Schülerzahlen & Trends in MV : In den Schulen ist es eng

Abriss einer in Plattenbauweise errichteten Schule in Greifswald
Abriss einer in Plattenbauweise errichteten Schule in Greifswald

Stetig steigende Schülerzahlen, Inklusion und Digitalisierung erfordern Sanierungen und Neubauten in der Region

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16. März 2018, 05:00 Uhr

Die Schülerzahlen in MV wachsen, aber in den Schulen ist es eng. Es fehlen Räume. Die Folge: Schulneubauten und -sanierungen. „An einzelnen Orten gibt es weit mehr Schüler als erwartet“, sagt Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag MV. Hier leitet er das Referat Verwaltungsmodernisierung, Bau, Umwelt, Wirtschaft, Bildung, Europa und Landwirtschaft.

Als laufende Projekte nennt er die Erneuerung der Bernsteinschule in Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen) und den Ersatzneubau an der Integrativen Gesamtschule „IGS Erwin Fischer“ in Greifswald. Letzteres Bauvorhaben schlägt mit Gesamtkosten von etwa 18,2 Millionen Euro zu Buche. Die Stadt Grevesmühlen plant mit dem 20-Millionen-Projekt „Schulcampus“ einen Schulneubau, zu dem eine Grund- und Regionalschule, eine integrative Schule sowie ein Hort gehören sollen.

Die Zahl der Schüler und Berufsschüler in MV ist laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr gegen den Bundestrend um 1,3 Prozent gewachsen und damit am zweitstärksten nach Sachsen (1,6 Prozent). An den hiesigen 562 allgemeinbildenden Schulen werden derzeit etwa 149 200 Schüler unterrichtet. Das sind 2600 Mädchen und Jungen mehr als noch im vergangenen Schuljahr (146 600).

Doch nicht nur die Gesamtschülerzahl, auch die der Schulanfänger steigt. 2017 wurden rund 15 300 Erstklässler eingeschult, 2016 waren es rund 14 900, 2013 nur 12 800. Nach der Wende 1989 sank mit dem Geburtenknick die Zahl auf unter 10 000.

Nun aber füllen sich die Klassenzimmer wieder. Der Zuwachs ist einerseits demografisch bedingt, da die Geburtenzahlen steigen. Zum anderen geht die Entwicklung laut Statistischem Landesamt MV auf die Zuwanderung zurück. Derzeit besuchen rund 7400 Kinder und Jugendliche mit ausländischer Staatsbürgerschaft Schulen in MV. Das sind etwa fünf Prozent aller Schüler.

Neben dem Bedarf an Schulneubauten besteht seit Jahren Sanierungsstau. „In den vergangenen 20 Jahren hat es kein gesondertes Schulbauprogramm gegeben. Dort, wo der Einsatz von Städtebaumitteln möglich war, gab es Sanierungen, aber der Bedarf ist unverändert hoch“, berichtet Fittschen.

Für den Bau moderner Schulgebäude hat das Land einen ersten Schritt getan und im vergangenen Oktober ein Sonderförderprogramm für neun zusätzliche Projekte gestartet. Rund 100 Millionen Euro sollen in den Bau und die Sanierung staatlicher Schulen fließen. Davon profitieren der Umbau einer Berufsschule in Neubrandenburg, die Sanierung zweier Grundschulen in Stralsund und Wismar sowie einer Regionalschule in Sassnitz. Drei Viertel der Summe besteht aus Bundesmitteln, 25 Millionen Euro schießt das Land aus seinem Strategiefonds zu. Freie Schulen bekommen zudem zehn Millionen Euro aus einem weiteren Investitionsprogramm des Bundes. „Die übrigen Mittel sollen aus sechs weiteren schon bestehenden Fördertöpfen u.a. für Städtebau und ländliche Entwicklung kommen, die nicht direkt dem Schulbau dienen. Aber das Programm läuft bisher noch nicht. Das ist für die Kommunen sehr unbefriedigend, denn sie wissen nicht, ob ihr Förderantrag bewilligt wird“, sagt Fittschen, der den Gesamtinvestitionsbedarf auf 1,5 Milliarden Euro schätzt. Derzeit lägen Förderanträge mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro beim Land vor.

Die Fördergelder alleine reichen nicht aus, um die erforderlichen Investitionen zu stemmen. Hinzu kommen zwei weitere Herausforderungen: Inklusion und Digitalisierung. Klassenräume müssen den Anforderungen entsprechend technisch aufgemöbelt werden.

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