Nutzungskonzept : In Kirch Stück entsteht plattdeutsches Zentrum

In der Kirche  von Kirch Stück werden  Gottesdienste auf Plattdeutsch gehalten.
In der Kirche von Kirch Stück werden Gottesdienste auf Plattdeutsch gehalten.

Die marode Dorfkirche in Kirch Stück hat etwas, das manchen sanierungsbedürftigen Sakralbauten in MV noch fehlt: Einen eigenen Förderverein und ein erweitertes Nutzungskonzept - als plattdeutsches Zentrum für die ganze Region.

svz.de von
24. Juli 2014, 12:00 Uhr

Bis vor drei Jahren lag die gotische Backsteinkirche von Kirch Stück an der B 106 zwischen Schwerin und Wismar im Dornröschenschlaf, sagt Kirchenältester und Fördervereinsvorstand Jürgen Hansen (68). Drei bis vier Gottesdienste im Jahr. Das war’s. Dann hatte seine Frau die Idee mit dem Plattdeutsch-Zentrum. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal, und man könnte auch Schweriner ansprechen, so die Überlegung.

2011 beschloss der Kirchengemeinderat ein erweitertes Nutzungskonzept, 2012 folgte die Gründung des Fördervereins. Inzwischen laufe es gut, sagt der frühere Verwaltungsbeamte im Schweriner Bildungsministerium. „Das ist was, was gefunkt hat.“ 40 bis 50 Besucher kommen zu den plattdeutschen Gottesdiensten, davon etwa die Hälfte aus Schwerin. Acht Gottesdienste in niederdeutscher Sprache sind in diesem Jahr geplant. Außerdem stehen Lesungen und Konzerte auf dem Programm.

Auch bautechnisch tat sich bereits etwas: Die kulturhistorisch bedeutende Glocke aus dem 14. Jahrhundert und der Glockenstuhl konnten restauriert und Ende Juni 2013 nach fast vierjähriger Zwangspause wieder in Betrieb genommen werden. Sechs abgesackte Gewölbe-Säulen, die den Fußboden tragen, wurden gesichert, so dass die Kirche nach einer vorübergehenden Sperrung im vergangenen Jahr wieder genutzt werden darf. Im Turmbereich gibt es jetzt eine Toilette, und mit dem Einbau eines Gemeinderaumes wurde begonnen. Doch weitere Baumamßnahmen sind nötig. So ist die Carl-Börger-Orgel aus dem 19. Jahrhundert nicht mehr spielbar, im Dach des Kirchenschiffs ist teilweise Hausschwamm. Auch Orgelempore, Kanzel und Kirchenbänke sind vom Holzwurm befallen. Das mittelalterliche Kruzifix einer einstigen Triumphkreuzgruppe muss dringend restauriert werden, ebenso wie Malereien und das nördliche Chorfenster.

Um die Idee vom plattdeutschen kirchlichen Zentrum weiter voran zu bringen, wünscht sich Jürgen Hansen vor allem noch mehr Mitstreiter, die sich engagieren. Er hoffe da auch auf den künftigen Inhaber der derzeit vakanten Pfarrstelle der 1 600 Mitglieder zählenden Kirchengemeinde Alt Meteln, Cramon, Groß Trebbow. Zu der Gemeinde gehören neben dem Sakralbau in Kirch Stück noch vier weitere Kirchengebäude. Schön fände es Hansen, wenn die Nordkirche die geplante Stelle für einen plattdeutschen Pastor in dem etwa 120 Einwohner zählenden Kirch Stück ansiedeln würde. „Das wäre was für uns“, ist er überzeugt.

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