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31 Bauwerke fallen in MV unter Schadenskategorie 3 : Jede fünfte Brücke bröckelt

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Etwas mehr als jede fünfte Brücke der laut ADAC 910 Bauwerke über Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in Mecklenburg-Vorpommern befindet sich im kritischen Zustand. Die Behebung der Mängel wird teuer.

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erstellt am 06.Feb.2013 | 07:53 Uhr

Schwerin | Etwas mehr als jede fünfte Brücke der laut ADAC 910 Bauwerke über Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in Mecklenburg-Vorpommern befindet sich im kritischen Zustand. Auf der Bewertungsskala des ADAC von 1 bis 4 erhalten die betreffenden 180 Brücken lediglich die Noten 3 und 4, sagt ADAC-Experte Carsten Willms. Note 3 heißt: Tragfähigkeit ist gegeben, aber verkehrliche Maßnahmen - wie Geschwindigkeits- und Tonnagebegrenzung oder Einspurigkeit - müssen erfolgen. Allein 21 Prozent der Brücken im Nordosten fallen unter diese Kategorie, zwei Prozent erhalten die Note 4: "erhebliche Einschränkungen".

"Im Bundesvergleich steht MV ein bisschen besser da, weil ja viel erst nach 1990 gebaut wurde. Deshalb gibt es auch keine richtige Erklärung, dass so viele Brücken unter die Kategorie 3 fallen - es sei denn, man hat 20 Jahre nichts daran getan", so Willms. In die feinere Skale von 3,5 bis 4 fallen 31 Brücken. Besonders auffällig dabei: In Nordrhein-Westfalen sind es neun, in Schleswig-Holstein gerade mal fünf, und im brückenreichen Hamburg gar nur drei.

Laut dem Verkehrsexperten seien im Nordosten im Zeitraum von 2008 bis 2011 rund 91,65 Millionen Euro für Erhaltungsmaßnahmen ausgegeben worden. Dies sei offensichtlich nicht ausreichend. Die Behebung der Mängel gehe "richtig ins Geld." Schon für kleinere Brücken müsse man mit zweistelligen Millionenbeträgen rechnen. Zu vermuten sei, dass sich die Lage in kleineren Orten noch viel dramatischer gestalte, weil dort die Brücken älter seien. Allerdings fehlen dazu bislang entsprechende Daten.

Willms kündigte an, dass der Automobilclub in absehbarer Zeit einen neuen Brücken-Test anstrebe. "Es ist aber sehr schwierig, die Genehmigungen dafür zu bekommen, die Politik verhindert das oft." Die aktuellen Forderungen des ADAC lauten indes: "Wir brauchen zuerst ein vernünftiges Datenmanagement. Die Kommunen müssen wissen, was sie einplanen müssen. Zudem ist ein Baustellenkoordinierungskonzept nötig. Dabei darf der Bund die Länder und Kommunen nicht alleine lassen." Wenn dies alles nicht umgesetzt werde, "haben wir in zehn Jahren ein großes Problem", sagte der Verkehrsexperte. Dieses Problem beträfe in MV nicht nur Einheimische. "Wenn die Touristen immer weitere Wege nehmen müssen, werden sie das Land meiden."

Das Verkehrsministerium in Schwerin hantiert indes mit anderen Zahlen: So zählt das Ressort 1250 Brücken, von denen sich sechs Prozent (75) in nicht ausreichendem Zustand und drei Prozent (37) in ungenügendem Zustand befinden. Ein Spezifikum des Landes sei, dass MV viele große und somit kostspielige Brücken zu unterhalten habe, so eine Sprecherin. Es sei absehbar, dass mit der derzeitig zur Verfügung stehenden finanziellen Ausstattung nicht jedes Bauwerk zeitnah in Stand gesetzt oder ersetzt werden kann. Daher seien verkehrliche Maßnahmen nicht zu umgehen. Die Straßenbauverwaltung werde alle Brücken genau untersuchen und Neuberechnungen anstellen, hieß es.

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