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Investoren machen Bogen um P+S-Werft : In Stralsund kein Werft-Käufer in Sicht

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Trübe Aussichten im Werftdock: Der Einstieg eines Investors in die insolvente P+S-Werft in Stralsund wird immer unwahrscheinlicher. Trotz monatelanger Verkaufsgespräche ist kein ernstzunehmender Investor in Sicht.

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2013 | 11:36 Uhr

Schwerin | Trübe Aussichten im Werftdock: Der Einstieg eines Investors in die insolvente P+S-Werft in Stralsund wird immer unwahrscheinlicher. Trotz monatelanger Verkaufsgespräche machen Kapitalgeber um den vorpommerschen Schiffbaubetrieb einen Bogen, ein ernstzunehmender Investor ist nicht in Sicht. Es sei "in naher Zukunft mit keinem Ergebnis" zu rechnen, erklärte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann gestern nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses in Schwerin. Der Termin steht: Bis das bisher letzte im Orderbuch stehende Schiff, ein Spezialtransporter für die dänische DFDS-Reederei, Ende August/Anfang September zu Wasser gelassen werde, müsse ein Käufer gefunden werden. Danach geht im Stralsunder Dock die Arbeit aus. In den vergangenen Wochen habe man bereits bei "hunderten Adressen" für die Werft geworben, sagte Brinkmann. Jetzt solle zwar der Investorenprozess erneut angeschoben werden. Es gebe aber "ein deutlich zu geringes Interesse". Brinkmann: Es bleibe "ziemlich schwierig", einen Käufer zu finden.

Die Chancen stehen schlecht: Zwar gelten weltweit die Hälfte der Werften inzwischen als überflüssig. Deutschland habe aber das große "Werftensterben bereits hinter sich", sagte Brinkmann. Hier gebe es einen "enormen Bedarf" an Plattformen und Spezialschiffen für die Offshore-Branche. "Es gibt soviel zu tun vor den Küsten", sagte der Anwalt. Das sorge für Optimismus für die Stralsunder Werft. In dem Schiffbaubetrieb am Strelasund seien bis auf wenige Modernisierungsmaßnahmen in Höhe von zehn bis 20 Millionen Euro bereits die "wesentlichen Voraussetzungen" für eine "perfekte Werft" für Schiffsneubau und Offshore-Anlagen gegeben. Die Investorensuche werde aber von den derzeitigen Unsicherheiten im Offshore-Geschäft in Deutschland erschwert, erklärte der Insolvenzverwalter. Inzwischen würden bereits fertige Projekte storniert oder verschoben und gingen deutschen Schiffbaubetrieben Aufträge verloren, weil sich die Rahmenbedingungen geändert hätten.

Indes wird auch für hunderte Werftbeschäftigte die Zeit knapp. Von den einst 1700 Schiffbauern auf den P+S-Werften in Stralsund und Wolgast seien derzeit am Strelasund nach 628 auf der Werft und in der im Auftrag arbeitenden Stralsunder Schiffbaugesellschaft beschäftigt, in Wolgast 312 Mitarbeiter. Mehr als 600 bewahrt eine Transfergesellschaft zunächst vor der Arbeitslosigkeit - jeweils bis zu einem halben Jahr lang. Sie können jetzt mit weiteren Hilfen rechnen: Bis Freitag sollen die Verhandlungen über eine Verlängerung der Verweildauer der ehemaligen Werftarbeiter in der Transfergesellschaft auf bis zu einem Jahr abgeschlossen sein, erklärte IG-Metall-Werftenexperte Guido Froeschke. Gesichert sei auch die Ausbildung der Lehrlinge, sagte Insolvenzverwalter Brinkmann. Die Auszubildenden sollen von der Stralsunder Schiffbaugesellschaft übernommen werden und dort ihre Lehre beenden können.

Die beiden P+S-Werften waren im vergangenen August in die Pleite gerutscht. Auf der Partnerwerft in Wolgast scheint die Zukunft gesichert. Der Schiffbaubetrieb werde am 2. Mai an die Bremer Lürssen-Werft übergeben, sagte Brinkmann. Ab Juni sollen dort Teile für Fregatten gebaut werden. In Stralsund werden derzeit die letzten Aufträge erledigt. Am 19. April solle das erste von zwei Spezialfrachtern für die DFDS-Reederei ausgedockt werden, kündigte der Insolvenzverwalter an. "Der Schiffbau läuft planmäßig." Auch stehe "ausreichend Liquidität" zur Verfügung. Derzeit versuche man zumindest den Schiffsrumpf eines seinerzeit begonnenen, später aber stornierten Auftrags zu Ende bauen zu können.

Beim Verkauf der beiden am Kai liegenden Scandlines-Fähren deuten sich derweil "erhebliche Verluste" an. Für die beiden indes in SSF1600 umbenannten Fähren gebe es eine Reihe von Gesprächen mit Interessenten aus Nordeuropa, Vorderasien, Singapur und China, hieß es. Auch seien erste Angebote eingegangen und die Schiffe von verschiedenen Reedern besichtigt worden.

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