Arbeitsunfähigkeit : Ist das Kind krank, bleibt Mutti daheim

Ist das Kind krank, leiden auch die Eltern. Dazu kommt oft die Ungewissheit, ob der Chef das Fehlen entschuldigt.
Ist das Kind krank, leiden auch die Eltern. Dazu kommt oft die Ungewissheit, ob der Chef das Fehlen entschuldigt.

Krankmeldungen wegen Kindern stark gestiegen. Sie werden öfter von Frauen beansprucht

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03. November 2017, 05:00 Uhr

Immer mehr Eltern in Mecklenburg-Vorpommern melden sich wegen der Erkrankung eines Kindes arbeitsunfähig. Die Zahl der Fälle hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Das geht aus dem Fehlzeitenreport des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (Gewino) der AOK Nordost hervor. Meistens sind es Mütter, die mit einem Kind zu Hause bleiben.

Haben sich im Jahr 2012 in nur 2 Prozent der Fälle AOK-Versicherte in MV wegen eines Kindes krankgemeldet, waren es im vergangenen Jahr 5,1 Prozent. Die Tendenz entspricht auch dem Bundestrend: Insgesamt blieb im Vorjahr deutschlandweit in 2,46 Millionen Fällen ein Elternteil mit Kind zuhause. 2007 hatten sich nur 1,06 Millionen Mütter und Väter „kinderkrank“ gemeldet. Auch die Krankheitstage haben sich demnach verdoppelt, von 2,7 auf 5,5 Millionen. Die gesetzlichen Kassen zahlten dafür 223 Millionen Euro.

In MV gibt es hierbei starke regionale Unterschiede. In Roggentin bei Rostock handelte es sich bei jeder zwölften Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung um eine Krankmeldung mit Kind (8,8 Prozent). In Schwerin bei nur etwa jeder 20. (4,8 Prozent). In den meisten Fällen bleiben die Eltern in MV drei Tage zuhause. Mütter viermal häufiger als Väter.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer nannte es erfreulich, dass immer mehr Frauen nach der Geburt eines Kindes in den Job zurückkehren. Dafür seien gute Rahmenbedingungen wichtig, wie bedarfsgerechte Ganztagskinderbetreuung in Kitas, Kindergärten und Schulen sowie ergänzend flexible Lösungen der Betriebe. „Dazu zählt auch die Option, dass Eltern ihr krankes Kind zu Hause betreuen“, sagte er. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner erklärt, im Berufsalltag laufe nur dann alles gut, wenn niemand in der Familie krank werde. Eltern und vor allem Alleinerziehende stünden unter hohem Druck. „Wir brauchen mehr Zeit für Familien und eine familienfreundlichere Arbeitswelt.“

Eltern können sich bis zu zehn Tage im Jahr arbeitsunfähig melden, weil ein Kind krank ist. Sie bekommen auf Antrag von der Kasse bis zu 70 Prozent des entgangenen Brutto- oder 90 Prozent des Nettolohnes erstattet. Seit 2015 gilt das auch für die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger.

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