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Medizinische Versorgung gefährdet : Immer längere Wege zum Kinderarzt

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Von einigen Dörfern in Vorpommern aus sind Kinderärzte kaum noch erreichbar. Für 2500 Kinder in der Region ist es unmöglich, mit dem Bus an einem Tag hin und wieder nach Hause zu kommen. Fachleute schlagen Alarm.

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2012 | 07:15 Uhr

Vor Engpässen in der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung in ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns haben Wissenschaftler des Greifswalder Instituts für Community Medicine gewarnt. In einer am Dienstag in Schwerin vorgestellten Studie zur Entwicklung im ehemaligen Landkreis Vorpommern fordern sie trotz des fortschreitenden Bevölkerungsrückgangs den Erhalt der Kinderklinikabteilungen in den Krankenhäusern Greifswald, Wolgast und Anklam.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) sprach sich für eine stärkere Zusammenarbeit von Kliniken und Kinderärzten aus.

Der frühere Betreiber des Anklamer Krankenhauses hatte schon 2005 die pädiatrische Abteilung schließen wollen. Seitdem wird sie vom Klinikum Greifswald betrieben. Hintergrund der Schließungspläne ist der prognostizierte Rückgang der Anzahl der Kinder in Ostvorpommern von rund 18.500 im Jahre 2006 auf nur noch etwa 13.800 im Jahre 2020.

Neue Kooperation zwischen Kliniken und Kinderärzten erforderlich

Die Studie zeige aber, dass bereits heute die ambulante Versorgung in einigen ländlichen Regionen problematisch sei, sagte Institutschef Wolfgang Hoffmann. Die Entfernung zur nächsten Kinderarztpraxis sei oft sehr groß und durch die Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr zusätzlich erschwert. Hinzu komme, dass bis in den nächsten acht Jahren die Mehrzahl der niedergelassenen Kinderärzte in den Ruhestand treten werde. "Wenn für diese Praxen keine Nachfolger gefunden werden, wird es im Landkreis Vorpommern-Greifswald nur noch in einigen wenigen Orten Kinderarztpraxen geben", warnte Hoffmann.

Nach Einschätzung der Experten werden die Krankenhäuser mit entsprechenden Fachabteilungen in Zukunft eine noch wichtigere Rolle bei der Sicherstellung der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen spielen. Schon jetzt würden die pädiatrischen Abteilungen auch einen Teil der ambulanten Versorgung übernehmen, betonte Hoffmann. Dafür müssten wirtschaftlich tragfähige Organisationsformen für eine kooperative Arbeitsteilung mit den niedergelassenen Kinderärzten gefunden werden.

Schwesig will Notfallpraxen an den Kliniken

Sozialministerin Schwesig schlug eine stärkere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung vor. Viele Fälle, die bislang in den Notaufnahmen der Kliniken behandelt würden, könnten auch von einem niedergelassenen Kinderarzt versorgt werden. So könnten zur Entlastung an den Kliniken Notfallpraxen angesiedelt werden. Damit würde auch die kinderärztliche Versorgung außerhalb der normalen Öffnungszeiten gesichert, sagte sie.

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