9. Storchentag in Karow : Immer weniger Störche in MV

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Auch in Mestlin werden seit einigen Jahren immer weniger Storchenpaare und Jungvögel in den Storchenhorsten gezählt.Michael-Günther Bölsche

Trotz kleiner Lichtblicke sei die Populationsentwicklung der Störche nicht zufriedenstellend, konstatierte Landwirtschafts- und Umweltminister Backhaus auf dem 9. Storchentag des NABU am Sonnabend in Karow.

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24. März 2013, 07:10 Uhr

Karow | Trotz kleiner Lichtblicke sei die Populationsentwicklung der Störche nicht zufriedenstellend, konstatierte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus auf dem 9. Storchentag des NABU am Sonnabend in Karow. "Mecklenburg-Vorpommern hat zwar zusammen mit Brandenburg den höchsten Anteil am gesamtdeutschen Brutbestand des Weißstorchs", so der Minister. "Doch wir alle erinnern uns an das Jahr 2005, in dem wir einen Rückgang um etwa 27 Prozent zu beklagen hatten. Von diesem Einbruch konnte sich der Bestand in den letzten sieben Jahren nicht wirklich erholen."

So ging die Zahl von 1142 Horstpaaren 2004 auf 834 im Jahre 2005 zurück. Ca. 41 Prozent der Paare blieben vor acht Jahren ohne Bruterfolg. 2010 wurden 813, 2012 wieder 837 Horstpaare gezählt. Im Vorjahr blieben 193 Brutpaare ohne Nachkommen. Dies sind 23,1 Prozent des Gesamtbestandes, eine Zahl, die leicht unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (25,7 Prozent) liegt. Da Storchendorf Mestlin registrierte 2010 mit nur vier Jungtieren die geringste Anzahl an Storchennachwuchs. 1999 wurden in Mestlin 23 Jungtiere gezählt.

Die Ursachen für die wenig erfolgreiche Populationsentwicklung seien äußerst komplex, erläuterte Dr. Backhaus. Dazu gehörten Nahrungsmangel, Todesfälle an Mittelspannungsmasten oder Windkrafträdern (5 in M-V in 2012) ebenso wie die Bejagung des Storches in einigen Ländern Afrikas.

Während beim Weißstorch in M-V die Brutplätze - auch durch die traditionell positive Einstellung der Bevölkerung zu Meister Adebar - als gesichert gelten, wird die Nahrungssuche durch Veränderungen der Landschaftsstruktur und der landwirtschaftlichen Bodennutzung zunehmend schwieriger. Der Landwirtschaftsminister begegnete dem Vorwurf, der Rückgang der Storchenpopulation gerade hier habe nur etwas mit der Monokultur zu tun, mit Fakten: Der Anteil von Raps und Mais an der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt in M-V bei ca. 32 Prozent (Brandenburg 31, Niedersachsen 40, Schleswig-Holstein 37 Prozent).

Zusätzlich zur im Juli 2011 erlassenen Vogelschutzgebiets-Landesverordnung wurden - auch nach Hinweisen von Ehrenamtlichen und Verbänden - im Jahr 2011 vom LUNG erste Maßnahmenvorschläge zur Verbesserung der Nahrungssituation des Weißstorches entwickelt. Der Minister verwies auch auf das aktuelle "Konzept zum Erhalt und Entwicklung der biologischen Vielfalt Mecklenburg-Vorpommern", das den gegenwärtigen Zustand darstellt, Gefährdungsursachen und Möglichkeiten zu deren Reduzierung aufzeigt, auch für den Weißstorchschutz.

Der Weißstorch sucht seine Nahrung hauptsächlich in einem Umkreis von 2000 Metern um seinen Horst. Vordergründige Aufgabe sei es daher, diese Nahrungsräume zu erhalten und zu verbessern. Vorschläge dazu sind angepasste Nutzungen auf landeseigenen Flächen im Horstumfeld und die Lenkung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in solche Standorte. Besonders erfolgreich seien die Agrarumweltmaßnahmen. "Eine besonders umweltfreundliche Bewirtschaftung landwirtschaftlich genutzter Flächen erfolgt auf ca. 190 000 ha, das sind ca. 15 Prozent der Landwirtschaftlichen Nutzfläche."

"Offensichtlich sind die Lebensbedingungen für den Weißstorch nicht mehr so gut wie noch vor zehn Jahren", konstatiert Helmut Eggers von der Bundes- und Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz M-V des NABU. "Immer weniger artenreiches Dauergrünland und dafür immer mehr Saatgras-, Mais- und Rapskulturen führen zu einer Verschlechterung der Nahrungssituation des Storches. Wir als Naturschützer des Landes sehen diese dramatische Entwicklung mit großer Sorge."

"Den Ankündigungen der letzten Jahre müssen von Seiten der Landesregierung nun unmittelbar wirksame Schutzprogramme folgen", sagt Helmut Eggers. "Storchenschutz darf sich nicht im Bau von Nisthilfen erschöpfen, sondern muss vor allem auf die Erhaltung einer vielfältigen Landschaft ausgerichtet sein. Überall dort, wo der Storch ausreichend Nahrung findet, da wird er sich auch wieder ansiedeln. Im Zusammenspiel mit den Landwirten sind konkrete Schutzmaßnahmen für den Weißstorch, aber auch für viele andere Vogelarten dringend erforderlich", so der Storchenschützer weiter.

"Unser Bundesland trägt für die Sicherung des Storchenbestandes deutschlandweit eine besondere Bedeutung. Nach Brandenburg ist Mecklenburg-Vorpommern noch das Land mit dem zweithöchsten Bestand. Immerhin brütet fast jedes fünfte Storchenpaar Deutschlands in unserem Bundesland", freut sich Helmut Eggers. "Und wir Storchenschützer wollen, dass dies auch so bleibt."

"Dauergrünland ist eine äußerst wichtige Quelle für die Nahrungsaufnahme des Storchs", betonte auch Umweltminister Backhaus. "Bundesweit schrumpften die Flächen um etwa 240 000 Hektar. Dies hat den Verlust von rund 24 000 Vogel-Brutpaaren zur Folge." In Schwerin wurde im November 2012 das Gesetz zum Erhalt von Dauergrünland vom Landtag beschlossen. Es gilt nun für alle Landwirte, nicht nur für die Empfänger von Direktzahlungen. In Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit etwa 265 000 Hektar Dauergrünland erfasst. Rund 177 000 Hektar davon werden intensiv, 88 000 ha extensiv genutzt, wovon wiederum ca. 40 000 ha direkt dem Naturschutz zur Verfügung stehen.

Der Minister bedankte sich für das ehrenamtliche Engagement der Storchen freunde. "Dies ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Wir werden Ihre Arbeit mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten weiter unterstützen."

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