Ehrenamt - Ich helfe : „In solchen Augenblicken funktioniere ich einfach“

Ehrenamt aus Leidenschaft: Als Achtjähriger ist Maik Schröder in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten. Mittlerweile ist er Wehrführer.
Ehrenamt aus Leidenschaft: Als Achtjähriger ist Maik Schröder in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten. Mittlerweile ist er Wehrführer.

Teil 4 unserer Ehrenamts-Serie: Maik Schröder ist Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Schwerin-Wickendorf

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04. März 2014, 08:50 Uhr

Immer wenn sein Pieper geht, macht sich Maik Schröder auf ins Ungewisse. Erwartet ihn gleich ein Schwerverletzter? Muss er jemanden aus einem brennenden Haus befreien? Oder ist es nur eine brennende Mülltonne, die es zu löschen gilt? Es sind immer die gleichen Fragen, die dem Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Schwerin-Wickendorf durch den Kopf gehen, wenn er sich auf den Weg zum Einsatzort macht.

Der 28-Jährige hat seine ganz eigene Strategie entwickelt, sich auf solche Momente vorzubereiten. Im Kopf geht er immer noch einmal die Schritte der Hilfskette durch und schaltet in den Arbeits-Modus um. „In solchen Augenblicken wird das Erlernte einfach abgerufen und umgesetzt“, erklärt Schröder, der eine ruhige und besonnene Art hat. Und trotzdem kommt es vor, dass ihn seine Gefühle überkommen. Zuletzt war das vor etwa zwei Jahren so. Er und seine Kameraden wurden zu einem schweren Verkehrsunfall gerufen. Was genau ihn dort erwarten würde, war zunächst unklar. Schröder erinnert sich noch gut an die lauten Schreie einer Frau, als er am Einsatzort ankam. Nach einem Frontal-Zusammenstoß war sie in ihrem Auto eingeklemmt und musste mit schwerem Gerät aus dem Fahrzeug geschnitten werden. „Es hat etwa eine Stunde gedauert, bis sie befreit war“, sagt Schröder. Unerträgliche Minuten seien das gewesen. Doch am Ende war der junge Mann einfach sehr erleichtert, dass die Frau gerettet werden konnte und ins Krankenhaus kam.

Erfolgserlebnisse wie diese sind es, die den jungen Mann dazu antreiben, sich ehrenamtlich zu engagieren. Am 17. Mai 1993 ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr eingetreten – dem Gründungsdatum der Jugendwehr in Wickendorf. Seither gehört die Arbeit im Gerätehaus zu seinem Leben dazu. Es ist vor allem die Gemeinschaft, die Schröder schätzt. Die Mitglieder sehen sich nicht nur zweimal im Monat zum Training, sondern unternehmen auch andere Dinge, zum Beispiel eine Kanu-Tour. Bei der Feuerwehr hat er Freunde fürs Leben gefunden – und die Liebe seines Lebens. Mit seiner Frau Annelie ist er seit mehr als zehn Jahren zusammen. Gemeinsam haben sie vor fünf Jahren Sohn Cedrik bekommen, der natürlich auch schon zur Freiwilligen Feuerwehr mitkommt. „Er liebt das Auto und würde am liebsten gar nicht mehr aussteigen“, sagt Schröder. Zu dritt wohnen sie nur fünf Minuten vom Gerätehaus entfernt.

Das spart Zeit, denn davon hat der 28-Jährige nie genug. „Ich zähle die Stunden nicht, die ich bei der Feuerwehr zubringe, aber es sind schon einige“, sagt Schröder mit einem Lächeln im Gesicht. Ehrenamt und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist für den Veranstaltungskaufmann allerdings selten ein Problem. Er hat relativ flexible Arbeitszeiten und wird für seine Einsätze freigestellt. „Der Brandschutz ist schließlich keine Kann-Aufgabe, sondern eine Pflicht“, sagt Schröder. Trotzdem mussten die Kameraden in Wickendorf vor einigen Jahren um den Erhalt des Standorts kämpfen. Da kamen dem Wehrführer Zweifel, wozu er weiter machen soll. Doch er kennt auch die Antwort: „Die Chance anderen Menschen in Notsituationen zu helfen.“

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