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Panne beim Landeskriminalamt : Informant will auspacken - LKA ruft nicht zurück

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Kein Anschluss unter dieser Nummer: Ein potenzieller Aussteiger aus der rechtsextremen Szene Stralsunds will beim LKA eine Aussage zu einem Verbrechen und dem möglichen Täter machen - und wird offenbar nicht angehört.

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erstellt am 16.Feb.2012 | 06:56 Uhr

Schwerin/Stralsund | Kein Anschluss unter dieser Nummer: Ein potenzieller Aussteiger aus der rechtsextremen Szene Stralsunds will beim Landeskriminalamt (LKA) eine Aussage zu einem Verbrechen und dem möglichen Täter machen - und wird offenbar nicht angehört. Wie der Rechtsanwalt des gegenwärtig in Haft sitzenden Robert R. gestern Informationen unserer Redaktion bestätigte, habe der Stralsunder im vergangenen Jahr mehrfach über SMS, Telefon und auch über seine Rechtsvertretung versucht, das LKA zu kontaktieren, um die Behörde über den möglichen Täter eines Anschlags auf den Briefkasten eines Stralsunder Staatsanwaltes zu informieren. Der Kasten war im August 2010 gesprengt worden. "Wir hatten beim ersten Kontakt auch eine Ermittlerin des LKA am Telefon, die interessiert war. Ein Rückruf erfolgte nie. Als wir die Nummer erneut wählten, meldete sich dann keiner mehr", sagt der Anwalt.

Schwere Panne oder bewusstes Kalkül? Ein Insider meint: Möglicherweise sollte die Aussage verhindert werden, um zu vermeiden, dass der aussagewillige Stralsunder dafür Strafmilderung erhält. Denn Robert R. war zu dem Zeitpunkt in einem Prozess angeklagt, der bundesweit Schlagzeilen machte - dem Prozess um die rechtsextreme Hetz-Internetseite "Altermedia", die Robert R. mitbetrieb. Die Politik sei an einer harten Strafe für ihn interessiert gewesen. Mittlerweile sitzt der Stralsunder auch eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ab.

Laut einem Brief, den Robert R. an den Staatsanwalt, dessen Briefkasten gesprengt wurde, geschickt hat - das Schreiben liegt unserer Redaktion vor - bestätigt dieser dort selber die Vorwürfe an die Adresse des LKA. "Ich hatte diesbezüglich auch versucht, zunächst über meinen Verteidiger (...), Kontakt mit dem LKA aufzunehmen, letzte Woche auch noch mal persönlich per Anruf und SMS, um in dieser Sache eine Aussage zu machen, aber aus unerfindlichen Gründen bekomme ich kein Feedback von da. Insofern schicke ich Ihnen als Zeichen guten Willens eine schriftliche Aussage, möglicherweise können Sie ja damit was anfangen", heißt es in dem Schreiben vom 26. September vergangenen Jahres, in dem Robert R. auch beteuert, die rechte Szene verlassen zu haben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stralsund bestätigte die Echtheit des Schreibens.

Das LKA hielt sich auf mehrfache Nachfrage bedeckt. Ein Sprecher der Behörde erklärte nach drei Tagen lediglich: "Wird sich an das Landeskriminalamt gewandt, so werden die entsprechenden Informationen hier zur Kenntnis genommen und bearbeitet. Dies gilt insbesondere in Fällen, in denen Hinweise zu Ermittlungsverfahren gegeben werden bzw. gegeben werden können. Kontakte dieser Art werden stets aktenkundig gemacht. In der Folge prüft und entscheidet die zuständige Staatsanwaltschaft als Herrin des Verfahrens die weitere Verfahrensweise." Die wiede rum musste gestern vorerst passen: Der betreffende Sachbearbeiter sei im Urlaub, am Dienstag hoffe man, nähere Auskunft erteilen zu können.

Indes konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ralf Lechte, aber mitteilen, dass der Anschlag auf den Briefkasten aufgeklärt ist. Momentan werde die Anklage erarbeitet, die auf Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion lauten soll. "Der mutmaßliche Täter stammt aus der rechtsextremen Szene Stralsunds" und sei mit der vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation "Hatecrew" (Hass-Gruppe - Anm. d. Red.) verbunden gewesen, so der Sprecher. Auch darauf übrigens gibt es Hinweise in dem Schreiben von Robert R. an die Staatsanwaltschaft.Das "Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion" wird laut Strafgesetzbuch als Verbrechen eingestuft. Bestraft wird es mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bis 15 Jahre.

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