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18 Millionen Euro Schaden allein bei der AOK : Jede fünfte Krankenhausrechnung falsch

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Verschrieben, verrechnet - oder verkalkuliert? Jede zweite Krankenhausrechnung in Deutschland ist fehlerhaft. In Mecklenburg-Vorpommern zumindest ist die Beanstandungsquote aber niedriger.

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2013 | 07:33 Uhr

Schwerin | Verschrieben, verrechnet - oder verkalkuliert? Jede zweite Krankenhausrechnung in Deutschland ist fehlerhaft - das hatte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung am Wochenende behauptet. In Mecklenburg-Vorpommern zumindest ist die Beanstandungsquote aber niedriger. Dennoch: "Hier muss jede fünfte Krankenhausrechnung korrigiert werden", erklärt Lutz Steiner, Unternehmensbereichsleiter Krankenhäuser MV bei der AOK Nordost. In den meisten der beanstandeten Fälle würden die Kliniken den Kassen zu viel in Rechnung stellen, seltener verrechnen sie sich aber auch einmal zu ihren eigenen Ungunsten.

1,5 Milliarden Euro bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen pro Jahr für Leistungen der beiden Universitätskliniken und der 37 anderen Krankenhäuser im Land, so Steiner. Etwa 600 Millionen Euro davon steuert die AOK Nordost bei.

Fälschlich in Rechnung gestellt werden allein der größten Krankenkasse im Land immerhin 18 Millionen Euro pro Jahr. Das ist das Ergebnis der Prüfung von 30 bis 40 Prozent aller Krankenhausrechnungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK).

Allerdings möchte die AOK nicht von bewusster Falschabrechnung sprechen. Viele Fehler seien der komplizierten Abrechnungssysthematik geschuldet, so AOK-Experte Steiner. Diagnosebezogene Fallgruppen (DRGs), Operationsschlüssel und Nebendiagnosen müssten beachtet und in Codes "übersetzt" werden. Beim Codieren der einzelnen Diagnosen könne es zu Eingabefehlern kommen, die sich in falschen Rechnungsbeträgen niederschlagen. Allerdings sei es auch der Ansatz von Krankenhäusern als Wirtschaftsunternehmen, dass "kein Minus gemacht wird, sondern ein Plus", so Steiner. Deshalb würde alles versucht, Reserven im System zu erkennen und auszunutzen. Eine zeitlang wären zum Beispiel gehäuft Harnwegsinfektionen als Zusatzdiagnose in Rechnung gestellt worden. Nachdem das bei Prüfungen aufgefallen sei, gingen die Erkrankungszahlen auf wundersame Weise wieder zurück.

Bei der Prüfung würde man sich vor allem auf jene Krankenhäuser konzentrieren, bei denen die "zu erwartende Fehlerquote besonders hoch ist", umschreibt es AOK-Mann Steiner zuerst, um dann doch konkreter zu werden: "Das sind gar nicht, wie oft angenommen, Häuser in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Besonders viele Beanstandungen gibt es bei konzerngebundenen Häusern mit hoher Gewinnerwartung". Mitarbeiter dieser Ketten seien extremem Druck ausgesetzt - hier, im Bundesland mit der höchsten Privatisierungsquote im Krankenhausbereich, womöglich noch mehr als anderswo.

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