Endlich! : Inhaftierter Schweriner Pilger aus türkischer Haft entlassen

Auf Pilgertour in Haft geraten: David Britsch
Auf Pilgertour in Haft geraten: David Britsch

Nach seiner Freilassung in der Türkei ist ein im April festgenommener Pilger aus Schwerin wieder in Deutschland eingetroffen. Am Flughafen Hamburg wurde er von seiner Familie in die Arme genommen.

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21. Dezember 2017, 19:35 Uhr

Nach monatelangem Hoffen und Bangen ist das Drama um David Britsch beendet: Die Türkei hat den seit April festgehaltenen Schweriner freigelassen. Der 55-jährige Pilger schickte seiner Frau in Deutschland gestern eine Nachricht mit der freudigen Botschaft. Das sagte dessen Bruder Tillmann Nöldeke  auf dem Weg zum Hamburger Flughafen im Gespräch mit unserer Redaktion. In Hamburg sollte Britsch gestern Abend landen. Er sei in Istanbul und könne von dort aus in die Heimat reisen, hatte er seiner Frau per Whatsapp mitgeteilt. „Wir sind total erleichtert und glücklich“, sagte Nöldeke.

 „Es ist gut, dass Herr Britsch endlich wieder zuhause in Deutschland ist“, teilte Außenminister Sigmar Gabriel am späten gestrigen Abend in Berlin mit. „Damit sind Monate der Ungewissheit und des Wartens in türkischer Abschiebehaft endlich vorbei. Für mich ist seine Ausreise nach Deutschland ein weiteres positives Signal.“

Der Deutsche war im April in der osttürkischen Stadt Antakya festgenommen worden und in Abschiebehaft gekommen. Strafrechtliche Vorwürfe gegen ihn seien bis zuletzt nicht bekannt gewesen, hieß. Britsch hatte den Plan, aus Schwerin nach Jerusalem zu pilgern und wollte Ostern die Klagemauer erreichen – zu Fuß und ohne Geld. Er habe ein Zeichen für den Frieden setzen wollen.  Statt nach Jerusalem zu kommen, sagß er bis gestern Morgen mit sieben weiteren Inhaftierten in einer Zelle im Abschiebegefängnis in Askale.

Noch kurz vor Nikolaus hatte  seine Ehefrau Heike Britsch gegenüber unserer Redaktion gesagt:  „Wir hoffen alle sehr, Weihnachten wieder zusammen sein zu können.“ Die Hoffnung hat sich erfüllt. 

Für Britsch, Erzieher und Buchbindemeister,  war die Reise   ein großes Gebet mit den Füßen für Frieden und Völkerverständigung und auch eine Suche nach sich selbst. Mit seiner Inhaftierung erfuhr er das Gegenteil. „Da ist Wut, Traurigkeit, Ohnmacht, ausgeliefert zu sein“, berichtete seine Frau aus den Telefonaten.

Es war die zweite Freilassung eines Deutschen in der Türkei in dieser Woche. Am Montag war die Journalistin Mesale Tolu nach siebenmonatiger Untersuchungshaft auf freien Fuß gesetzt worden. Auch der deutsche Soziologe Sharo Garip will in Kürze nach der Aufhebung einer knapp zweijährigen Ausreisesperre aus der Türkei nach Deutschland zurückkehren.

Damit sitzen nach Einschätzung der Bundesregierung noch mindestens sieben Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei hinter Gittern, darunter „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel.

Die ersten Bilder von Britschs emotionaler Rückkehr hat der NDR.

Der Schweriner David Britsch hat mit Freude und großer Erleichterung auf seine Freilassung nach monatelanger Haft in der Türkei reagiert. „Ich bin sehr froh, wieder zu Hause bei meiner Familie zu sein“, sagte der 55-Jährige am Freitagmorgen in Schwerin. Die Ankündigung, dass er das Gefängnis verlassen und nach Deutschland zurückkehren könne, sei überraschend gekommen und habe ihn zunächst skeptisch gestimmt. „Vor knapp drei Wochen hatte ich meine Sachen schon einmal gepackt - und dann war es wieder nichts“, sagte Britsch.

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