zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 03:06 Uhr

Ist das die versprochene Transparenz?

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2012 | 08:21 Uhr

Am Tag danach geht es weiter. Hat Bundespräsident Christian Wulff in seinem TV-Interview am Mittwoch die Unwahrheit gesagt? Während der Bundespräsident versicherte, er habe die Veröffentlichung des Berichts über seinen umstrittenen Kredit mit seinem Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann nicht verhindern wollen, sondern nur um einen Tag Aufschub bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland gebeten, hält die Boulevard-Zeitung dagegen: „Mit Verwunderung“ habe er Wulffs Aussage zur Kenntnis genommen, dass es bei dem Anruf auf seine Mailbox nicht darum gegangen sei, Berichterstattung über den umstrittenen Hauskredit zu verhindern, sondern nur um einen Tag zu verschieben, stellt Diekmann die Aussagen des Präsidenten in einem Brief an ihn offen in Frage und nimmt Wulff beim Wort. „Im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz“ bitte er „um Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung“, schreibt der Bild-Chef an den Präsidenten.

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Nein, Christian Wulff stimmt nicht zu. „Die in einer außergewöhnlich emotionalen Situation gesprochenen Worte waren ausschließlich für Sie und sonst niemanden bestimmt“, stellt Wulff klar. Er habe sich bei Diekmann kurz darauf persönlich entschuldigt. „Damit war die Sache zwischen uns erledigt“, schreibt Wulff im Fax, das Bundespräsidialamt und „Bild“ am Nachmittag verbreiten. Nicht nur, dass Wulff sein Einverständnis für die Veröffentlichung verweigert. Er kritisiert, dass bereits Teile seiner Nachricht den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hätten.

Von Merkel kein Wort zu Wulff

Bedauern bei der „Bild“-Redaktion, Empörung bei der Opposition im Bundestag und Kopfschütteln in den Reihen der schwarz-gelben Koalition. Warum stimmt Wulff der Veröffentlichung nicht zu? Hatte er doch gerade erst größtmögliche Transparenz versprochen.
„Ich habe nicht versucht, sie zu verhindern. Ich habe darum gebeten, einen Tag abzuwarten“, hatte Wulff auf die Frage geantwortet, warum er die „Bild“-Berichterstattung über seinen Kredit habe verhindern wollen. Prompt kam offener Widerspruch. „Das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen. Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden“, reagierte „Bild“-Vizechef Nikolaus Blome noch am Mittwochabend.

Der Präsident oder die „Bild“-Zeitung – wer gibt den Inhalt des Anrufes auf die Mailbox richtig wieder? Die Opposition fordert die Veröffentlichung des Wortlautes des Anrufs. „Ob er gelogen hat oder nicht, kann nur eine Veröffentlichung der Mailbox beweisen“, erklärte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Er habe kein Verständnis dafür, dass Wulff erst Transparenz ankündige und dann die erste Chance dafür verstreichen lasse.
Der SPD-Mann sieht die Kanzlerin am Zug: „Wenn Frau Merkel ein Interesse hat, dieses scheinheilige Schauspiel zu beenden, dann sollte sie Christian Wulff davon überzeugen, der Veröffentlichung zuzustimmen“, forderte er. Angela Merkel empfing gestern am ersten Arbeitstag nach ihrem Weihnachtsurlaub die Sternsinger im Kanzleramt. Zu Christian Wulff kein Wort von ihr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen