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„Because we are friends“-Festival Jesendorf : In der Sphäre des Außeralltäglichen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Laute Electro-Musik, viele Umarmungen, gesundes Essen und möglichst wenig Müll – so präsentiert sich das erste „because we are friends“-Festival in MV

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erstellt am 28.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Jesendorf, 19.45 Uhr am Donnerstag. In einer Minute soll der Einlass beginnen für das „because we are friends“- Festival, das dieses Jahr erstmalig in Jesendorf stattfindet. Erstaunlich ruhig ist es noch. Vor dem Einlass tummeln sich nur ein paar Dutzend Menschen.

Der angrenzende Campingplatz dagegen füllt sich schnell. Mit Hupen und Johlen treffen die Festivalbegeisterten ein, bauen ihre Zelte in Rekordzeit auf. Schon hier fließt der Alkohol. Und nicht gerade zimperlich, schließlich muss der Feierpegel möglichst früh erreicht und lange gehalten werden.

Dann geht es voran. Endlich darf auch ich das großzügige Festivalgelände betreten und die liebevoll handgemachte Location erkunden. Meine erste herzliche Umarmung bekomme ich keine fünf Minuten nach dem Einlass. Von Dennis. Der 30-Jährige Hamburger war dieses Jahr der allererste Festivalbesucher auf dem Gelände und ist sichtlich stolz darauf. Ob es nicht komisch für ihn ist, fast allein zu sein und zu warten, dass alle anderen nachkommen, frage ich. „Es ist schon mehr oder weniger uncool“, gibt er zu, bevor sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breit macht. „Aber es ist auch genial der Erste zu sein.“ Vor lauter Freude bekomme ich meine zweite Umarmung. Es soll nicht die letzte an diesem Abend gewesen sein.

Denn auf Festivals wie diesem kommt man schnell ins Gespräch – ob man will oder nicht. So offen wie hier sind die Leute kaum irgendwo. Alltägliche Barrieren werden über den Haufen geworfen. Egal ob alt oder jung, Businessmensch oder Tagträumer, hier kommen alle zusammen. Denn auf dem Festivalgelände sind sie alle gleich, alle fröhlich und alle nur aufs Tanzen fixiert. Egal, ob neben ihnen Tausende andere tanzen oder niemand.

Denn „Festivals erzeugen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft, das wir durchaus mit in den Alltag nehmen“, erklärt Kultursoziologin Dr. Yvonne Niekrenz die Faszination Festival. Dieses Gemeinschaftsgefühl ähnele dem, das früher in Parteien, Sportvereinen oder Jugendorganisationen erlebt wurde. „Gleichzeitig muss sich niemand der Teilnehmer langfristig binden.“

Längst kommen regelmäßige Festivalgänger wie Dennis nicht mehr wegen der Künstler. „Die Karten hab ich schon gekauft, bevor das Line-up feststand“, erklärt er. Stattdessen ist er wegen dem Erlebnis hier. In den vier Tagen Festival „wird der Alltag mit all seinen Regeln und Konventionen ausgehebelt“, weiß Soziologin Niekrenz. So entstehe eine „Sphäre des Außeralltäglichen, in der schon am Vormittag getrunken werden und die Körperhygiene schon mal vernachlässigt werden darf.“

Doch Szene ist nicht gleich Szene. Bedeuten Festivals in manchen Regionen Deutschlands Schlammschlachten, Müllberge und brennende Dixi-Klos, geht es hier in Jesendorf gediegener zu. Die Veranstalter setzen auf Nachhaltigkeit, servieren ihren Gästen nur vegetarische und vegane Gerichte und halten sie dazu an, ihren Müll gleich wieder einzusammeln. Klingt spießig und langweilig? Das finden die knapp 2000 Besucher nicht. Denn hier geht es nicht darum, zu randalieren, sondern den Alltag zu vergessen. „Und man weiß, egal wer kommt, es sind die richtigen Leute“, meint Dennis. Jede Szene zieht eben ihr eigenes Publikum an und man trifft meist nur Gleichgesinnte.

Je später es wird, desto länger wird die Schlange vorm Einlass. Umso lauter die Musik. Und umso fröhlicher die Gäste. Wer es sich leisten kann, feiert die vier Tage durch. Festivalkater inklusive. Doch die Feierwütigen sehen es gelassen – schließlich sind die meisten von ihnen Festivalprofis. Zudem bietet das Gelände neben dem Campingplatz genügend Rückzugsmöglichkeiten zum Entspannen. Seien es überdachte Betten oder Hängematten. Doch ans Pausemachen denken die wenigsten.

Es ist inzwischen früh geworden. Dennis entdecke ich unter den noch immer unermüdlich Tanzenden wieder. Er winkt mir fröhlich zu, bevor er in der Menge verschwindet. Zweifellos, um jemanden zu umarmen. Schätzungsweise der Hälfte der Festivalgänger ist der 30-Jährige an diesem Abend schon näher gekommen. An einem Ort, wo sich sonst Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Seine Freude wird er bis Sonntag sicher noch mit vielen anderen Gleichgesinnten teilen.

