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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 07:05 Uhr

In Schwerin steht jede zehnte Wohnung leer

vom

svz.de von
erstellt am 02.Jul.2013 | 10:27 Uhr

Schwerin | Während in München oder Hamburg um freie Wohnungen regelrecht gerangelt wird und sich bei Besichtigungen nicht selten lange Schlangen im Hausflur bilden, suchen Wohnungsbauunternehmen in Schwerin oftmals händeringend neue Mieter. Die Landeshauptstadt liegt deutschlandweit mit 9,9 Prozent auf Platz drei der Städte mit den höchsten Leerstandsquoten. Nur in Salzgitter (11,7) und Chemnitz (10,4 Prozent) sieht es noch düsterer aus. Innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns gibt es jedoch starke regionale Unterschiede, wie die Beispiele Rostock (3,8) und Neubrandenburg (4,1) zeigen.

Der Verband Norddeutscher Wohnungsbaugesellschaften (VNW), zuständig für 153 kommunale Wohnungsbauunternehmen mit 276 000 Wohungen, spricht von einem derzeitigen Leerstand von 6,7 Prozent im Nordosten. Berücksichtigt man zudem die freien Wohnungsunternehmen und Immobilien, liegt die Quote landesweit laut Statistischem Landesamt bei 6,3 Prozent. Diese Zahl sähe ohne den "Stadtumbau Ost" anders aus, ist sich Peter Hitpas, Sprecher des VNW, sicher: "Ohne dieses Programm würden wir noch heute bei 12 bis 13 Prozent liegen." Seit der Wende seien 10 bis 12 Milliarden Euro in den ostdeutschen Wohnungsabriss investiert worden. Um die Leerstandsquote weiter zu drücken, werden große Plattenbauten zurückgebaut, ganze Wohnungseinheiten modernisiert und auch das Wohnungsumfeld neu gestaltet, etwa mit Spiel- und mit Parkplätzen. "Außerdem ist Mecklenburg-Vorpommern das Bundesland mit den niedrigsten Energiekosten", betont Hitpas. Heizungsanlagen seien auf dem neuesten Stand, bei der Gebäudetechnik sei der Nordosten "am weitesten vorne dabei".

Immer beliebter werde unterdessen laut Hitpas das Wohnen in der Platte. Hier gebe es gerade in den Großstädten eine hohe Nachfrage, wie er betont.

Einer der größten Vermieter der Landeshauptstadt ist mit 9100 Wohnungen die Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG). Sie liegt mit einer Quote von 9,8 Prozent knapp unter dem Mittelwert. Mueßer Holz und Krebsförden sind besonders betroffen. "Dort stehen jeweils knapp ein Viertel unserer Wohnungen leer", sagt SWG-Vorstandsvorsitzende Margitta Schumann auf SVZ-Nachfrage. Im Rückbau sehe die SWG die einzige Möglichkeit, dem stetigen Wegzug entgegenzuwirken und den Markt zu bereinigen.

Trotzdem sei die SWG zufrieden mit den Zahlen: "Vor zehn Jahren lag unsere Quote noch bei 16 Prozent", sagt Margitta Schumann. "Wir haben uns also wesentlich verbessert, wenn auch noch nicht so, wie wir uns das vorstellen."

Auch die Schweriner Wohnungsbaugesellschaft (WGS) versucht mithilfe von Rückbau gegen den hohen Leerstand anzukämpfen. Die Quote liegt bei uns bei 13 Prozent", sagt WGS-Geschäftsführer Guido Müller. Von 13 500 Wohnungen stehen somit knapp 2000 leer. Ein guter Teil davon werde allerdings für vorgesehene Sanierungen oder Abrisse bewusst leer gehalten. Auch die WGS verzeichnet den höchsten Leerstand in Schwerins Süden, den niedrigsten in der Alt- und Weststadt.

Positiver als in der Landeshauptstadt sieht es in anderen Ballungszentren in MV aus: So liegen sowohl Rostock als auch Neubrandenburg bei niedrigen Leerstandszahlen. Pal Eichmann von der Wohnungsbaugesellschaft in Neubrandenburg, der 12 500 Wohnungen gehören, zeigt sich überaus zufrieden: "5,8 Prozent beträgt bei uns die derzeitige Quote", informiert er. 2,7 Prozent davon sei gewollter, der Rest - rund 400 Wohnungen - ungewollter Leerstand. "Wobei eine Mobilitätsreserve von 2,5 bis 3 Prozent normal und notwendig ist", fügt Eichmann hinzu. Eine zu niedrige Quote, wie etwa in Rostock, führe dazu, dass Wohnungssuchende es schwer haben, überhaupt etwas zu finden.

In der Hansestadt liegt die mit 36 000 Wohnungen größte Wohnungsgesellschaft Wohnen in Rostock (Wiro) derzeit bei 1,7 Prozent. Dagmar Horning, stellvertretende Pressesprecherin der Wiro, führt diese geringe Quote auf die sich positiv entwickelnden Einwohner- und Arbeitsplatzzahlen zurück. "Die Hansestadt wächst, das Interesse an Wohnraum steigt", so Dagmar Horning. Um der damit einhergehenden Wohnungsnot entgegenzuwirken, wolle die Wiro ihre Neubautätigkeit intensivieren. So sollen in den nächsten zwei Jahren 240 neue Wohnungen entstehen.

Das Programm "Stadtumbau Ost" endet 2016. Die Linksfraktion kündigte nun an, auf der kommenden Landtagssitzung die Fortsetzung des Programms zu beantragen. Es werde damit gerechnet, dass es im Jahr 2030 in MV 90 000 Haushalte weniger geben wird. Dieser Entwicklung müsse Rechnung getragen werden, ist einer Pressemitteilung der Linksfraktion zu entnehmen.

Wittenberges Wohnungen vom demografischen Wandel bedroht

Die Wohnungsgenossenschaft Wittenberge muss Umbauarbeiten in vielen ihrer Gebäude organisieren. 16 Prozent der 3000 Wohnungen innerhalb der Genossenschaft stehen leer. Dies ist ein „relativ hoher Prozentsatz“, sagt Karsten Korup, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. Er führt diese Entwicklung auf den demografischen Wandel zurück. „Wir müssen alle umdenken. Unsere Wohnräume sind nicht mehr gefragt, weil viele Ältere hier nicht mehr leben können“, erklärt Korup. Gefragt seien nun barrierearme, qualitativ ansprechende Räume. Diese müssten allerdings erst noch geschaffen werden. „Wir werden nun die Wohnräume vom Markt nehmen, die überhaupt nicht mehr gefragt sind. Die anderen werden wir umbauen“, so der Vorsitzende. Dieser Prozess werde aber wohl bis zu zehn Jahre andauern.

Nicht nur Wittenberge hat mit Leerstand zu kämpfen, die neuen Berechnungen des Zensus 2011 ergaben eine Leerstandsquote von 14,7 Prozent in Wittenberge, damit belegt Wittenberge Platz eins in der Prignitz. Gut sieht es auch nicht in Städten wie Pritzwalk aus. Dort stehen 7,6 Prozent der verfügbaren Wohnräume leer, in Perleberg sind es 7,5 Prozent. In Bad Wilsnack sind es dagegen nur 6,1 Prozent.

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