Rock- und Popstars von morgen : In Fußstapfen von Felix Jaehn, Rammstein & Co.

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Rammstein, Felix Jaehn, Marteria – sie alle haben drei Sachen gemeinsam: Sie machen unglaublich gute Musik, sie haben Tausende Fans und sie haben alle ihre Wurzeln in Mecklenburg-Vorpommern. Doch wie ist es um den musikalischen Nachwuchs im Land bestellt? Unsere Zeitung hat mit drei jungen Bands gesprochen, die nicht davor zurückschrecken, in die Fußstapfen der Großen zu treten.

svz.de von
18. März 2016, 12:00 Uhr

Aufgewachsen ist Felix Jaehn im Klützer Winkel, nur ein paar Kilometer entfernt vom Ostseebad Boltenhagen. Das Abitur hat er am Schönberger Ernst-Barlach-Gymnasium abgelegt. Beschauliche, ja schon idyllische Fleckchen im Nordosten. Mittlerweile tanzt die ganze Welt zu seinen Hits und Remixen: „Cheerleader“, „Ain’t Nobody“ oder „Book of Love“.

Der 21 Jahre alte DJ tourt um die Welt, spielt vor tausenden Fans. Legt auf in Miami, Sydney und Rio de Janeiro. Und Jaehn ist nicht der einzige Künstler aus dem Norden, der die Musikszene erobert.

Der Rostocker Marteria zählt seit Jahren zu den besten deutschsprachigen Rappern. Rammsteins Wurzeln liegen in Schwerin, der Vorläufer der weltweit bekannten Band gründete sich in der Landeshauptstadt.

Doch wie ist es um den musikalischen Nachwuchs bestellt?

Unsere Zeitung hat mit jungen Musikern aus der Region gesprochen. Von deutschem Pop, Brassrock und elektronischen Klängen, die die Welt erobern wollen.

<p>Florian Neubauer</p>

Florian Neubauer

 

Mit Melodie im Koffer

Es ist ein Projekt, dessen Ende Florian Neubauer eines Tages vielleicht als die schönste Zeit seines Lebens beschreiben wird. Um die Welt reisen, Neues entdecken – und mit Musik den Menschen etwas zurückgeben, die weniger vom Glück beschert wurden als er selbst.

Neubauer ist Schweriner, seit einigen Jahren DJ. Er reist quer durch Deutschland, legt in angesagten Clubs seine elektronischen Klänge auf. Die größte Herausforderung für ihn sei die Inspiration, sagt er. Einen neuen Rhythmus zu finden, neue Tracks zu machen. Der Anstoß für das Projekt „Peak and Dust“. Zusammen mit seiner Partnerin Carolin Biedermann und einem Team will Neubauer verschiedene Länder der Erde bereisen und seine Musik mit dem Erlebten verbinden. Die eigene Kultur mit der fremden vermischen, um eine völlig neue Art von Musik entstehen zu lassen.

„Ich will elektronische Musik kreuzen mit landestypischen Instrumenten, Stilen und unterschiedlichen Stimmen“, sagt der 29-Jährige. Vielleicht entdecke er Töne, von denen er heute noch gar nichts weiß. Mit den Menschen in der Welt zusammen Musik zu machen, das sei ein Geschenk. „Wir möchten mit unserer Musik verbinden und auch zum Nachdenken anregen“, erzählt er. Pro Kontinent plant Neubauer fünf Wochen Reisezeit. „Und dann für jede Reise ein kleines Album mit zwei oder drei Singles.“ Immer mit dabei: Eine Kamera, die das Erlebte einfängt. Der DJ will einen Dokumentarfilm über sein Abenteuer produzieren. Die Umsetzung aber sei schwierig. Er und sein Team bräuchten die Hilfe von Spendern, die das Projekt mitfinanzieren. Zurzeit führe er viele Gespräche: Sponsoren hätten Interesse, vielleicht klappt es mit einer Filmförderung. „Den Start haben wir sogar schon im Kopf“, sagt Neubauer. Nepal soll sein, Musik vom Dach der Welt. Erste einheimische Künstler hätten sich schon gemeldet. „Und wenn nicht“, erzählt er, „dann machen wir das privat. Es liegt uns einfach am Herzen.“

Die Band „StereoHerz“
Foto: Caroline Weißert
Caroline Weißert
 

Musik made in Güstrow

90 Tage – länger dauerte es nicht, bis Stereo-Herz über 30 000 Euro für ihren Plattenvertrag bei Musicstarter erkämpft hatten. Durch viel Engagement und vor allem durch ihr Talent überzeugten sie ihre Fans und Unterstützer zum Spenden. Das war im November 2014. Seitdem ging es für die Güstrower Band steil nach oben.

