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Rita Dressing fertigt in ihrer kleinen Manufaktur Plüschbären : In Parchim steppt der Bär

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Jeder Teddybär aus Parchim erhält sein eigenes Outfit. Mehr als eintausend Exemplare der berühmten Plüschfigur hat Kunsthandwerkerin Rita Diesing in den letzten Jahren selbst entworfen, genäht, ausgestopft und angezogen.

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erstellt am 05.Dez.2012 | 10:31 Uhr

Parchim | Der Haarschnitt kommt zum Schluss: Ob struppig, kuschelig, gelockt oder mit frechem Igelschnitt versehen, jeder Teddybär aus Parchim erhält sein eigenes Outfit. Mehr als eintausend Exemplare der wohl berühmtesten Plüschfigur hat Kunsthandwerkerin Rita Diesing in den letzten Jahren selbst entworfen, genäht, ausgestopft und angezogen. "Das sind nicht bloß Kuscheltiere, sondern Freunde fürs Leben", behauptet die Bärenmacherin. Entscheidend bei jedem Unikat sei der Blick, die Stellung der Augen, der Gesichtsausdruck. Kinder zählten kaum zu ihrer Kundschaft, dafür Mütter und Großmütter, deren Nachwuchs schon erwachsen und aus dem Haus sei, erzählt Diesing. "Die sind ein Stück Kindheit, die mancher sich bis ins Alter bewahren möchte", erklärt die Mittvierzigerin die Liebe Erwachsener zu klassischem Spielzeug wie dem Plüschtier. "Dieser Blick des Bären, der geht doch mitten ins Herz." Vor Weihnachten sind die Auftragsbücher voll, da steppt der Bär in der Teddy-Werkstatt.

Ihren ersten Bären bastelte die gebürtige Berlinerin vor fast 20 Jahren aus einer Laune heraus. Auf einem Trödelmarkt habe sie Hand gefertigte Teddys entdeckt und damit für sich ein neues Hobby gefunden, erinnert sich die 44-Jährige. Nach Vorlagen aus einem Buch machte sie sich selbst ans Werk. Zwei Tage und Nächte lang werkelte sie an ihrem ersten "Baby" aus Plüsch - der kleine Dunkelbraune thront bis heute im Regal über ihrer Nähmaschine. Schon der "Zweitgeborene" erhielt ein eigenes Design. Inzwischen baut Rita Diesing ihre "Ridibears" ausschließlich nach selbst kreierten Schnitten, Mustern und Formen, wie sie betont. Und so bekomme jeder Bär auch eine individuelle Frisur sowie Kleid oder Hose angepasst.

Für Kinder wie Erwachsene seien Teddys wichtig, findet Walter Neumann, Organisator der internationalen Bären-Messe Euro Teddy in Essen. "Ein Bär gibt Stärke", sagt der Messe-Vater. Hobby-Bärenmacher gebe es mehrere Zehntausend in der Bundesrepublik. An die tausend Künstler könnten von ihrem Handwerk leben, schätzt er. Trotz wachsender elektronischer Konkurrenz auf dem Spielzeugmarkt sei der klassische Teddybär nicht totzukriegen. Das sieht auch Bärenfrau Rita Diesing so. Schon viele Berufe habe sie in ihrem Leben ausgeübt. Sie sei Sekretärin, Bardame, Friedhofsgärtnerin, Verkäuferin, Kellnerin gewesen. Doch keiner Tätigkeit habe sie so lange die Treue gehalten wie dem Bärenbau.

Um die zehn Arbeitsstunden braucht es für einen Hand gemachten Bären, wie die Autodidaktin sagt. Nur reine Mohair-Stoffe, wie sie seit eh und je für Teddys verwendet würden, kämen zum Einsatz. Erst werde das Fell zugeschnitten. Beim Nähen müssten Arme, Beine und Kopf mit Papp-Gelenken beweglich gehalten werden, so Diesing. Die Brumm-Stimme werde eingepasst, der Bär mit Füllwatte und Mineralgranulat schwer ausgestopft. Schließlich füge sie Ohren und Augen an und rasiere dem Bären Schnauze und Nase. Bis nach Fernost verkauft die Mecklenburgerin ihre Bären-Unikate. Über Fachgeschäfte in Paris, London und Singapur sowie über den eigenen Internet-Versand gehen gerade in der Weihnachtszeit Dutzende Teddys made in Mecklenburg vor allem an erwachsene Fans rund um den Erdball. Jeder Bär aus Parchim habe dazu natürlich einen Pass an der Pfote, ein Zertifikat mit Namen und Geburtsdatum.

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