In den Ferien Geld verdienen

<strong>Eisverkäuferin</strong> ist einer der Klassiker unter den Ferienjobs. <foto>Foto: dapd</foto>
Eisverkäuferin ist einer der Klassiker unter den Ferienjobs. Foto: dapd

svz.de von
07. Juni 2012, 11:10 Uhr

Die großen Ferien stehen vor der Tür. Endlich Zeit für Reisen, Baden und Chillen, denkt so mancher Jugendliche. Aber längst nicht jeder. Viele Schüler wollen die freie Zeit auch nutzen, um sich ein bisschen Taschengeld dazuzuverdienen und dabei gleichzeitig in die Berufswelt hineinzuschnuppern. Welche Regeln für solche Ferienjobs gelten, haben wir zusammengestellt.


Wer darf in den Ferien arbeiten?

- Kinder bis 14 Jahre: Kinder unter 13 Jahren dürfen so gut wie gar nicht arbeiten. Wer 13 oder 14 Jahre alt ist, kann mit Zustimmung der Eltern leichte Tätigkeiten wie Gartenarbeit, Nachhilfeunterricht, Babysitting oder Zeitungaustragen übernehmen - allerdings nur für zwei Stunden täglich zwischen 8 und 18 Uhr. In der Landwirtschaft sind bis zu drei Stunden möglich.

- Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren: Sind sie noch schulpflichtig, dürfen sie nicht länger als vier Wochen pro Jahr jobben. Schwere körperliche und gefährliche Arbeiten sind allerdings auch dann verboten. Die Arbeitszeit darf laut Jugendarbeitsschutzgesetz in der Regel acht Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche nicht überschreiten. Zudem muss sie zwischen 6 und 20 Uhr liegen. Ausnahmen sind ab einem Alter von 16 möglich. Dann kann man im Gaststättengewerbe bis 22 Uhr, in Unternehmen mit Mehr-Schicht-System bis 23 Uhr arbeiten. Am Wochenende dürfen Jugendliche nur in Ausnahmefällen, etwa bei Veranstaltungen, jobben.

- Ab 18 Jahre: Für 18-Jährige gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz nicht mehr. Vor dem Gesetz ist man erwachsen.

Welche Jobs sind möglich?

Typische Ferienjobs sind Eisverkäufer, Küchenhilfe, Kellner oder Pizzabote, Rettungsschwimmer, Produktionshelfer oder Gästebetreuer. Wer sich in Jobportalen umschaut, findet häufig Stellen als Promoter, zum Beispiel um Mitglieder für Organisationen zu werben.

Wo findet man einen Ferienjob?

Das ist für Schüler - insbesondere im Nordosten - gar nicht so einfach. "Bisher haben wir nur ganz wenige Stellen für Jugendliche unter 18 Jahren im Angebot gehabt", sagt Brigitte Radewald von der Job-Vermittlung der Agentur für Arbeit Schwerin. Wie schon in den vergangenen Jahren würden die Anfragen potenzieller Ferienjobber die Zahl angebotener Stellen deutlich übersteigen. Deshalb hat die Agentur für Arbeit gerade einen Aufruf an Unternehmen, Verwaltungen und Privatleute gerichtet, Ferienjobs an die Job-Vermittlung zu melden, deren Mitarbeiterinnen auch zu rechtlichen Fragen beraten.

Von einem Ferienjobber könnten Unternehmen nicht nur profitieren, weil diese helfen, saisonale Spitzen und die Urlaubszeit abzusichern. "Die Betriebe haben auch die Chance, sich den Jugendlichen als gute Arbeitgeber mit guten Arbeitsbedingungen zu präsentieren", wirbt Christian Glaser, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Stralsund, mit Blick auf die Suche nach Auszubildenden.

Dass sich die meisten Ferienjobangebote an Volljährige richten, hänge gerade in den Tourismusregionen damit zusammen, dass es die meisten Jobs im Bereich Gaststätten und Hotels gibt, erklärt Thomas Drenckow, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Rostock. Dort würden besondere Arbeitszeiten gelten, die sich mit Minderjährigen nicht problemlos realisieren ließen. Und weil es im Land mehrere Hochschulen und Universitäten gibt, seien genügend volljährige Studenten da, die die Jobs ohne Einschränkungen übernehmen können. So seien den Rostocker Jobvermittlern für diesen Sommer gerade einmal zwei Ferienjobs für Schüler gemeldet worden.

Thomas Drenckow empfiehlt den suchenden Schülern, eigene Netzwerke zu nutzen, also Eltern, Bekannte, Verwandte und ältere Schüler nach Ferienjobs zu fragen. "Eigeninitiative ist wichtig." Oft stehen Jobangebote auch einfach am Aushang im Eiscafé oder der Pizzeria.

Müssen auch die Ferienjobber Sozialabgaben zahlen?

Ferienjobs gelten als kurzfristige Beschäftigung. Werden sie an nicht mehr als 50 Tagen im Jahr oder bei einer Fünf-Tage-Woche nicht länger als zwei Monate ausgeübt, müssen keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Dabei werden alle Jobs in einem Kalenderjahres zusammengerechnet. Jobbt man nach den letzten Schulferien vor Beginn der Berufsausbildung, gilt die Versicherungsfreiheit aber nicht.

Muss man damit rechnen, Steuern zahlen zu müssen?

Auch Schüler, die in den Ferien jobben, gelten als Arbeitnehmer. Damit unterliegt ihr Einkommen der Steuerpflicht. Allerdings müssen in den meisten Fällen keine Steuern gezahlt werden bzw. können vom Finanzamt zurückgeholt werden. Für Ferienjobber kann es günstig sein, sich eine "Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug 2012" zu besorgen. Dann werden die Steuern entsprechend der dort eingetragenen Lohnsteuerklasse berechnet und vom Arbeitgeber abgeführt. Bis zu einem Monatsbruttoverdienst von rund 900 Euro werden keine Steuern fällig. Wer mehr verdient, kann sich die Steuern im folgenden Jahr vom Finanzamt wiederholen - über die Einkommenssteuererklärung für 2012. Voraussetzung ist jedoch, dass die jährlichen Gesamteinkünfte den Betrag von 8004 Euro nicht überschreiten. Vom Verdienst können noch einige Positionen, zum Beispiel der Arbeitnehmer-Pauschbetrag für Werbungskosten, abgesetzt werden.

Wird weder eine Lohnsteuerkarte noch eine Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug beim Arbeitgeber abgegeben, führt dieser pauschal 25 Prozent Steuern vom Bruttolohn an das Finanzamt ab. Das ist aber nur möglich, wenn die Beschäftigung nicht mehr als 18 zusammenhängende Arbeitstage dauert und der Arbeitslohn pro Arbeitstag durchschnittlich nicht mehr als 62 Euro beträgt. Nachteil: Diese Pauschalsteuer kann nicht über die Einkommenssteuererklärung zurückgeholt werden.

Die Bescheinigung müssen Ferienjobber beim Finanzamt mit dem Vordruck "Antrag auf Ausstellung einer Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug 2012" beantragen und dann dem Arbeitgeber vorlegen. Wer von vorherigen Ferienjobs noch die Lohnsteuerkarte von 2010 oder die Bescheinigung aus 2011 hat, kann diese weiter nutzen.

Braucht man eine zusätzliche Unfallversicherung?

Nein. Ferienjobber sind über den Betrieb, in dem sie tätig sind, gesetzlich unfallversichert. Der Schutz gilt nicht nur während der Arbeitszeit, sondern auch für den Weg zur Arbeit und zurück.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen