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Impfstoff gegen Grippe: Der Nachschub wird knapp

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erstellt am 25.Okt.2012 | 06:37 Uhr

Schwerin | Hausärzte und Apotheker in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg haben derzeit kaum eine Chance, Grippeimpfstoff zu bekommen. Nur die Impfdosen, die schon im Frühjahr geordert wurden, werden planmäßig bis Ende Oktober eintreffen, wie Heinz Weiß, Geschäftsführer des Apothekerverbandes MV, sagte. Hintergrund sei ein Engpass bei Produktion und Lieferung von Impfstoff für die Saison 2012/13.

Zwei Entwicklungen nennt Heinz Weiß als Ursache: Zum einen hatten die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern im Hinblick auf Rabatte einen einzigen Pharmakonzern mit der Lieferung beauftragt - den Schweizer Konzern Novartis. Der macht gegenwärtig mit Lieferschwierigkeiten und Rückrufaktionen Schlagzeilen. Andere Unternehmen mussten ihre Produktionskapazitäten ohne Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern planen und die Herstellung hochfahren, als die drei Bundesländer ihre Märkte für alle Anbieter freigaben.

Zum anderen haben Apothekerverband, AOK und Kassenärztliche Vereinigung in MV, Berlin und Brandenburg vor zwei Jahren ein einheitliches Bestellsystem geschaffen. Knapp neun Euro zahlen die Kassen demnach pro Dosis, in anderen Bundesländern sind es um die 15 Euro. "Wir wollen mit unserem Modell dafür sorgen, dass die Pharmakonzerne realistische Preise machen", erklärt Heinz Weiß. Die Apotheken bestellen die Impfdosen im Frühjahr auf Grundlage des Preises und der Stückzahl, die Arztpraxen angemeldet haben.

Ein Richtwert sei die Vorjahresmenge, so Weiß. 2011 waren es 453 000 Impfdosen. "Doch gibt es natürlich Ärzte, die zurückhaltend ordern oder unbedingt Impfstoff von Novartis wünschen." Dies führe ebenso zu Nachbestellungen wie ein unerwarteter Ansturm impfwilliger Patienten. Sein Fazit: Noch ist die Situation nicht dramatisch.

Für die acht Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte hatte das Land 20 000 normale Grippeimpfungen und 2000 mit Wirkverstärker eingeplant. "Die Dosen sind wie bestellt geliefert worden", sagte Anja Neutzling vom Landesamt für Gesundheit und Soziales.

Das Paul-Ehrlich-Institut in Hessen rief gestern Impfstoff der Firma Novartis zurück. Bis 19. Oktober hatte das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel rund 14,2 Millionen Dosen überprüft, weit weniger als in den vergangenen sechs Jahren zum gleichen Zeitpunkt.

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