In den Gerichten von MV wird das Personal knapp

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16. September 2012, 07:24 Uhr

Parchim/Greifswald | Überalterung der Richter im Land: Der durchschnittliche Berufsrichter in MV ist 49 Jahre alt, wie der Richterbund erklärt. "In zwei, drei Jahren startet außerdem eine große Pensionierungswelle, die spürbaren Bedarf an den Gerichten erzeugen wird", warnt Jörg Bellut, Sprecher des Richterbundes MV. Als Ursachen nennt er den demographischen Wandel und die falsche Gehalts- und Einstellungspolitik der Landesregierung. "Ein junger Richter verdient in unserem Land knapp 40 000 Euro brutto", sagt Bellut. Die ausgezeichneten Absolventen der Hochschulen könnten jedoch in großen Kanzleien anfangs leicht das Doppelte verdienen. "Dadurch werden uns die guten Leute einfach vor der Nase weggeschnappt", so der Sprecher. Hinzu kämen die großen Anforderungen an die Abschlüsse und die persönlichen Voraussetzungen. Die Einstellungstests seien sehr anspruchsvoll. "Eine Schere zwischen Anforderung und Belohnung, die Konsequenzen haben kann, wenn man nicht nachbessert", schätzt Bellut ein. Natürlich könne man die Anforderungen nicht einfach senken, vielleicht jedoch die Gewichtung der Einstellungskriterien.

Für den Greifswalder Professor Jürgen Kohler besteht jetzt schon ein Mentalitätsunterschied zwischen den Möglichkeiten der Absolventen. Die Arbeitsweisen im öffentlichen Dienst und auf dem freien Markt würden sich deutlich unterscheiden. "Das wissen auch unsere Absolventen." Wer heute nach dem Motto "arm aber sicher" auswähle, der werde weiterhin versuchen, Richter zu werden, schätzt der Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht ein. Die Elite wandere derzeit eher in die Metropolen wie Düsseldorf und Frankfurt/M. ab und verdiene dort als Anfangsgehalt etwa 100 000 Euro jährlich. "Natürlich mit entsprechend größeren Abzügen als im öffentlichen Dienst", räumt Kohler ein. Falls diese Gehaltsschere aber nicht verkleinert werde, könne das zu einem Qualitätsverlust im Richteramt führen.

Die Landesregierung betont, dass junge Richter in MV so viel verdienen wie in den norddeutschen Nachbarländern. Man sei sich der Altersproblematik bewusst, habe aber die Vorgaben des geltenden Personalkonzepts von 2010 zu erfüllen. "Vor diesem Hintergrund können junge Richterinnen und Richter nur begrenzt eingestellt werden", heißt es. Derzeit sind im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern 499 Richter tätig, "die zu Recht ein hohes Ansehen genießen, hier in unserem Land und in der ganzen Bundesrepublik. Das wird nicht nur durch eine Forsa-Umfrage bestätigt, sondern auch bei vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern", erklärt Justizminsterin Uta-Maria Kuder (CDU).

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