„Wir durften ein wunderschönes Album machen mit Produzenten und Musikern, von denen wir nicht einmal zu träumen gewagt hätten“, erzählt der Sänger Sven Fabrice Friedrich heute. Im Mai letzten Jahres brachte das Duo sein erstes Album auf den Markt. Mit ihrer deutschen Popmusik tourten die zwei Mecklenburger durch ganz Deutschland. „Wir durften auf vielen kleinen und großen Bühnen stehen“, sagt Sven. Die größte sei mit Abstand die im ZDF-Fernsehgarten gewesen. Da standen nämlich nicht nur 7000 Fans vor der Bühne, sondern etwa 2,4 Millionen Zuschauer saßen auch zuhause vor dem Fernseher. „Das war ein ganz anderer Schnack. Da kann einem schon einmal schlecht werden“, meint Sven. Baldrian und Entspannungsübungen hätten geholfen.

Doch Stereo-Herz hat Blut geleckt. Sie wollen noch mehr und vor allem auch ihre Heimat – den Norden Deutschlands – erobern. „Bisher hört man uns eher in Süddeutschland, aber wir haben uns ein solides Fundament geschaffen.“ Zurzeit basteln die beiden an ihrem neuen Album. Und dann landen sie bestimmt auch bei uns schon bald ganz oben in den Charts.

Mit ihrer Band „Sippel“ rockt Vivien regelmäßig die Prignitz.
Foto: Lisa Kleinpeter
Mit ihrer Band „Sippel“ rockt Vivien regelmäßig die Region
 

E-Gitarre trifft Bläser

Sie sind jung, sie sind wild und sie sind bereit die Welt zu erobern: Die Band Sippel ist mehr als ungewöhnlich. Denn bei den sieben Musikern treffen die Rockklänge von E-Gitarre, Bass und Schlagzeug auf „einen Haufen Blech“ wie sie selbst sagen: nämlich auf Trompete, Tuba, Horn und Posaune. Dabei hätte „niemand die Absicht, Blasmusik zu spielen.“

Genau durch diesen ungewöhnlichen Mix, gepaart mit der starken Stimme der Rostocker Studentin Vivi findet die junge Band immer mehr Fans. „Einmal abstampfen und dann ins Bett“, heißt ihre Devise. „Wir kennen uns schon länger aus anderen Musikformationen“, erzählt Sebastian, der Bassspieler. 2013 trat die Gruppe erstmals live bei einem Musikwettbewerb in Boberow bei Pritzwalk auf und schaffte es gleich auf den ersten Platz. Und nicht nur das. „Voice of Germany“-Star Nick Howard, der in der Jury saß, adelte die Band: „Ihr seid der Wahnsinn. Ich möchte eine Karte für euer nächstes Konzert.“

Die Band Sippel rockt, das Dorf rockt mit.
Foto: Jan Domres
Die Band "Sippel" rockt, das Dorf rockt mit.
 

Seitdem touren die sieben durch Norddeutschland. Elf Wochen lang waren sie in den Loro-Charts des Lokalradios in Rostock. „Wir sind auf alle unsere Songs stolz. Doch zu dem Lied ‚Immer laufen‘ gehen unsere Fans am meisten ab“, sagt Sebastian. In dem Lied gehe es um die große weite Welt und den Schritt, das Zuhause zu verlassen. Viele der Bandmitglieder hat es inzwischen zum Studieren in Großstädte gezogen. Trotzdem treffen sie sich mindestens einmal die Woche zum Proben.

Und wann kommt der Sprung in die große weite Welt? „Wir werden sehen“, meint Sebastian. „Erst einmal wollen wir alle unsere Ausbildung beenden.“ Doch eins ist klar:Von Sippel wird man noch einiges hören.

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