Dennis aus Hamburg war der Erste, der in diesem Jahr das Festivalgelände betreten durfte. Das wurde natürlich euphorisch bis in die Morgenstunden gefeiert.
Dennis aus Hamburg war der Erste, der in diesem Jahr das Festivalgelände betreten durfte. Das wurde natürlich euphorisch bis in die Morgenstunden gefeiert. Foto: voff

Festivalkultur bei uns im Norden:

Wer seine Stars im Sommer gerne abseits miefiger Clubs und schlecht belüfteter Mehrzweckhallen genießen möchte, braucht nicht extra bis in die Eifel fahren. Auch MV bietet eine Vielzahl von Festivals:

Her Damit (27.-29.5.)
Vor der Kulisse des „Koloss von Prora“ – eingebettet zwischen Wald und Ostseestand– findet dieses Festival statt. Auf die Ohren gibt es House, Techno und Minimal.

Zurück zu den Wurzeln (9.-12.6.)
Nachdem das Festival im vergangenen Jahr abgesagt werden musste, fahren die Veranstalter dieses Jahr ein besonders umfangreiches Programm in Tessin auf. In einem „geheimen Wald“, wo sich Fuchs und Hase noch Gute Nacht sagen, darf dann zu Techno, TechHouse und Goa-Trance getanzt werden.

Zuparken (9.-12.6.)
Strand, Surfen, Musik und vor allem „Mitmachen!“. Darum geht es bei diesem Festival, das sich inzwischen deutschlandweit als Begegnungsstätte von Surfern und Musikern etabliert hat. Geboten werden in Kägsdorf viele gratis Workshops (beispielsweise im Kitesurfen) sowie Rock, Pop und elektronische Musik.

Glow-Festival (10.-12.6.)
In der historischen Ziegelei Benzin erwartet Tanzwütige House, Techno, Psy und Prog

Bachwoche (12.-19.6.)
Die Bachwoche in Greifswald fand erstmals 1947 statt und ist damit wohl das älteste und speziellste Musikfestival in MV. Denn zu hören gibt es Kammer- und Kirchenmusik.

Red Sun (16.-19.6.)
Dieses Festival bietet nationale wie internationale DJs Acts aus den Bereichen House und Electro, dazu Sport und Spiel, Camping und Strand in Bad Doberan.

Meeresrausch (17.-19.6.)
Ist ein bescheidenes Festival in Peenemünde mit vier Floors. Besonders beliebt sind die kreativen Licht-Installationen, die für Stimmung sorgen.

Fusion (29.6.-3.7.)
Mit mit Musik, Theater, Performance und Kino bis hin zu Installation, Interaktion und Kommunikation lockt auch dieses Jahr wieder das Fusion Festival auf dem Lärzer Flugplatz mit Electro, Trance, und Drum’n’Bass Acts.

Transit (8.-10.7.)
Fans von Rock, Reggae und Ska Musik dürfen sich auf das diesjährige „Ferienlager“ im Garten der Burg Klempenow freuen.

Airbeat One (14.-17.7.)
Das norddeutsche Dance-Festival feiert in diesem Jahr sein 15. Jubiläum auf dem Flugplatz in Neustadt-Glewe. Dafür entführen die Veranstalter in eine entfernte Welt voller Mythen und neuer Kulturen auf einen unbekannten Kontinent.

Tag am Meer (16.7.)
Wer die kleine und familiäre Alternative zu den gängigen Festivals sucht wird beim Tag am Meer sein Glück finden. Die Prorer Wiek, eine weitläufige Meeresbucht auf Rügen wird die Kulisse zum Freiluftfest sein, auf dem es House, Electro und Reggae zu hören gibt.

Rostock Rockt (22.-23.7.)
Von Rock bis Hip Hop und Punk ist bei diesem Festival im Rostocker IGA Park alles dabei. Erwartet werden unter anderem Feine Sahne Fischfilet, Tonbandgerät und die Sportfreunde Stiller.

FestEvil Nopperhof (29.-31.7.)
Bei diesem kleinen aber feinen handgemachten Open Air in Langen Trechow kommt zwischen Feldern und Windmühlen Festivalstimmung auf. Musikalisch Ist von Rock über Punk, Stoner und Blues bis Hip Hop alles vertreten.

SimSalaBoom (29.-31.7.)
Auf 6 Ebenen bietet dieses Festival ein abwechslungsreiches Musikprogramm zwischen Techno, Goa, Drum’n’Bass und Chill. Dieses „Ferienlager für Erwachsene“ in Menkendorf bietet zudem Badestellen, gratis Camping und Kino.

Baltic Spring Break (6.-9.8.)
Auf der Insel Usesom, im Seebad Ahlbeck, findet dieses Festival für elektronische Musik statt. Ganz nach amerikanischem Vorbild darf hier Tag und Nacht durchgefeiert werden.

Barther Metal Open Air (18.-21.8.)
Bei diesem Festival kommen Fans von Black- und Death-Metal, Pagan und Viking Metal voll auf ihre Kosten. Softies haben hier nix verloren.

Place2Be (19.-21.8.)
Auch die Landeshauptstadt watet mit eigenem Festival auf. Zu hören gibt es Electro, Hip Hop und Pop Musik. Headliner sind in Schwerin dieses Jahr Lexy und K-Paul.

Pangea (25.-28.8.)
Das Pangea Festival vereint Funsport-Fans mit Musikliebhabern und bietet vier Tage lang das Beste aus Electro, Hip Hop, Rock, Pop und Indie in Pütnitz.

TeteRock (2.-4.9.)
TeteRock ist ein Festival der Katholischen Jugend Mecklenburg. Passende Bands für das zehnjährige Jubiläum in Teterow werden derzeit noch gesucht. Das Band-Bewerbungsformular gibt es online.

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