Prozess in Schwerin : Ins Auge gegangen

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20-Jähriger mit Luftgewehr schwer verletzt

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04. Dezember 2014, 21:19 Uhr

Das mit der Freundschaft kann in Mecklenburg schon mal ins Auge gehen. Jens Möller* hat das zu spüren bekommen. Wortwörtlich und mit dramatischen Folgen. Es geschah bei einer Auseinandersetzung Ende Juni in seinem Wohnwagen. Den hat der 20-Jährige auf einer Wiese unweit von Klütz abgestellt und hin und wieder übernachtet er dort auch.

Seit dem Streit im Sommer ist er auf einem Auge blind. Ein Luftgewehrprojektil traf das Auge. Abgedrückt hatte, so sieht es zumindest die Staatsanwaltschaft, der 25-jährige Marcel, den Jens offenbar gut kannte. Mit Christian, der nun ebenfalls auf der Anklagebank sitzt, soll Jens vorher sogar „ganz dicke“ gewesen sein, wie es gestern eine Zeugin im Prozess vor dem Schweriner Landgericht formulierte. Der 23-jährige Christian soll das Opfer in der Tatnacht mit einem Messer verletzt haben. Und als Dritter im Bunde findet sich Steffen (25) vor Gericht wieder. Er soll auf Jens eingetreten und eingeschlagen haben. Offenbar mit großem Groll, obwohl die Ermittler kein nachvollziehbares Motiv herausfanden. Irgendwie soll Jens sich schlecht gegenüber Steffens Vater benommen haben, heißt es. Scheinbar brauchte es nicht viel, damit der Streit eskalierte. Es war auch reichlich Alkohol im Spiel.

Schon im Laufe des Abends war es zu einer unheilvollen Begegnung gekommen, wie gestern ein 17-jähriger Zeuge berichtet. Christian habe ihn am Telefon bedroht. „Aufschlitzen“ werde er ihn und seine Eltern gleich mit, wenn er nicht rausrücke, wo Jens sich aufhält. Schließlich habe man sich getroffen – er und Jens sowie das Trio, das noch eine Freundin dabei hatte. Zu sechst quetschten sie sich in einen Kleinwagen, sagt der Zeuge, um zu einer Tankstelle mit Getränkeshop zu fahren. Jens am Steuer, er selbst auf dem Beifahrersitz.

Wie freiwillig die Fahrt war, blieb gestern offen. Der Zeuge jedenfalls hat sich eigenen Angaben nach bedroht gefühlt. Christian habe in dem engen Auto ganz bewusst mit einer gut einen Meter langen Machete „rumgefuchtelt“. Aber, warum das Trio so wütend auf Jens war, das wisse er nicht. Bei dem späteren, folgenschweren Aufeinandertreffen im Wohnwagen war der Zeuge nicht mehr dabei.

Da ist das Trio mit Beil und Sturmmaske offenbar überraschend aufgetaucht. Dort soll es zu den Schlägen und Tritten und schließlich auch zu den gezielten Schüssen aus dem Luftgewehr gekommen sein, das Jens gehört. Die Männer sollen auch die Autoschlüssel von Jens gefordert haben. Der hatte sich, nachdem die ungebetenen Gäste verschwunden waren, schwer verletzt zu Nachbarn gerettet. Die schließlich alarmierten die Polizei.

Kurze Zeit später nahmen die Ermittler Christian und Marcel fest. Beide sind vorbestraft, Christian sogar siebenfach. Er stand zur Tatzeit unter Bewährung. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Nur Steffen ist derzeit auf freiem Fuß. Er ist nach den Worten seines Verteidigers Ullrich Knye nicht vorbestraft und hat bereits 5000 Euro Schmerzensgeld an Jens gezahlt.

Die Staatsanwaltschaft hat alle drei wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung und wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. Dafür drohen jeweils mehr als fünf Jahre Haft. Das Gericht hat vorerst noch vier Verhandlungstage bis Ende Dezember angesetzt, um herauszufinden, was genau sich in dem Wohnwagen abgespielt hat.

*Name geändert

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