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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 19:46 Uhr

Bilanz : Integration nur mit Familie

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwei Jahre nach Höhepunkt der Flüchtlingswelle: Migrationsexperte zieht Bilanz

Zwei Jahre nach dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms nach Deutschland haben sich nach Ansicht des Geschäftsführers des Rostocker Vereins Migra, Michael Hugo, die Warnungen vor einer schwierigen Integration der Menschen bewahrheitet. „Es gibt nur wenige Beispiele, bei denen dies schon nach ein oder zwei Jahren gelungen ist“, sagte Hugo. Realistisch sei vielmehr ein Zeitraum von bis zu fünf Jahren.

Allerdings sei es auch in diesem längeren Zeitraum wichtig, den Flüchtlingen die notwendige Sicherheit zu geben. Dazu gehöre in erster Linie die Möglichkeit des Familiennachzugs. „Wenn die Menschen über kaum etwas anderes nachdenken können als über ihre Familie, kann die Integration in die Gesellschaft nicht gelingen“, betonte Hugo.

Die Erleichterung des Familiennachzugs ist seit Monaten ein Dauerstreitpunkt im politischen Raum und gilt als einer der Knackpunkte für das Zustandekommen einer Jamaika-Koalition in Berlin.

Hugo erinnerte in diesem Zusammenhang an Artikel 6 des Grundgesetzes, der Ehe und Familie unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stellt. „Das gilt auch für Flüchtlinge.“ Die Menschen bräuchten eine Perspektive in Deutschland. Sie dürften dabei auch keine Angst vor einer Abschiebung haben.

„Viele der bei uns arbeitslos gemeldeten Zuwanderer haben keine formale berufliche Qualifikation und sprechen die deutsche Sprache nur unzureichend“, sagte die Chefin der Rostocker Arbeitsagentur, Anke Diettrich. Die Arbeitsagentur und die Jobcenter realisierten unterschiedlichste Qualifikationsangebote, um die Flüchtlinge bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. „Das erfordert von allen Beteiligten Ausdauer, Fleiß und Engagement.“

Auch für Hugo ist klar, dass es auf beiden Seiten viel Geduld und Aufgeschlossenheit braucht. „Mit Hass und Abgrenzung kann Integration nicht gelingen.“ Gleichzeitig gebe es „bei einem nicht geringen Teil der Zuwanderer“ eine starke Anspruchshaltung, die nichts mit der bundesdeutschen Wirklichkeit zu tun habe, sagte Hugo. Das gelte für die Anerkennung von Berufszeugnissen genauso wie zu hohe Forderungen an Lohn oder Gehalt auf seiten der Flüchtlinge.

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