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Deutsche Meisterschaft der Bierfreunde : In Stralsund braut sich was zusammen

vom
Aus der Onlineredaktion

1. Deutsche Meisterschaft der Bierfreunde in Stralsund. Christian Wolfrum-Roggensack aus Schwerin will die Experten überzeugen

von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Gersten-Malzextrakt, Hopfen, Trockenhefe und Leitungswasser – mehr braucht es nicht, um zu Hause selbst Bier herzustellen. Als Christian Wolfrum-Roggensack vor ein paar Jahren auf seinem Geburtstagstisch einen Gutschein für ein Brauerei-Set entdeckte, stellte er kurze Zeit später fest: „So schwer ist das gar nicht.“ Allerdings gehörte er auch nicht zu den Unerfahrenen. „Mit 25 habe ich mich zum ersten Mal am Obstwein probiert. Allerdings habe ich schon immer lieber Bier getrunken“, erklärt der Schweriner. Seine neuesten Kreationen tragen die Namen „Perle trifft Bock“ und „Belgisches Böckchen“ – „nicht zu verwechseln mit dem Röckchen“, scherzt er. Beide Bockbiere präsentiert er heute bei der 1. Deutschen Meisterschaft für Hobbybrauer im Störtebeker Brauquartier in Stralsund. 80 Teilnehmer aus 13 Bundesländern haben sich insgesamt angemeldet, sagt Elisa Preuß vom Veranstalter-Team. Mit im Gepäck haben sie mehr als 100 Bierkreationen. Schließlich können sie in zwei Kategorien Preise abräumen: für helles Bock- und für Kreativbier. „Wer für den Eigenbedarf braut, muss sich nicht an das deutsche Reinheitsgebot halten“, erklärt Markus Metzger von der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland. Alles ist möglich: Vom Haferflocken durchsetzten Ale bis zum Weißbier, das nach Koriander und Orangenschalen schmeckt. „Belgische Biersorten werden von Haus- und Hobbybrauern gerne nachgebraut. Die Wahl der Zutaten ist frei“, so Metzger.

Christian Wolfrum-Roggensack findet die Rezepturen für seine Biere im Internet. Auch die Zutaten bestellt er online. Tipps bekommt er von den Mecklenburger Hobbybrauern. Die Gemeinschaft hat sich vor zwei Jahren gegründet und trifft sich einmal im Jahr zur Verkostung. „Man lernt sehr viel durch Ausprobieren. Gut wird es dann mit der nötigen Erfahrung.“

Wolfrum-Roggensack braut lediglich obergäriges Bier. Schließlich benötigt obergärige Hefe bei der Gärung Umgebungstemperaturen von etwa 15 bis 20 Grad, untergärige hingegen 4 bis 9 Grad. „Letzteres kann ich nicht gewährleisten“, begründet der 40-Jährige.

Und so funktioniert es: Das Malz wird zunächst gemaischt, indem es mit Wasser versetzt und erhitzt wird, um die Inhaltsstoffe freizulegen. Die natürlichen Enzyme des Malzes verwandeln bei verschiedenen Temperaturen die Stärke des Malzes in Malzzucker. Im Maischbottich werden die Temperaturen gehalten, bis die Maische verzuckert ist. Anschließend wird die Maische in einen Läuterbottich gepumpt, wo die festen Bestandteile der Maische von den flüssigen getrennt werden. Es entsteht das Vorprodukt des späteren Bieres – die Würze. Im so genannten „Whirlpool“ wird die gewonnene Würze zum Kochen gebracht. Zu diesem Zeitpunkt wird der Hopfen hinzugegeben. Dabei werden die Würze steril gemacht und alle Enzyme zerstört. Beim anschließenden Gärprozess wird Hefe zugesetzt, die dafür sorgt, dass der Malzzucker vergoren wird und Alkohol entsteht. „Der Gärprozess dauert etwa ein bis zwei Wochen, danach fülle ich das Jungbier in Flaschen ab. Dort darf es acht bis zehn Wochen reifen“, erklärt Wolfrum-Roggensack. Wann ein Bier „gut“ ist, vermag er nicht zu sagen. „Das ist ein sehr individuelles Empfinden. Natürlich gibt es Qualitätsmerkmale. Ist der Schaum feinporig ist dies ein Indiz für gutes Bier“, erklärt er. „Bei dem Wettbewerb in Stralsund zählen Farbe, Geruch, Geschmack und der Schaum.“

Die Zutaten für das nächste Bier hat der 40-Jährige schon zu Hause – es soll ein Kreativbier werden. Probieren dürfen Freunde, Kollegen, Familie und natürlich die Kumpels von der Freiwilligen Feuerwehr. „Ich bin viel unterwegs. Deshalb schaffe ich nur fünf bis sechs verschiedene Biere im Jahr.“ Er gehöre zu den wenigen in der Hobbybrauer-Gruppe, die noch auf Flasche brauen. „Die anderen sind schon auf Fass umgestiegen.“ An einem Brautag produziert er Bier für zwei bis drei Kästen. „Ich trinke auch noch Markenbier, vor allem, weil ich die Schnappverschlussflaschen für mein eigenes brauche.“

Hobbybrauer dürfen übrigens lediglich 200 Liter Bier pro Haushalt steuerfrei herstellen, sagt Markus Metzger. „Die Menge Bier, die man daheim brauen will, muss vier Wochen vorher beim Hauptzollamt angemeldet werden. Wer mehr als 200 Liter braut, muss die gesamte Biermenge versteuern. Wer nicht anmeldet, braut schwarz“, klärt der Experte auf.

Der Wettbewerb
Zur 1. Deutschen Meisterschaft präsentieren die Hobbybrauer ihre eigenen Kreationen. Bereits im Vorfeld haben sie ein helles Bockbier als offizielles Wettbewerbsbier eingereicht. Dieses wird in einer Blindverkostung von einer Expertenjury aus Sommeliers, Bierbotschaftern und Bierexperten bewertet. Der Gewinner darf sein Bier gemeinsam mit den Störtebeker Brauern in Stralsund einbrauen. Darüber hinaus gibt es einen Pokal für das beste helle Bockbier. In einem zweiten Wettbewerb entscheidet das Publikum: Die Gäste wählen das beste Kreativbier. Der Publikumsbiergewinner darf sein Bier in der BRLO Brauerei Berlin brauen. Die Störtebeker Braumanufaktur öffnet ihre Pforten zur 1. Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer heute um 15 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro (inkl. 5 Bierjetons).

 

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