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Gebärmutterhalskrebs : Impfung mit sehr viel Potenzial

vom
Aus der Onlineredaktion

Spritze gegen Papillomviren soll vor Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung schützen

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Gegen Krebs kann man sich nicht impfen lassen – wohl aber gegen eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV), die als Risiko für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs gilt. 2007 sprach die Ständige Impfkommission der Robert Koch-Instituts erstmals die Empfehlung zur HPV-Impfung für Mädchen und junge Frauen aus. Für eine Bilanz, ob dadurch tatsächlich die Rate der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen zurückgegangen ist, sei es aber auch zehn Jahre später, noch zu früh, betont die Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern. „Dazu muss man wissen, dass zwischen der Infektion mit HPV und dem Auftreten des virusbedingten Gebärmutterhalskrebses zehn Jahre oder oft sogar mehr liegen“, erläutert Dr. Ellen Mann, Leiterin der zertifizierten Dysplasiesprechstunde der Universitätsfrauenklinik und Poliklinik am Klinikum Südstadt Rostock.

„Eine weitere Voraussetzung, damit die Erwartungen, die an die Impfung geknüpft sind, sich erfüllen können, ist eine entsprechend hohe Impfrate“, betont Dr. Grit Czapla, die die Geschäftsstelle der Krebsgesellschaft MV leitet. „Denn nur, wenn ein hoher Anteil der Bevölkerung geimpft ist, können messbare Ergebnisse eintreten und sind zudem auch die Nichtgeimpften ausreichend geschützt.“ Doch deutschlandweit liege die Impfrate nur bei 40 Prozent. In MV sieht es Czapla zufolge allerdings besser aus: „Bei den 17-Jährigen, die mindestens eine HPV-Impfung erhalten haben, nimmt unser Land mit 73,5 Prozent die Spitzenposition im Bundesvergleich ein. Ebenso mit 59,3 Prozent bei den 17-Jährigen, die eine vollständige Immunisierung erhalten haben.“ Schlechter sieht es allerdings bei Jüngeren aus.

2014 sei das empfohlene Impfalter von zwölf auf neun Jahre herabgesetzt worden, so Dr. Mann: „Es ist wichtig, dass die Mädchen rechtzeitig geimpft werden, nämlich vor ihrem ersten Geschlechtsverkehr.“ Ein weiterer Vorteil einer frühzeitigen Impfung sei, dass für einen vollständigen Schutz nur zwei statt drei Spritzen erforderlich sind.

Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem derzeit eine Impfung von Jungen im gleichen Altersspektrum empfohlen wird. Laut Krebsgesellschaft ist das sehr sinnvoll, da die HPV-Typen, gegen die geimpft wird, nicht nur für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind, sondern auch für die Entstehung von Anal- und Peniskrebs sowie für die Entstehung von Genitalwarzen.

Trotz der Impfung kann eine Infektion mit einem nicht im Impfstoff enthaltenen HPV-Typ erfolgen – schließlich sind laut Krebsgesellschaft inzwischen mehr als 150 verschiedene Typen bekannt. Weil also die Gefahr der Gebärmutterkalskrebs-Entstehung auch bei Geimpften nicht völlig gebannt ist, wird die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt weiter empfohlen.

Allerdings wird die Möglichkeit der Diagnostik von HP-Viren in Kürze wahrscheinlich das Screening von Gebärmutterhalskrebs verändern, so die Krebsgesellschaft. Frauen ab 35 Jahren soll statt der jährlichen Untersuchung eines Zellabstriches alle drei Jahre eine kombinierte Untersuchung aus einem Test auf genitale Infektionen mit HPV und der klassischen Zelluntersuchung angeboten werden. Sind keine HP-Viren nachweisbar, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zellen des Gebärmutterhalses in den nächsten drei Jahren zu Krebszellen entarten, quasi gleich Null. „Die HPV-Impfung und die HPV-Tests bergen sehr viel Potenzial und können helfen, Leid zu verhindern“, betont Dr. Ellen Mann.

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