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Krankenkassen-Statistiken für MV : Immer öfter leidet die Seele

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Beschäftigte im Nordosten sind nicht nur deutlich länger, sondern auch häufiger krank als die in anderen Bundesländern. Psychische Leiden belegen inzwischen bereits den dritten Platz als Ursache für eine Krankschreibung.

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erstellt am 15.Aug.2012 | 07:18 Uhr

Schwerin | Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern sind nicht nur deutlich länger, sondern auch häufiger krank als die in anderen Bundesländern. Das belegen Krankenkassen-Statistiken, die gestern veröffentlicht wurden. Demnach sind zwar Knochen- und Skelett-Erkrankungen - vor allem Rückenbeschwerden - nach wie vor die häufigsten Gründe für eine Krankschreibung. Nach den Atemwegserkrankungen belegen psychische Leiden aber inzwischen bereits den dritten Platz und verdrängten damit die Verletzungen, die als Ursache einer Arbeitsunfähigkeit immer mehr an Bedeutung verlieren.

Die Betriebskrankenkassen (BKK), die Mecklenburg-Vorpommern rund 240 000 Mitglieder versichern, haben aus den Arbeitsunfähigkeitsdaten ihrer Versicherten aus dem Jahr 2011 eine durchschnittliche Krankschreibungs-Dauer von 18,2 Tagen ermittelt. Im Bundesdurchschnitt waren es 16 Tage, so Thomas Fritsch, Sprecher des BKK-Landesverbandes Nordwest. Ein Krankheitsfall dauerte in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt 14,2 Tage, bundesweit waren es 13,1 Tage. Auffällig aus Sicht des BBK-Landesverbandes: In den Städten Rostock (16,1), Stralsund (16,4) und Greifswald (16,5) waren die Versicherten deutlich kürzer krankgeschrieben als im Landesdurchschnitt. In den Altkreisen Uecker-Randow (20,9), Parchim (20,5) und Ludwigslust (20,0) fielen Arbeitnehmer krankheitsbedingt dagegen am längsten aus.

Auch die Barmer GEK hat für ihren aktuellen Gesundheitsreport ermittelt, dass der Krankenstand im vergangenen Jahr im Landkreis Ludwigslust-Parchim am höchsten war. Allerdings wählte sie eine andere Berechnungsgrundlage: Von 100 Beschäftigten waren an jedem Kalendertag statistisch gesehen in diesem Kreis 5,3 arbeitsunfähig - das entspricht einem Krankenstand von 5,3, so Barmer-GEK-Sprecher Wolfgang Klink. Den niedrigsten Krankenstand wies danach der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit 4,7 auf. Auch er liegt aber noch weit über dem Bundesdurchschnitt von 4,2 Prozent.

Auch die Barmer GEK beobachtet, dass die durch psychische Erkrankungen bedingten Fehltage in MV immer weiter anstiegen. Machten diese Erkrankungen jeden Erwerbstätigen im Land im Jahr 2010 durchschnittlich 2,49 Tage arbeitsunfähig, waren es im Jahr 2011 bereits 2,78 Tage - ein Plus von 11,6 Prozent. In den Kreisen Vorpommern-Rügen (plus 24,3 Prozent), Ludwigslust-Parchim (plus 15,6) und Vorpommern-Greifswald (plus 15,4) sowie in Rostock (plus 15,5) wurden hohe Steigerungsraten verzeichnet. Während im Kreis Ludwigslust-Parchim auf einen Erwerbstätigen im Jahr 2011 die landesweit höchste Zahl von 3,19 Fehltagen auf psychische Erkrankungen entfiel, waren es im Kreis Mecklenburgische Seenplatte 2,43 Tage und damit weniger als im Landesdurchschnitt. Hier sowie in den Landkreisen Rostock und Nordwestmecklenburg stiegen die Fehltage durch psychische Erkrankungen nur leicht an. Erklärungen für die regionalen Unterschiede haben auch die Krankenkassen nicht.

Grundsätzlich sind psychische Erkrankungen in erster Linie durch Stress und zunehmende Arbeitsbelastung bedingt. Nach Ansicht der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) kommt vielfach fehlende Anerkennung erschwerend dazu. Da seelische Erkrankungen meist lange dauern- im Schnitt fehlt ein Betroffener mit diesem Krankheitsbild in MV 27 Tage - lohnt es sich aus Sicht der DAK, in effektive Stressbewältigung zu investieren. Auch ein gutes Betriebsklima, positive Führungskultur und familiengerechte Arbeitsplätze spielen laut DAK bei der Vermeidung psychischer Erkrankungen eine Rolle.

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