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Hoher Anteil von Billiglohn-Jobs in MV : In der Niedriglohnfalle

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Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat die oft schlechte Bezahlung von Fachkräften im Nordosten angeprangert. Selbst in Rostock gehöre ein Fünftel aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern.

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erstellt am 10.Dez.2012 | 07:56 Uhr

Schwerin/Rostock | Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die oft schlechte Bezahlung von Fachkräften im Nordosten angeprangert. Selbst in Rostock als dem Wirtschaftszentrum des Landes gehöre ein Fünftel aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern mit einem Monatsbruttoverdienst von weniger als 1379 Euro. In der Landeshauptstadt Schwerin beträgt die Quote der Niedriglöhner 18,9 Prozent. Noch viel drastischer ist die Lage im Osten des Landes: Fast jeder zweite Vollbeschäftigte in Neubrandenburg arbeitet für einen Niedriglohn - 40,2 Prozent von 22 538 Arbeitnehmern. Das geht aus einer gestern vorgelegten Statistik hervor, für die erstmals der Niedriglohnsektor auf regionaler Ebene untersucht wurde. Konkret lag die Niedriglohnschwelle für den Untersuchungszeitraum 2010 in allen ostdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1379 Euro, in den alten Ländern bei 1890 Euro.

"Das Problem ist, dass allen zukünftigen Rentnern mit einem Bruttoverdienst von weniger als 2500 Euro selbst nach 35 Jahren Vollzeitarbeit Altersarmut trotz Berufsabschluss droht", kommentierte die Entwicklung Gisela Ohlemacher, DGB-Regionsvorsitzende Ost MV. Ihr Kollege für die Region Rostock-Schwerin, Thomas Fröde, sieht im Dienstleistungsgewerbe ein überdurchschnittlich hohes Risiko für eine schlechte Bezahlung. Nach seiner Einschätzung hätten Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko. Die Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern. "Wer behauptet, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liegt falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, sind hier zu Lande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle", warnt Fröde.

Nach Angaben des Statistischen Amtes sind in kaum einem anderen Bundesland Billiglöhne so verbreitet wie in Mecklenburg-Vorpommern. Fast jeder vierte Arbeitnehmer im Nordosten verdiente 2010 weniger als 8,50 Euro je Stunde.

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