter Anlauf – das passt auch auf Araik Marutjan. Schon vor vier Jahren gehörte der heute 23-Jährige, der schon als Steppke beim BC Traktor boxte, dem DBV-Eliteteam für die Spiele 2012 in London an. Damals an der Qualifikationshürde noch gescheitert, trumpfte er im Jahr darauf groß auf: Silber bei der EM, Bronze bei der WM, Dritter der AIBA-Weltrangliste, DBV-Boxer des Jahres. Unter dem Künstlernamen „Rayko Löwe“ sollte es so weitergehen, selbst ein Wechsel zu den Profis war angedacht.

Doch eine Reihe von Verletzungen, von Fehlurteilen und sicherlich auch – sagen wir mal – großer jugendlicher Unbekümmertheit ließen den bis dahin stetigen Aufwärtstrend ein wenig ins Stocken geraten.

Von „Rayko Löwe“ ist heute keine Rede mehr und nach den Worten seines Trainers ist das Top-Talent sichtlich gereift. „Er ist mehr mit dem Kopf dabei, bringt alles besser zusammen. Und so stark wie bei seiner Rio-Qualifikation Anfang Juli in Venezuela habe ich A-raik noch nie gesehen…“, kann sogar der 53-jährige Timm noch staunen.

Wie gut sich sein Olympia-Duo schlägt, können zwei weitere seiner Schützlinge vor Ort mitverfolgen. Artems Bruder Robert hat sein Rio-Ticket im 60-Kilo-Limit knapp verpasst. Die letzte Quali-Chance im Juni in Baku musste er sogar kampflos drangeben. Für ihn hätte es im mit Armenien verfeindeten Aserbaidshan gefährlich werden können.

Umso mehr geht er in der Aufgabe auf, seinem Bruder als persönlicher Betreuer und Trainingspartner den Weg auf den Olymp zu ebnen. „Besser kann es für mich gar nicht sein“, freut sich auch Artem.

Eine ähnliche Aufgabe fällt Peter Kadiru zu. Zwar muss er im Training mit Olympiastarter Erik Pfeifer mächtig schwitzen. Hauptsächlich aber ist der Trip über den Atlantik eine Auszeichnung für Deutschlands superschweres Supertalent. Als Jugend-Olympiasieger, U19-Vizeweltmeister und zweimaliger U19-Europameister hat er fast alles gewonnen, was mit 18 Jahren zu gewinnen ist.

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erstellt am 30.Jul.2016 | 07:30 Uhr

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