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Streit um Erzieherausbildung in MV : Ist Qualität in der Kita irrelevant?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eltern und Kommunen fürchten durch die Änderungen im Kindertagesförderungsgesetz Einbußen bei der Bildung auf Kosten der Kinder.

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Der Sozialausschuss hat in der vergangenen Woche grünes Licht gegeben. Morgen soll der Landtag über die Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes – kurz Kifög – abstimmen. Kernstück werden die geplante dreijährige praxisorientierte Erzieherausbildung und die Ausweitung des Fachkräftekatalogs für die Beschäftigung in Kindertagesstätten sein.

Doch so gut das Ganze angesichts des sich anbahnenden Erziehermangels auch gemeint ist: Kritische Stimmen gibt es nach wie vor viele – und das nicht nur aus der Landtagsopposition.

Auch Eltern machen mittlerweile gegen die geplanten Gesetzesänderungen mobil. So wirft der Kita-Elternrat Mecklenburgische Seenplatte der Landesregierung eine Milchmädchenrechnung vor: „Im Ergebnis der geplanten Gesetzesänderung werden lediglich mehr Erwachsene in Kitas wirken, aber nicht mehr Fachkräfte mit einer einschlägigen elementarpädagogischen Ausbildung. Der Bildungsschlüssel wird allein rechnerisch ‚verbessert‘“, rügt Elternratsvorsitzender Monty Schädel aus Waren. Bildungsansprüche könnten aber nur mit dafür qualifiziertem Personal umgesetzt werden. „Nicht jeder, der gut mit Kindern spielen kann, ist auch eine elementarpädagogische Fachkraft“, mahnt Schädel.

Die Eltern aus der Seenplatte fürchten, dass ihre Kinder künftig weniger gefördert werden. Bildungsansprüche würden offenbar einer Quote geopfert. Dabei hätte sich die Landespolitik noch vor gar nicht langer Zeit gern damit gebrüstet, dass es hier – im Unterschied zu anderen Bundesländern – Fachkräfte wären, die die Kinder betreuten. Was jetzt aber im Gesetzentwurf festgeschrieben sei, führe das ad absurdum und sei gleichbedeutend mit einem Bildungsabbau in den Kitas – „auf Kosten unserer Kinder“, betont der Kita-Elternrat, der sich dagegen mit einer Onlinepetition unter www. openpetition.de/!kitabildungmv wehrt.

Sollte der Gesetzentwurf durchgehen, seien damit „weitere erhebliche Belastungen für das aktuell tätige und bereits jetzt überlastete Fachpersonal in den Einrichtungen“ verbunden. Es müsse dann nämlich die praktische Ausbildung der Nachwuchskräfte übernehmen und zudem kompensieren, wenn die Auszubildenden in die Berufsschule gehen. Denn die Azubis sollen auf den Betreuungsschlüssel angerechnet werden. Das sei gegenüber den Kindern und Eltern, die ein Anrecht auf qualifizierte Bildung und Förderung in der Kita haben, ebenso ungerecht, wie es gegenüber den Auszubildenden unredlich ist, kritisiert Schädel.

Mit Sorge hat der Kita-Elternrat zudem im Gesetzentwurf gelesen, dass sich für Landkreise, kreisfreie Städte und Wohnsitzgemeinden sowie Kommunen als Träger von Kindertagesstätten keine zusätzlichen finanziellen Verpflichtungen durch die neue Erzieherausbildung ergeben sollen. „Wird es wieder so sein, dass die Eltern die ,Wohltaten‘ bezahlen sollen?“, fragt Schädel. Und schickt an die Adresse des Landes hinterher: „Kitas ohne ausreichende Finanzierung können die Bildungsansprüche des Kifög nicht umsetzen.“

Der Städte- und Gemeindetag bringt noch einen weiteren Aspekt der Qualitätssicherung in Kindertagesstätten ins Spiel. Das Land habe nämlich nicht nur eine Verantwortung für die Aus-, sondern auch für die Fortbildung von Erziehern. Doch der kommt es bislang nur unzureichend nach. Während für das Fortbildungsinstitut der Lehrer IQMV annähernd zwölf Millionen Euro im Jahr ausgegeben werden, fließe für die beinahe doppelt so hohe Zahl von Erzieherinnen und Erziehern nur eine knappe halbe Million Euro an den für deren Fortbildung verantwortlichen Bildungsträger in Schabernack. „Das Land muss endlich aufhören, mit seiner Verantwortung für die Fortbildung Schabernack zu treiben“, so Städte- und Gemeindetags-Geschäftsführer Andreas Wellmann.

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