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JugendTheaterClub : In den Schubladen des Lebensschranks

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Im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin kreischen, singen, brüllen, tanzen, fallen und taumeln 16 Darsteller im Alter von 15 bis 19 Jahren die großen Themen des Erwachsenwerdens vor.

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erstellt am 09.Dez.2011 | 12:11 Uhr

SCHWERIN | Das Bühnenbild ist sparsam: Fünf meterlange Packpapierfahnen hängen von der Decke, ein paar Scheinwerfer hier und da. Davor eine offene leere Bühne. Den Platz braucht der JugendTheaterClub des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin für seine Inszenierung dringend. Hier kreischen, singen, brüllen, tanzen, fallen und taumeln die 16 Darsteller im Alter von 15 bis 19 Jahren auf höchst unterhaltsame Weise die großen Themen des Erwachsenwerdens vor: Suche nach Identität, Kampf gegen Normen und Schubladen, Liebe, Angst und Lebenslust. Gestern Abend zeigten sie die Wiederaufnahme ihres selbstverfassten Stücks "Das Leben ist ein Schrank" im E-Werk.

Den Anfang macht eine einfache Wahrheit: In der Woche passiert selten etwas Spannendes. Montag traurig: "Mathe, dieses Drecksfach, des Jammers Maß ist voll!". Mittwoch eintönig: Marionettentanz im Roboteralltag der Schule. In Schubladen gesteckt fühlen sich die Jugendlichen, genormt, angepasst und eingezwängt. Doch am Samstag geht es los: erst ein witziger Rap, vom Macker der Liebsten in flagranti erwischt nach einer wilden Nacht. Was bleibt da zu tun? Schiller zitieren, natürlich. Dann verliest ein Mädchen einen Brief an ihre Eltern. Schwanger sei sie vom HIV-positiven Freund, aber so schlimm ist das doch nicht, oder? Nein, alles nur erfunden, eigentlich hat sie nur eine Sechs in Mathe. Und eine Fünf in Chemie. "Seht die Zahlen im Verhältnis - Eure Tochter lebt noch!", endet sie.

Zwischen den Szenen der einzelnen Schauspieler tanzt das Ensemble, schreit, springt herum, Wellen laufen durch die Gruppe. Die Jugendlichen zittern und zucken und spielen mit erratischen Requisiten wie einem Zauberwürfel, einer Superhelden-Maske und einem Kuscheltier. Selbstgeschriebenes mischt sich mit Klassischem, auf das Gedicht "Der Rabe" von Edgar Allan Poe folgt ein a-cappella-Popsong und ein Klavierstück. Meist handeln die Szenen vom Zwang zur Anpassung und der Angst davor, von der Rollenfindung Jugendlicher in der Gesellschaft und der Suche nach dem Glück. Der JugendTheaterClub hat unter der Leitung von Jana Kühn und Lucie Teisingerova mit "Das Leben ist ein Schrank" ein beeindruckend vielschichtiges und amüsantes Stück auf die Beine gestellt. Das Publikum belohnte das mit lang anhaltendem Beifall.

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