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Ruhestand im hohen Alter : Immer mehr Rentner brauchen einen Minijob

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Immer mehr Rentner in MV bessern ihr Einkommen mithilfe von sogenannten Minijobs auf. Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord mitteilte, hat sich die Zahl der Minijobber jenseits der 70 seit 2003 verdoppelt.

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erstellt am 04.Jul.2013 | 11:32 Uhr

Schwerin | Immer mehr Rentner in Mecklenburg-Vorpommern bessern bis ins hohe Alter ihr Einkommen mithilfe von sogenannten Minijobs auf. Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord unter Berufung auf Daten der Arbeitsagentur mitteilte, hat sich die Zahl der Minijobber jenseits der 70 seit 2003 verdoppelt. Demnach gingen Ende 2012 im Nordosten fast 5000 Menschen dieser Altersgruppe einer solchen geringfügigen Beschäftigung nach.

Insgesamt hatten 10 500 der rund 360 000 Einwohner des Landes im Rentenalter einen Minijob. In Hamburg allerdings, das ähnlich viele Einwohner hat wie MV, lag die Zahl der Minijobber ab 65 Jahren bei knapp 19 000, in Schleswig-Holstein waren es 31 000.

Nach Einschätzung des DGB sind immer mehr ältere Menschen auf Zuverdienst angewiesen. Als Grund nannte der DGB-Nord-Vorsitzende Uwe Polkaehn Rentenabschläge, die Arbeitnehmer hinnehmen müssten, weil sie vorzeitig ihre Arbeit aufgeben: "Schon jetzt erreicht der Durchschnittsrentner nur eine Rente von rund 800 Euro monatlich."

Immer älter in den Ruhestand

Im vergangenen Jahr gingen die Deutschen so spät in Rente wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Männer im Schnitt mit 61,2 Jahren, Frauen mit 61 Jahren. Die Rente mit 67 bleibt umstritten. Hintergründe von Christoph Slangen zur Situation der Rentner und Beschäftigungschancen Älterer.

Wie alt sind Neurentner im Schnitt?

Die Statistik weist 2012 einen Durchschnittswert von 61,2 Jahren bei Männern aus, 0,3 Jahre mehr als im Vorjahr. Frauen gingen mit 61 Jahren in Rente, 0,2 Jahre später als noch 2011. Wer eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bezieht, geht deutlich früher: Hier liegt das Durchschnittsalter für den Renteneintritt bei 50,7 Jahren. Wer eine normale Altersrente bezieht, geht deutlich später in Rente. Männer mit 64 Jahren nach 63,8 Jahren im Vorjahr. Frauen mit 63,9 Jahren nach 63,2 Jahren noch 2011.

Warum steigt das Renteneintrittsalter?

Bei Frauen ist die Rentenart „Altersrente für Frauen“ weggefallen, die es bis Ende 1951 geborenen Frauen ermöglichte, bereits mit 60 Jahren in Rente zu gehen. Auch bei Altersrenten wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit gab es im vergangenen Jahr weniger jüngere Anspruchsberechtigte. Darüber hinaus weist die Rentenversicherung auf demografische Einflüsse hin: Der Geburtsjahrgang 1947, der im Jahr 2012 die Regelaltersgrenze erreichte – 65 Jahre und ein Monat – war stärker besetzt als die beiden vorherigen Jahrgänge. Zudem wurde die Regelaltersgrenze 2012 erstmals um einen Monat angehoben – der erste Schritt auf dem Weg zur Rente mit 67, die erstmals 2029 für den Jahrgang 1964 erreicht sein soll.

Gibt es positive Effekte?

Der Anteil der Altersrenten, die mit Abschlägen wegen vorzeitigem Renteneintritt ausgezahlt wurden, ist zurückgegangen: Von 48 Prozent bei den Neurentnern des Jahres 2011 auf 39 Prozent im vergangenen Jahr. Pro Monat vorzeitigem Rentenbezug wird die Rente dauerhaft um 0,3 Prozent gekürzt. Weil die Beschäftigten immer später in Rente gehen, müssen sie auch weniger Abschläge hinnehmen. Im Schnitt gingen im Jahr 2012 Altersrentner mit Abschlägen 27 Monate vor dem regulären Renteneintrittsalter in den Ruhestand, im Jahr 2011 waren es noch 36,25 Monate. Im Schnitt verzichteten die Betroffenen auf 87 Euro Rente im Monat.

Welche Rentenarten gibt es?

Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 1 241 789 Neuanträge auf Rente. 593 921 Renten waren reguläre Altersrenten, 363 578 Renten wegen Todes, also Witwen- beziehungsweise Witwer- oder Waisenrenten. Wegen verminderter Erwerbsfähigkeit beantragten 284 290 Menschen eine Rente. Insgesamt wurden am Ende des Jahres 25,1 Millionen Renten gezahlt, 17,7 Millionen Altersrenten, 1,6 Millionen Erwerbsminderungsrenten und knapp 5,8 Millionen Renten an Hinterbliebene.

Wie hoch sind die Renten?

Der durchschnittliche Zahlbetrag aller Renten lag 2012 im Westen bei 730 Euro, in den neuen Bundesländern bei 851 Euro. Die Erwerbsminderungsrenten waren im Osten mit 674 Euro niedriger als im Westen mit 707 Euro. Die Altersrenten im Osten lagen im Schnitt mit 871 Euro jedoch höher als im Westen mit 732 Euro. Vor allem Frauen im Osten mit durchschnittlich längerer Lebensarbeitszeit erhielten höhere Renten als ihre Altersgenossinnen im Westen: 730 Euro gegenüber 508 Euro.



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