In MV fehlen die Chefs

Quelle: dpa
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31. Juli 2012, 06:20 Uhr

Schwerin | In MV werden die Chefs knapp: Allein in den rund 20 000 Handwerksbetrieben zwischen Boizenburg und Pasewalk geht bis 2018 in jedem fünften Betrieb der Firmeninhaber in den Ruhestand und muss einen Nachfolger suchen. Bereits bis 2014 steht in MV in 1900 Familienunternehmen der Führungswechsel an, ermittelte das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Betroffen sind alle Branchen, vor allem aber Dienstleister und das verarbeitende Gewerbe.

Der Druck wächst: In den vergangenen Monaten hätten sich deutlich mehr Betriebsinhaber zur Nachfolgeberatung bei den Kammern angemeldet als zuvor, teilte die Handwerkskammer Schwerin mit. Auf der Suche nach einem Firmenkäufer ließen im ersten Halbjahr bereits mehr Betriebsinhaber ihre Firma von der Handwerkskammer bewerten als im Gesamtjahr 2011. Es werden noch mehr: Angesichts der demografischen Entwicklung werde die Zahl der Betriebe, die einen neuen Betriebsinhaber bräuchten, weiter steigen, erklärte IfM-Expertin Nadine Schlömer-Laufen gestern. Allerdings werde es vor allem in den neuen Bundesländern für Betriebsinhaber immer schwerer, einen Nachfolger zu finden. Durch die geringere Attraktivität des Standorts Ostdeutschland und die kleinteilige Betriebsstruktur lasse das Interesse an einer Firmenübernahme schwinden.

Handwerker in Mecklenburg-Vorpommern bekommen die Zurückhaltung bereits zu spüren: So steht beispielsweise die Zukunft von etwa einem Drittel der Firmen im Elektrohandwerk auf dem Spiel. Der Landesinnungsverband der Elektro- und Informationstechnischen Handwerke Mecklenburg-Vorpommerns rechnet damit, dass unter anderem wegen fehlender Betriebsnachfolger in den kommenden fünf Jahren etwa 30 Prozent der Betriebe vom Markt verschwinden würden, erklärte Vize-Innungsmeister Jürgen Gauer gestern. So seien Anfang der 90er-Jahre oft kleine Betriebe mit wenigen Beschäftigten gegründet worden, die für Nachfolger von geringem Interesse seien.

Bundesweit stehen bis 2014 jährlich in etwa 22 000 Familienbetriebe ein Chefwechsel an, ergab eine IfM-Studie. Von den Übergaben seien pro Jahr 287 000 Beschäftigte betroffen. Den häufigsten Übergabegrund: 86 Prozent der Betriebe suchten einen neuen Inhaber, weil der bisherige Chef das Ruhestandsalter erreicht hat. In zehn Prozent der Fälle erfolge die Übergabe aufgrund von Tod und in vier Prozent der Firmen durch Krankheit des Eigentümers. Einer aktuellen IfM-Umfrage zufolge setzt dabei die Mehrzahl der Firmeneigner auf eine familieninterne Nachfolge. Am häufigsten soll das Unternehmen an einen Sohn übergehen.

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