In der Tagesklinik den Krebs besiegen

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Oberärztin Manuela Seidel kontrolliert bei einem Patienten der Tagesklinik, ob seine Bluttransfusion richtig läuft. koslik

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28. Juni 2012, 10:11 Uhr

Neubrandenburg | Die Diagnose Krebs macht Angst - weil Betroffene sich oft zum ersten Mal mit der Endlichkeit ihres Lebens konfrontiert sehen. Und weil - auch wenn die Überlebenschancen heute viel besser sind als noch vor wenigen Jahren - kräfte- und nervenzehrende Therapien erforderlich sind, um wieder gesund werden zu können. Allein der Gedanke an wiederholte, womöglich mehrwöchige Krankenhausaufenthalte lässt manchen schier verzweifeln.

Doch Krebspatienten müssen heute längst nicht mehr zu allen Behandlungen ins Krankenhaus. "In den letzten 20 Jahren hat es eine deutliche Verschiebung in den ambulanten oder teilstationären Bereich gegeben", betont Dr. Norbert Grobe, Leitender Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin 1 und Leiter des interdisziplinären Tumorzentrums am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg.

Dafür gebe es mehrere Gründe: "Die Patienten wollen es. Die Medizin hat sich so weiterentwickelt, dass das in vielen Fällen auch problemlos möglich ist. Und schließlich machen auch die Krankenkassen unter ökonomischen Gesichtspunkten Druck", so Dr. Grobe.

Am Klinikum in der Viertorestadt gibt es bereits seit 1998 eine onkologische Tagesklinik. Seinerzeit hatte sie nur acht Betten, mittlerweile sind es 35. Dazu gehören tagesklinische Plätze in anderen Fachabteilungen, die im Herbst alle miteinander zu einer gemeinsamen interdisziplinären onkologischen Tagesklinik verschmelzen werden.

Was viele Patienten an der Neubrandenburger Tagesklinik schätzen, ist die familiäre Atmosphäre, denn durch die regelmäßigen Besuche entwickelt sich zum Personal ein sehr enges Verhältnis. Auch Angehörige sind jederzeit willkommen, denn sie sind für die behandelnden Ärzte eine wichtige Stütze.

Allerdings sei eine so "riesige Zusammenballung von Krebspatienten" aus psychologischer Sicht nicht unproblematisch, weiß Dr. Ulrike Flintzer, die Koordinatorin des Tumorzen trums am Klinikum in Neubrandenburg. Vor allem Frauen mit Brustkrebs reagierten während einer Chemotherapie sehr sensibel - bei ihnen hinterließe die Behandlung allerdings äußerlich auch die deutlichsten Spuren, allen voran den Haarausfall. Allerdings sei die räumliche Anordnung in der Neubrandenburger Tagesklinik sehr kleinteilig, so dass besonders sensible Patienten oder solche, die sich vorübergehend nicht wohlfühlen, auch in Zweibettzimmern untergebracht werden könnten.

Grundsätzlich sei es von der Art der Krebserkrankung abhängig, ob ein Patient die erforderliche Chemotherapie in einer Tagesklinik erhalten könne, so Dr. Grobe. Bei akuten Leukämien sei dies beispielsweise ausgeschlossen. Ein weiterer Ausschlussgrund für eine tagesklinische Behandlung sei eine zu große Entfernung zum Wohnort. Unsere Patienten kommen aus einem Gebiet mit einem Radius von etwa 80 km", so Dr. Ulrike Flintzer. Bei größeren Entfernungen sei die rechtzeitige Erreichbarkeit nicht gegeben, wenn es zu Hause zu Komplikationen kommen sollte. Auch bei Alleinlebenden ohne intakte soziale Struktur sei aus diesem Grund eine Tagesklinik oft nicht die erste Wahl.

Ebenfalls nicht für eine Tagesklinik geeignet sind Patienten, bei denen die Behandlung zu starken Nebenwirkungen führt. Dr. Grobe nennt hier vor allem Stoffwechselentgleisungen und Knochenmarksschäden durch die Chemotherapie.

Andere - häufige - Nebenwirkungen einer Chemotherapie lassen sich dagegen mittlerweile sehr gut behandeln. "Viele Patienten leiden beispielsweise an Übelkeit und Erbrechen", wissen die Neubrandenburger Ärzte. Mit Medikamenten ließen diese sich aber schnell eindämmen. Auch bei psychisch bedingten Beschwerden - dem Patienten wird schon schlecht, wenn er nur den Tropf mit dem Therapeutikum sieht - kann man helfen. "Allerdings ist es wichtig, die Beschwerden gleich im ersten oder zweiten Behandlungszyklus in den Griff zu bekommen, weil sich ansonsten ein Angstzyklus aufbaut, in dem sich die Beschwerden verselbstständigen", warnt Dr. Flintzer.

Weniger tun könne man gegen den Haarausfall, der vor allem Brustkrebspatientinnen betrifft. "Die Frauen bekommen dann ein Rezept für eine Perücke", so Dr. Grobe. "Viele sind inzwischen aber so selbstbewusst, dass sie darauf verzichten."

Dass die Haare ausfallen, sei der Zusammensetzung des Zytostatikums geschuldet - bei Brustkrebs sei es besonders aggressiv. "Für einzelne Krebsarten gibt es verschiedene Zytostatika, einige kann man auch bei mehreren verschiedenen Tumoren einsetzen", erläutert Dr. Flintzer. Bei Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen seien Nebenwirkungen der Chemotherapie daher auch nur sehr selten vergleichbar.

Wie und womit ein Krebskranker behandelt wird, entscheidet in Neubrandenburg wie in anderen großen Kliniken auch ein ganzes Expertengremium. Pathologen, Radiologen, Chirurgen, internistische Onkologen und Strahlentherapeuten gehören dem Tumorkonsil an. "Per Videokonferenz werden außerdem Kollegen aus den Krankenhäusern in Neustrelitz und Waren zugeschaltet, die ebenfalls ihre Fälle vorstellen", erläutert Dr. Flintzer. Darüber hinaus nimmt auch die niedergelassene Onkologin aus Neubrandenburg an der wöchentlichen Beratung teil. Für jeden Krebskranken wird dann ein individueller Behandlungszeitplan erstellt. "Die Therapien sind sehr viel komplexer und vielfältiger geworden", so Dr. Grobe. "Früher waren sie meist auf sechs Monate begrenzt, heute können sie über Jahre andauern."

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