Volkstheater Rostock : Intendant Latchinian weiter gefeuert

Sewan Latchinian bleibt vorerst seines Amtes enthoben.
Sewan Latchinian bleibt vorerst seines Amtes enthoben.

Letzte Chance für Theaterchef Sewan Latchinian: Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling legt Widerspruch gegen die Kündigung des Intendanten ein.

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27. April 2015, 21:00 Uhr

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) hat dem gekündigten Intendanten des Volkstheaters Sewan Latchinian eine Chance zur Rückkehr gegeben. Zwar legte er gestern Widerspruch gegen die zwei Wochen alte Entscheidung der Bürgerschaft ein, die die Rücknahme der fristlosen Kündigung Latchinians und dessen Wiedereinsetzung zum Inhalt hatte.

Er begründete seinen Widerspruch jedoch damit, dass er das Wohl Rostocks gefährdet sieht. Damit wird die Bürgerschaft am Mittwoch kommender Woche (6. Mai) erneut über die Wiedereinsetzung Latchinians abstimmen können. Dieser Beschluss wäre dann bindend. Hätte Methling Widerspruch aus rechtlichen Gründen eingelegt, wäre es zu einer vermutlich monatelangen gerichtlichen Auseinandersetzung gekommen.

„Der juristische Weg ist nicht der richtige, um die Fragen zur Zukunft unseres Theaters zu beantworten“, sagte Methling. Er hätte allerdings auch die Möglichkeit gehabt, den Beschluss der Bürgerschaft zu akzeptieren.

Latchinian war Ende März vom Hauptausschuss der Bürgerschaft fristlos gekündigt worden. Grund war unter anderem ein Vergleich der Theaterpolitik des Landes mit Kulturzerstörungen der Terrormiliz Islamischer Staat. Er war auch kritisiert worden, weil er sich gegen den Beschluss der Bürgerschaft für die Schließung der Sparten Musik- und Tanz-theater gewandt hatte.

Latchinian zeigte sich erfreut und überrascht über Methlings Entscheidung. Methling sei den Weg des Kompromisses gegangen, sagte er gestern. Es gebe nun die Möglichkeit, sich zum Wohle Rostocks zu einigen. „Das soll an mir nicht scheitern“, betonte er.

Dann könne auch die Diskussion über die künftige Theaterstruktur geführt werden. Er zeigte sich zuversichtlich, dass er am Tag nach der Bürgerschaftssitzung in das Theater zurückkehren und die kommende Spielzeit vorbereiten könne. „Mit irgendwelchen Erpressungen oder Tricks sollte es vorbei sein.“

Latchinian schlug zudem einen Runden Tisch vor. Da-ran könnten Methling, die Theater-Geschäftsführung und der Aufsichtsrat, die Fraktionsvorsitzenden der Bürgerschaft und auch der Kultusminister des Landes, Mathias Brodkorb (SPD), teilnehmen.

Nach Angaben der Theater-Aufsichtsratsvorsitzenden Eva-Maria Kröger schlug Methling der Bürgerschaft zudem vor, auf eine Entschuldigung Latchinians zu bestehen. Sie sieht es als nicht gesichert an, dass die Mehrheit der Bürgerschaft zugunsten des Intendanten stimmen wird.

Es habe auch bei den Mitgliedern, die jüngst gegen dessen Kündigung gestimmt hatten, eine Unzufriedenheit mit Latchinians Verhalten und Äußerungen gegeben.

Latchinians Vertreter Stefan Rosinski, kaufmännischer Geschäftsführer der Bühne, gibt sich wenig emotional: „Das ist ein Konflikt zwischen Bürgerschaft und OB. Wir machen Theater und haben den kommunalpolitischen Vorgang nicht zu kommentieren.“ Für das Haus sei aber entscheidend, möglichst schnell Planungssicherheit zu haben.

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