Zoos im Land zählen ihre Bewohner : Inventur der Tiere

´Ameisenbär Felice wird von  Tierpflegerinnen Grit Tippelt (r.) und Gabi Feldbinder mit Leckereien auf die Waage gelockt. dpa
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´Ameisenbär Felice wird von Tierpflegerinnen Grit Tippelt (r.) und Gabi Feldbinder mit Leckereien auf die Waage gelockt. dpa

Immer zum Jahresbeginn zählen die Zoos ihre Bewohner. Was das ist? Eine überschaubare Aufgabe bei Ameisenbär, Elefant oder Giraffe. Zum Erfassen von Fischschwärmen und Vogelkolonien aber bedarf es einiger Tricks.

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14. Januar 2013, 08:49 Uhr

Schwerin/Stralsund | Ameisenbär-Dame Felice hat über die Feiertage etwas zugelegt. Beim Wiegen im Januar bringt sie 46,2 Kilo und damit 200 Gramm mehr auf die Waage als im Dezember, wie Tierpflegerin Gabi Feldbinder im Zoo Schwerin erklärt. In diesen Tagen zählen die Zoologischen Gärten und Tierparks in MV ihre Bewohner. Zur Inventur der Tiere gehöre auch ein kurzer Gesundheits-Check jedes Individuums, sagt Biologin Sabrina Höft. Die jährliche detaillierte Bestandsaufnahme sei für das Zuchtmanagement und die Futterpläne eines Tiergartens notwendig, erklärt die Schweriner Kuratorin für Säugetiere und Fische.

Das Erfassen der Tierbestände verlange den Pflegern viel Zeit und Fingerspitzengefühl ab, versichert Höft. Aber auch einige Tricks und Kniffe seien nötig. "Vogelschwärme auf dem Teich oder in den Volieren zählen wir mehrfach in Abschnitten und stets zu zweit", betont die Wissenschaftlerin. Dagegen seien Bären, Giraffen, Nashörner oder Zebras naturgemäß leichter zu überschauen. Schwerer hingegen könnten die frei lebenden Präriehunde kontrolliert werden. Und bei den über 1000 Fischen seien nur Schätzungen möglich. "Unsere Totenkopfschaben in der Ausstellung allerdings zählt niemand mehr", verrät Höft.

"Verzählen ist kein Drama", meint auch Wismars Tierpark-Sprecherin Marina Welsch. Die größten Populationen in ihrem Heimtierpark seien rund 50 Mäuse, 40 Wellensittiche und 30 Haushühner. Da käme es auf das eine oder andere Tier mehr oder weniger nicht an. Die vier Wisente indes seien auf einen Blick zu erfassen. Im Tierpark Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald), der 400 Tiere in 100 Arten beherbergt, sorgten 2012 die Affen für eine Überraschung: Ein Mandrill-Weibchen bekam gleich zwei Junge im selben Jahr, eins im Februar und ein weiteres im Dezember, wie Kuratorin Brigitte Rohrhuber erzählt. Im Zoo Stralsund, der viele Haustiere unter seinen 900 Bewohnern hat, werde viel geschätzt, wie Direktor Christoph Langner sagt. Insekten und Honigbienen etwa würden pauschal erfasst. Die Präriehunde versteckten sich im Winter meist in ihren Bauen. "Die graben wir nicht aus zum Zählen", meint Langner.

Der landesweit größte Zoo in Rostock, der 4500 Tiere in 320 Arten zeigt, hofft vor allem auf positive Überraschungen im neuen Menschenaffenhaus "Darwineum", wie Kuratorin Antje Zimmermann sagt. Nachwuchs könne es möglicherweise künftig bei den sechs Gorillas oder den fünf Orang Utans geben. Einfach zu zählen sind vor allem die 50-jährige Elefantenkuh des Zoos oder die drei Eisbären. Schwerer gestaltet sich die Zählung der Fische im Meeresmuseum und Ozeaneum Stralsund, wie Aquarien-Kuratorin Nicole Kube weiß. "Das ist ein Prozess, der sich über zwei, drei Wochen hinzieht", erklärt sie. Die Pfleger nutzen dabei einige Tricks: Mit Futter könnten Fischschwärme in den riesigen Becken angelockt und dann Raster für Raster, also in einzelnen Ausschnitten, durchgezählt werden. Bei besonders großen Schwärmen wie Heringen oder Makrelen würden aber auch Fotos zum genauen Erfassen gemacht. Fehlten bei Arten wie Haien oder Rochen einzelne Tiere zur Inventur, würden schon mal Taucher in die gewaltigen Aquarien zur Suche geschickt, informiert Nicole Kube. Insgesamt zeigen Ozeaneum und Meeresmuseum in Stralsund fast 9000 Fische und wirbellose Wassertiere in zusammen 500 verschiedenen Arten.

Einer Sisyphusarbeit gehen auch die Pfleger im Vogelpark Marlow (Landkreis Rostock) bei der jährlichen Bestandserfassung nach. Mehr als 1000 Vögel in über 140 Arten müssten auf Anwesenheit überprüft werden, sagt Biologin Anja Walther. "Wir fangen die Tiere ein, nehmen jedes in die Hand, untersuchen Flügel, Gewicht und Gesundheitszustand", so Walther.

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