Jagd-Chef wird nach Gemetzel versetzt

<fettakgl>Auch der Landesjagdverband fordert </fettakgl>umfassende Aufklärung der Vorgänge im Nationalpark.<foto>Archiv</foto>
Auch der Landesjagdverband fordert umfassende Aufklärung der Vorgänge im Nationalpark.Archiv

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01. März 2013, 07:38 Uhr

Schwerin/Neustrelitz | Nach den umstrittenen Großjagden im Müritz-Nationalpark steht offenbar der bisherige Jagddezernet im Nationalparkamt auf der Abschussliste: Falk Jagszent wurde vorerst für drei Monate in die Landesforstanstalt in Malchin versetzt, teilte das Umweltministerium in Schwerin gestern mit. Die Versetzung solle der "ordnungsgemäßen und sachlichen Aufklärung aller Kritikpunkte" dienen. Zudem laufen in den Fällen zwei Ordnungswidrigkeitsverfahren, die Einleitung eines Disziplinarverfahrens werde noch geprüft, so eine Sprecherin des Ministeriums auf Nachfrage.

Die Drückjagden hatten für massive Empörung bei Bürgern und bei anderen Jägern gesorgt. Bei den Großjagden mit bis zu 160 Jägern war Ende 2012 unter anderem der Abschussplan bei Damwild deutlich überschritten worden. Statt 160 wurden 220 Stück Damwild geschossen. Der Landesjagdverband hatte außerdem von "eklatanten Verstößen gegen das Tierschutzgesetz" gesprochen. So sollen unter anderem Bachen, die Frischlinge hatten, rechtswidrig geschossen worden sein. Zudem hatten Jäger von Problemen bei der Nachsuche von verletzten Tieren berichtet.

Die Vorgänge werden auch Thema bei der Landesdelegiertenkonferenz des Jagdverbandes MV in der kommenden Woche sein, kündigte dessen Sprecher, Achim Froitzheim, an. Zur Konferenz wird auch Umweltminister Till Backhaus (SPD) erwartet. "Mit Sicherheit werden die Mitglieder und Delegierten wissen wollen, welche Ergebnisse die Aufklärung bislang gezeitigt hat", sagte Froitzheim. Der Jagdverband sei nach wie vor an einer vollständigen Aufklärung interressiert und sammle in seiner Geschäftsstelle selbst Aussagen Beteiligter. Auch der Landesjagdverband nimmt eine kritische Stellung zu den Vorgängen ein. Hintergrund ist eine schon lange schwelende Auseinandersetzung zwischen Waldbesitzern unter den Jägern und anderen Jägern. Die Lobby der Waldbesitzer versuche sich mit solchen Jagdmethoden durchzusetzen, um möglichst viele Bäume vor dem Verbiss durch Wild zu schützen, so Kenner der Szene. "Die Hinweise scheinen sich zu verdichten, dass es keinen Rauch ohne Feuer gibt", sagte Froitzheim nun nach der gestern bekanntgegebenen Versetzung des Nationalpark-Dezernenten. Wenn es Verstöße gegern das Tierschutzgesetz gegeben habe, prüfe man auch eine Strafanzeige, so der Sprecher des Jagdverbandes.

Das Umweltministerium hat laut seiner Sprecherin mittlerweile auch den Jäger angehört, der die Vorwürfe an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Bei einer ersten Untersuchung war das versäumt worden. "Um die Schusshemmung abzubauen, sind die Böcke freigegeben", hatte Teilnehmer Herbert Eingang die Jagdleitung in unserer Zeitung zitiert. Er selbst habe ein Damwildkalb mit abgeschossenem Vorderbein erlegt, das seinen Stand passierte. Hinzu kamen ein weiteres angeschossenes Kalb, zwei Kälber, die ohne Mütter umherirrten und ein Alttier mit einem Bauchschuss. Die Nachsuche, so Eingang, sei zumindest mangelhaft gewesen. "Ich bin doch kein Killer. Ich habe die moralische Verpflichtung, zu suchen, wenn ich ein Tier verletzt habe", sagte er. Auch ein anderer Teilnehmer berichtet, dass das Motto gewesen sei: "Hauptsache, es fällt möglichst viel um."

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