Lesermeinungen zu Interview Ulrich Schacht : „Ist das schon Diffamierung?“

kultur

Das SVZ-Interview mit dem „Gedankenberserker“ Ulrich Schacht löst engagierte Leserdebatte aus.

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19. März 2018, 21:00 Uhr

Die vom Schriftsteller Ulrich Schacht in unserer Wochenendausgabe angestoßene „Gesinnungskorridor“-Debatte hat viele Leser beschäftigt. Das Spektrum reicht von Zustimmung bis vehementer Ablehnung, insgesamt ergibt sich ein differenziertes Bild.

So schrieb Peter Dettmann aus Ludwigslust: „Danke für Ihr Interview. Es ist sehr wertvoll, wenn jemand das, was man selber nicht herausbringt, so klar und klug wie Sie sagt. … Hut ab, SVZ! Nach dieser Lektüre habe ich mich beglückwünscht, Abonnent zu sein.“ Unser Leser Helmut Frick aus Schwerin schrieb: „Sie haben gute und unerschrockene Fragen gestellt und aus meiner Sicht klare Antworten bekommen. So soll es sein.“ Herr Frick ermunterte die Redaktion darüber hinaus, „in gleichem Stil, mit Beharrlichkeit und Ausdauer Politiker in unserer Stadt und im Land zu interviewen. Lassen Sie nicht mit ,Geschwafel in politisch-korrekter Diskurslyrik’ (wie Herr Schacht sagte) abspeisen.“

Kritisch setzte sich unser Online-Leser Bernd Suckstorff mit Schachts Ansichten auseinander. Er verwies auf eine Aussage des Europäischen Gerichtshofs von 2017, wonach Deutschland im Sommer 2015 „rechtmäßig von seinem Selbsteintrittsrecht nach der Dublin-Verordnung Gebrauch gemacht hat“. Zwar sei Deutschland nicht verpflichtet, aber berechtigt gewesen, die Flüchtlinge aufzunehmen. „Halten wir also kurz fest“, schreibt Herr Suckstorff: „In Wismar aufgewachsener Flüchtling (floh vor DDR-Diktatur wie heute Leute vor Assad z.B.). Das mit der Grenzöffnung 2015 will er einfach nicht verstehen, nö kann ja nicht wahr sein, pauschale Verdächtigung von Minderheiten bzgl. ,Einwanderung in Sozialsysteme’ (ist das schon Diffamierung?), ,linker Kulturideologen’, ,westdeutsch Spätsozialisierter ’ und ,westliche Fortschrittsarroganzler’ – das sind dann die Kampfbegriffe, die man derzeit in Sachsen ... sehr oft hört ... gefolgt von ... dem Beifall der beistehenden, bildungsfernen Claqueure“.

Armin Hey bedankt sich zwar „für den kritischen Ton Ihres Interviews“, sprach sich aber dafür aus, „Schacht und Geistesverwandten“ kein Forum zu bieten. „Die Kritik an der Grenzöffnung 2015 läuft ja darauf hinaus, dass die Menschen ... lieber hätten im Kriegsgebiet bleiben, in Libyen auf Sklavenmärkten verkauft werden, am ungarischen Grenzzaun verelenden oder im Mittelmeer ertrinken sollen. So, wie es heute ja wieder geschieht. Sie ruft also zu Massenmord auf und ist offen menschenrechts- und grundgesetzwidrig.“ Weil aber solche Argumentation Wahlerfolge beschere, verschiebe sich der öffentliche Diskurs immer weiter in Richtung Toleranz für entsprechende Ansichten, beklagt Herr Hey: „Man soll sich aufrichten und dafür einstehen, dass Thesen, die zu Mord führen, nicht die Freiheit der Meinungsäußerung genießen können. ... Sie sollten stattdessen isoliert dastehen, auch um ihre Besinnung zu fördern. ... Lasst ihre Behauptung, ihre Meinungen würden unterdrückt, Wirklichkeit werden, denn was hier unterdrückt wird, ist Inhumanität“, appelliert Herr Hey.

Wilhelm Joss schließlich merkt an, die Flüchtlinge seien damals eben nicht direkt aus Kriegsgebieten gekommen, sie wären schon in Sicherheit im Libanon, Jordanien, Türkei gewesen. Der von Suckstorff beklagte Massenmord finde in Syrien, im Irak und auch Libyen statt „und das fällt keineswegs in unsere Verantwortung. Die Verantwortlichen sitzen in Riad, Ankara, Doha, London, Paris und Washington. ... Deutschland kann und muss die Welt nicht retten. Es wäre aber schon ein guter Anfang gemacht, wenn wir solchen Kriegstreibern keine Waffen mehr verkauften“, so Herr Joss.

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