Internet für alle - auch auf dem Lande

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22. April 2009, 08:24 Uhr

Grabowhöfe/Düsseldorf | Elke Schult ist begeistert: Seit rund einem Monat kann die 53-jährige ehrenamtliche Bürgermeisterin von Grabowhöfe (Müritzkreis) kostenlos, schnell und unkompliziert das Internet nutzen. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Schult, die oft mit ihrem tragbaren Computer unterwegs ist. Sie profitiert von einem Pilotprojekt des Mobilfunkanbieters E-Plus. Schnelle Internet-Leitungen sind in den Dörfern meist noch die Ausnahme.

Mit solchen Projekten wie in Grabowhöfe aber wollen der Bund und die Landesregierungen das schnelle "World-wide-web" auch aufs Land bringen. Im zweiten Konjunkturprogramm stehen Gelder dafür bereit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Anfang März betont, dass alle deutschen Haushalte bis Ende kommenden Jahres Anschluss an das schnelle Internet erhalten sollen. Für 600 Gemeinden in Deutschland mit insgesamt 730 000 Haushalten sind die technischen Voraussetzungen dafür allerdings noch nicht geschaffen.

Grabowhöfe zählt nun nicht mehr dazu. E-Plus hatte unweit des Dorfes einen 60 Meter hohen Sendemast für die Handy nutzung aufgebaut. "Jetzt testen wir, ob über frei gewordene Rundfunkfrequenzen eine bessere und wirtschaftliche Internetversorgung in ländlichen Gebieten möglich wird", erläutert Guido Heitmann von E-Plus. Das Schweriner Wirtschaftsministerium unterstützt das Projekt, das bundesweit einmalig sein soll.

Wie diese Technik genau funktioniert, ist der Bürgermeisterin eigentlich egal. "Ich muss jeden Tag ins Internet, um Änderungen in der Schulplanung zu erfahren", sagt Schult, die mehr als 20 Kilometer entfernt in Malchow arbeitet. Ins Internet zu kommen, sei in ihrem Wohnort bisher über die Telefonleitung meist nur sehr schleppend und mitunter gar nicht möglich gewesen. Rund um das Dorf nehmen 50 Firmen und Familien an dem Test teil. Sie sollen bis Ende 2009 den Nutzen des schnellen Funk-Datennetzes testen und danach ihr Urteil abgeben. Sie sollen sagen, in welchem Umfang der Anschluss genutzt wurde und wie viel Geld sie für eine dauerhafte schnelle Datenverbindung zahlen würden. Die Reichweite des Funknetzes beträgt etwa 20 Kilometer im Umkreis.

"Das bringt auf jeden Fall was", sagt auch Ellen Franz, die das Internet bei ihren Schwiegereltern nutzt, die in dem Dorf eine Gaststätte betreiben. "Schnell mal googeln oder Internetbanking, das ist wichtig", meint die 27-Jährige.

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