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Mikrozensus : Jede achte Frau in MV bleibt kinderlos

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Aus der Onlineredaktion

Hintergründe zum Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Jede achte Frau in Mecklenburg-Vorpommern bleibt ohne Kinder. Mit 13 Prozent Kinderlosigkeit liegt der Nordosten im Bundesvergleich weit hinten, doch zusammen mit Sachsen-Anhalt an der Spitze der ostdeutschen Flächenländer. Das geht aus Daten hervor, die das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden veröffentlicht hat. Von endgültiger Kinderlosigkeit gehen die Statistiker bei Frauen ab 45 Jahren aus, die bis dahin nicht Mutter geworden sind. Am häufigsten bleiben demnach Frauen in Hamburg ohne Kinder mit einem Anteil von 31 Prozent. Der Bundesdurchschnitt beträgt 21 Prozent.

 

Jahrzehntelang hatte die Kinderlosigkeit in Deutschland zugenommen, doch nun ist dieser Trend gestoppt. Etwa jede fünfte Frau bleibt im Bundesgebiet kinderlos, die Quote ist seit Jahren stabil – die Geburtenrate steigt sogar leicht an, wie aus dem gestern in Berlin vorgestellten Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, der mit rund 800 000 Befragten größten jährlichen Haushaltserhebung in Deutschland. Hintergründe zur neuen Statistik über Kinderlosigkeit von Tobias Schmidt:


Wie hat sich die Kinderlosigkeit in Deutschland entwickelt?
Vor 30 Jahren war etwa jede zehnte Frau kinderlos. Seitdem hat sich die Quote der kinderlosen Frauen verdoppelt auf 21 Prozent. 2016 ist der Anteil der Frauen, die kein Kind bekommen, erstmals wieder leicht zurückgegangen und lag unter der Zahl von 2012. Deutschland gehört gleichwohl zu den Ländern mit dem höchsten Kinderlosen-Anteil in Europa und liegt in einer Gruppe mit der Schweiz, Italien und Finnland.


Worauf ist das Ende des Trends zurückzuführen?
Zum einen bekommen wieder mehr Akademikerinnen Kinder. Zwar liegt in dieser Gruppe die Zahl der Kinderlosen über dem Durchschnitt, aber bei den Akademikerinnen im Alter von 35 bis 44 Jahren war sie um drei Prozentpunkte niedriger als 2012. Bei den in Deutschland geborenen Frauen mit nicht-akademischem Bildungsabschluss ist die Kinderlosigkeit hingegen weiter angestiegen, auf nun 22 Prozent. Bei zugewanderten Frauen ist die Kinderlosigkeit geringer.

Die Stabilisierung der Quote sei dennoch nicht nur eine Folge der starken Zuwanderung, erklärte Georg Thiel, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes. Sie sei auch ein Beleg für „Veränderungen im Geburtenverhalten der Gesamtbevölkerung“.


Was sind die Ursachen?

Als Gründe für die abnehmende Kinderlosigkeit macht das Statistikamt auch die Familienpolitik aus: Der Ausbau der Kleinkindbetreuung und das Recht auf einen Kita-Platz spielten vor allem für Akademikerinnen eine wichtige Rolle, erklärte Thiel. Ein Indiz: Seit 2008 hat die Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Kindern im Krippenalter deutlich zugenommen. Ein weiteres Indiz: Akademikerinnen kehren nach einer Geburt schneller in den Beruf zurück und arbeiten häufiger in Vollzeit. 2016 arbeiteten 58 Prozent der Akademikerinnen wieder, wenn das jüngste Kind ein Jahr alt war, vier Punkte mehr als 2008. Ob auch das Elterngeld eine Rolle spielte, konnte das Statistikamt nicht bewerten.


Gibt es regionale Unterschiede in Deutschland?
Die regionalen Unterschiede sind erheblich. In den Stadtstaaten ist die Quote der Kinderlosen mit 28 Prozent am höchsten. Spitzenreiter ist Hamburg, wo 31 von hundert Frauen im Alter von 45 bis 49 Jahren ohne Nachwuchs sind. In den westdeutschen Flächenländern waren 21 von hundert Frauen, in den ostdeutschen Flächenländern hingegen nur 12 von hundert Frauen kinderlos. Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land war insbesondere in Bayern groß.


Wie hat sich die Geburtenrate entwickelt?
Die Zahl der Kinder pro Frau ist leicht angestiegen, auf 1,5. Sie hat damit ein Niveau erreicht wie zuletzt 1982. Unter den Frauen, die Kinder bekommen, ging die durchschnittliche Kinderzahl allerdings auch leicht zurück, von 2,03 auf 1,96 Kind je Mutter.

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