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Nach Elbe-Hochwasser 2002 : Investitionsboom am Elbdeich

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Hochwasserschutz an der Elbe: Zehn Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser hat MV nahezu alle Deiche im Elbeeinzugsgebiet auf Vordermann gebracht. Von knapp 95 Kilometern Schutzanlagen sind 85 Kilometer saniert.

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erstellt am 22.Aug.2012 | 07:42 Uhr

Schwerin | Hochwasserschutz an der Elbe: Zehn Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser hat Mecklenburg-Vorpommern nahezu alle Deiche im Elbeeinzugsgebiet auf Vordermann gebracht. Von den knapp 95 Kilometern Schutzanlagen an Elbe, Sude, Löcknitz und Rögnitz seien inzwischen 85 Kilometer saniert, teilte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) mit: "Die Elbdeiche sind in gutem Zustand." Seit 1991 seien entlang des 21 Kilometer langen Elbabschnittes in Mecklenburg-Vorpommern und in den angrenzenden Rückstaugebieten mehr als 80 Millionen Euro investiert worden, allein 52,4 Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren.

2002 hatten tagelange Regenfälle den Pegelstand an der Elbe zwischen Dömitz und Boizenburg auf Rekordhöhe ansteigen lassen, am 21. und 23. August erreichte der Scheitelwasserstand den Höchstwert. In Gefahr: rund 14 000 Einwohner mit ihrem Hab und Gut im Wert von 350 Millionen Euro. Tausende Helfer von Bundeswehr, Polizei, Katastrophenschutz, Feuerwehr und Verwaltung sowie Einwohner waren im Einsatz, um das Schlimmste zu verhindern. Seinerzeit waren allein auf dem kleinen Elbabschnitt in MV etwa 2,6 Millionen Millionen Sandsäcke befüllt, die Deiche auf einer Länge von fast 30 Kilometern erhöht und zusätzliche Wälle von mehr als vier Kilometer Länge aufgeschüttet worden. Zudem wurden tausende Quadratmeter Folie und Vlies verlegt. Nach Deichbrüchen an der Elbe zwischen Riesa und Magdeburg und an der Mulde, dem Auffüllen von Braunkohlegruben und der Flutung von Havelgebieten flachte die Hochwasserwelle im Elbabschnitt in Mecklenburg-Vorpommern zwar ab. Die Flut sorgte dennoch für Schäden von mehr als 35 Millionen Euro in MV, allein 13 Millionen Euro in der Landwirtschaft.

Trotz der Millionen-Investitionen ist die Gefahr nicht gebannt: Durch die Klimaveränderungen müsse mit extremen Ereignissen gerechnet werden, meinte Backhaus: "Die Naturgewalten werden die Menschen nicht vollständig beherrschen." Daher bleibe der Hochwasser- und Küstenschutz "eine permanente Aufgabe", sagte der Umweltminister. Trotz der weitgehenden Instandsetzung der Deiche im Elbeeinzugsgebiet investiere das Land kräftig weiter - jährlich 20 Millionen Euro für Investitionen, weitere zwei Millionen Euro für Unterhaltungsarbeiten.

Experten schließen indes an der Elbe höhere Wasserstände als 2002 nicht aus: Wie beispielsweise 2006, als die Pegelstände bei Dömitz um sieben Zentimeter und bei Boizenburg sogar um 31 Zentimeter über der Jahrhundertflut lagen. Auch 2006 und 2011 wurden an der Elbe Rekordstände gemessen.

Mecklenburg-Vorpommern und die Nachbarländer verbessern indes den Hochwasserschutz. In den kommenden Jahren solle unter anderem durch der Durchfluss der Elbe erhöht und nach Umweltverträglichkeitsprüfungen ein Gehölzmanagement eingeführt werden, sagte Backhaus. Inzwischen würden Büsche und Bäume, die seit der Grenzöffnung an den Elbufern wachsen, den raschen Abfluss des Wassers behindern und die Barrieregefahr steigen lassen. Dazu gehöre das Auslichten der Auenwälder und der Rückschnitt von Büschen. "Der Schutz der Menschen im Elbegebiet steht im Vordergrund" - auch in geschützten Gebieten, wehrte Backhaus Kritik von Umwelt- und Naturschutzverbänden ab: "Es geht nicht um sterile Landschaften." Aber gerade in den Flussbiegungen müsse eingegriffen werden. So sollen Staus bei Hochwasser verhindert und der Durchfluss von bislang 3620 Kubikmeter je Sekunde auf 4545 Kubikmeter je Sekunde erhöht werden. Zudem würden im Elbeeinzugsgebiet Abflussrinnen angelegt, kündigte Backhaus an. Nach einem entsprechenden Planfeststellungsverfahren könnte 2014/2015 mit den Arbeiten begonnen werden. Alternativen würden dem Steuerzahler teurer kommen: Ohne ein Gehölzmanagement müssten zum Schutz der Menschen am Elbabschnitt in MV weitere 100 Millionen Euro investiert werden, so Backhaus.

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