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Statistik des Agrarministeriums : Immer mehr Wölfe greifen Tiere an

vom

Tierhalter und Bauern haben 2016 so viele Nutztiere eingebüßt wie noch nie. Auch in diesem Jahr gibt es bereits einen Verdachtsfall.

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 18:06 Uhr

Wölfe haben in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr so viele Nutztiere gerissen wie noch nie seit der Wiederansiedlung. Das geht aus einer aktuellen Übersicht des Schweriner Agrarministeriums hervor, wie ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch erklärte. So wurden 2016 bei 14 Attacken mindestens 72 Nutztiere wie Schafe, Damwild und ein rund 400 Kilogramm schweres Rind durch die Raubtiere getötet oder schwer verletzt. Das sind 22 attackierte Nutztiere mehr als 2015.

Auch in diesem Jahr gab es schon einen Verdachtsfall: Ein Wolf soll Anfang Februar eine Schafherde in Michaelsdorf (Landkreis Vorpommern-Rügen) attackiert haben, wie der Sprecher sagte. Vier Schafe wurden getötet und zwei so schwer verletzt, dass sie ebenfalls getötet werden mussten. Die DNA-Untersuchung laufe noch. Der Schafhalter vermisst vier weitere Tiere, die ins Wasser geflohen und ertrunken sein sollen.

Das Schweriner Ministerium hat in der Vergangenheit angesichts der steigenden Wolfszahlen immer wieder an Landwirte und Tierhalter appelliert, Schutzzäune aufzustellen oder Herdenschutzhunde anzuschaffen. Wenn es trotz dieser Schutzmaßnahmen Wolfsattacken gibt, kann der Tierhalter mit Entschädigungen rechnen.

Im Nordosten leben Experten zufolge mindestens drei Wolfsrudel. Sie wurden in der Ueckermünder Heide, der Lübtheener Heide und der Kalißer Heide gesichtet. Dazu kommen Wolfspaare und einzelne Tiere, die das ganze Land durchstreifen. Jäger berichten, dass auf dem riesigen Truppenübungsplatz Jägerbrück bei Viereck größere Wolfsrudel auch ausgewachsene Rothirsche jagen und reißen sollen.

Landwirte und Schafhalter fordern seit längerem wirksamere Schutzmaßnahmen von der Politik, darunter auch die Aufnahme der Raubtiere ins Jagdrecht, da der Bestand bereits gesichert sei. Das hatte der Landtag im Januar beraten. Ein Antrag der AfD wurde aber mit Mehrheit abgelehnt.

Die nötige Bestandsregulierung beim Wolf werde immer noch „eher halbherzig“ diskutiert, kritisierte Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck. Bauern bezahlten dies mit Verlusten von Tieren. Auch die offene Weidehaltung sieht der Bauernverband in Gefahr, wenn sogar größere Rinder attackiert würden.

Als letzter größerer Fall 2016 war jetzt durch eine DNA-Untersuchung bestätigt worden, dass ein Wolf trotz Schutzmaßnahmen Ende Dezember mindestens zehn Tiere in einem Damwildgehege bei Kuhlmorgen nahe Viereck (Kreis Vorpommern-Greifswald) gerissen hat.

Der Wolf wird in der EU streng geschützt und gilt seit 2000 in Deutschland wieder als sesshaft. Aus Polen kommend besiedelte er Ex- Militärübungsplätze und Tagebaureviere. Inzwischen gelten der Osten Deutschlands und Niedersachsen als besiedelt. Die Zahl der Wolfsrudel stieg von 31 im Jahr 2015 auf knapp 50 im vergangenen Jahr.

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