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Bildungsministerium MV : Inklusiv-geschulte Lehrerinnen

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Auf dem Weg zur sogenannten inklusiven Schule will MVs Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) vorankommen. Im Juni und im Oktober beginnen insgesamt 200 Grundschulpädagoginnen mit Fortbildungs-Maßnahmen.

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erstellt am 09.Apr.2013 | 10:22 Uhr

Schwerin | Auf dem Weg zur sogenannten inklusiven Schule will Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) in diesem und im kommenden Jahr ein gutes Stück weit vorankommen. Im Juni und im Oktober beginnen insgesamt 200 Grundschulpädagoginnen mit Fortbildungs-Maßnahmen. In 120 Kursstunden, die sich über die zwei Jahre verteilen werden, sollen sie lernen damit umzugehen, wenn künftig Kinder in ihren Klassen sitzen, die bislang in der Regel auf Förderschulen unterrichtet worden waren. Für den Minister ist das "ein wichtiger Baustein", damit künftig Schüler mit Lernschwierigkeiten, mit Sprachproblemen und mit Verhaltensauffälligkeiten in regulären Grundschulklassen lernen können.

Laut Brodkorb haben bereits 155 der 249 staatlichen Grundschulen des Landes ihr Interesse an der Inklusions-Fortbildung angemeldet. Die Schulämter sollen Lehrerinnen und Lehrer aus möglichst vielen unterschiedlichen Schulen für diese ersten kompakten Fortbildungen aussuchen, damit diese an ihren Schulen ihr Wissen auch als Multiplikatoren weitergeben können. Die Teilnahme an den Inklusionskursen ist dennoch freiwillig.

Durch die Kurse bekommen vorerst knapp zehn Prozent der Grundschullehrer die Chance, sich in Sachen Inklusion fit zu machen. Im kommenden Jahr will Brodkorb über Fortbildungen "in ganz anderen Dimensionen" nachdenken. Das Geld dafür will er aus den Fördertöpfen der Europäischen Union nehmen, sofern der Koalitionspartner CDU und der Landtag zustimmen. Alle Grundschullehrer fortzubilden, hält Brodkorb nicht unbedingt für notwendig. Schließlich hätten diese alle "eine solide Grundausbildung" bekommen.

Für die Lehrer, die sich für die Fortbildung in Sachen Inklusion gemeldet haben, heißt dies rund dreißigmal vier Stunden nachmittags, an Wochenenden oder etwas kompakter während der Ferien zum Schulamt nach Schwerin, Rostock, Neubrandenburg oder Greifswald zu fahren. Denn Brodkorb möchte sichergestellt sehen, dass möglichst wenig regulärer Unterricht durch die Lehrer-Fortbildungen ausfällt.

Zwischen den Kurseinheiten sollen die Lehrerinnen das möglicherweise neue Wissen anwenden und ausprobieren. Dabei sollen Unterrichtsberater des Bildungsministeriums in ihren Stunden immer wieder einmal hospitieren und Tipps geben.

Mit Abminderungsstunden oder zusätzlichem Einkommen können die Pädagogen nicht rechnen, wenn sie sich für die inklusive Schule weiterbilden lassen. Schließlich gehe, so Brodkorb, die Dienstzeit der Lehrerinnen über die reine Unterrichtszeit hinaus. Andererseits bestehe auch für Lehrerinnen eine gewisse gesetzliche Pflicht, sich weiterzubilden.

Die Vorsitzende des Landeselternrats, Martina Richter, begrüßte, dass die Inklusionsfortbildungen an den Grundschulen nun anlaufen. Allerdings müssten diese auch für die Lehrer der Sekundarstufe I an den Regionalschulen angeboten werden. "Die Kinder, die bereits inklusiv an Regelgrundschulen lernen, sind jetzt in der dritten Klasse", so Richter, "das darf in knapp zwei Jahren nicht einfach abbrechen." Es reiche nicht, den Regionalschullehrern lediglich beizubringen, wie sie in Mathe und in Deutsch mit "Förderkindern" umgehen. Wenn die Inklusions-Bemühungen nicht zum Scheitern verurteilt sein sollen, müsse mit der Lehrer-Fortbildung an den weiterführenden Schulen ernst gemacht werden.

Minister Brodkorb tritt in diesem Bereich jedoch auf die Bremse. Da der Landtag noch nicht grundsätzlich entschieden hat, wie viel "inklusive" Schule es in Mecklenburg-Vorpommern geben soll, könne die Lehrer-Fortbildung an den Regionalschulen noch nicht im Detail geplant werden. Ihrer Meinung nach genügt es auch nicht, nur einige wenige Lehrerinnen pro Schule auf dem nicht immer einfachen Weg zur Inklusion fortzubilden. Das gesamte Kollegium müsse "wenigstens zu Beginn des gesellschaftlichen Aufbruchs" einen Überblick über die Weite und Komplexität der Inklusion bekommen.

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