Warin : Immer höher und komfortabler

An mehreren Arbeitsplätzen in dieser 5000 Quadratmeter großen Produktionshalle werden die Bezüge genäht.  Fotos: Rüdiger Rump
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An mehreren Arbeitsplätzen in dieser 5000 Quadratmeter großen Produktionshalle werden die Bezüge genäht. Fotos: Rüdiger Rump

Matratzen von Malie Warin werden europaweit sowie bis nach Asien und Australien verkauft / Tägliche Produktion 500 bis 1000 Stück

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03. November 2014, 11:46 Uhr

Wie man sich bettet, so schläft man. Die Redensart, die oft im übertragenen Sinne
gebraucht wird, gilt bei Malie in Warin wortwörtlich. Das Unternehmen stellt Matratzen aus unterschiedlichstem Material und in allen gängigen Größen her, die Zahl der Modellvarianten geht in die Hunderte. Und die Schlafunterlagen werden immer höher und komfortabler.

Höhe bedeute aber nicht automatisch Komfort, sagt Malie-Geschäftsführer Bernd Kessler. Das sei von Mensch zu Mensch unterschiedlich: Wie er im Schlaf liegt, spiele eine wesentliche Rolle. Matratzen seien eine ausgesprochen individuelle Sache. Mancher fühle sich auf einer mit Bonnell-
Federkern, dem „Einstiegsmodell“, das nach seinem Erfinder benannt ist, richtig wohl. Bei der sind die Federn über die gesamte Länge miteinander verbunden. Wer die Füße aufsetze, spüre das mitunter bis zum Kopf, erzählt Kessler schmunzelnd. „Aber das ist eine gute Matratze.“ Doch während die insgesamt 207 Federn hat, sind es beim Taschenfederkern bis zu 1000 pro Quadratmeter, einzeln in Stoffsäckchen eingepackt. Die Nachfrage lege derzeit kräftig zu. Am meisten würden indes noch Kaltschäume verkauft, weil sie gut handhabbar und pflegeleicht seien bei guten Liegeeigenschaften, so Kessler. Der Absatz stagniere allerdings. Kaltschaum reagiere am ehesten auf Feuchtigkeit, so dass sich mit der Zeit Liegekuhlen bilden können. Mit Lieferanten sei ein neuer Schaumstoff entwickelt worden, der formstabil bleibe, auch wenn er jede Nacht mit Feuchtigkeit und 37 Grad Körpertemperatur in Berührung komme. Seit diesem Jahr sei die Neuentwicklung auf dem Markt.

Von der Idee bis zur Produktion gehe es relativ schnell, „höchstens ein halbes Jahr“, sagt Kessler. Viel schwieriger sei es, die Innovation in den Markt zu bringen. Das dauere um die zwei Jahre. Matratzen kaufe niemand spontan. Bis zu einer Neuanschaffung vergingen in der Regel über zehn Jahre und teils noch mehr. Dabei liege der Mensch mindestens ein Drittel des Tages darauf. „Schon aus hygienischen Gründen empfehlen wir alle sieben Jahre einen Wechsel“, sagt der Fachmann. Denn der Mensch verliere über Nacht 0,5 bis 0,7 Liter Flüssigkeit. Freilich bekämen die Matratzen auch ein wenig davon ab. Zudem würden natürlicher oder synthetischer Latex und neue Schaumarten verwendet, wie Memory-Foam, der viskoelastisch sei, auf Körperwärme wie Gewicht reagiere und sich dem Körper wie eine Gussform anpasse. Noch vielfältiger seien die Bezugsstoffe, von einfacher Kunstfaser bis zu Wildseide, frei nach Anspruch und Geldbeutel der Kunden. Aber dreiteilige Schlafunterlagen, noch von früher bekannt, seien in Warin seit 1992 nicht mehr produziert worden.

Dank Erweiterungsbau verlassen täglich zwischen 500 und 1000 Matratzen die Produktion, abhängig vom Aufwand. Malie liefert an Fach-, Versand- und Möbelhandel sowie Objekteinrichter, etwa von Hotels. Verkauft wird europaweit, bis Asien und Australien. Zunehmend habe sich auch der Werksverkauf etabliert, der nach zahlreichen Anfragen entstanden sei, sagt Kessler.

Im August 2011 gehörte der Betrieb zu neun Standorten, an denen das Bundeskartellamt zeitgleich Razzien durchführen ließ wegen des Verdachts von Preisabsprachen. Die Ermittlungen gegen Malie wurden eingestellt, Marktführer der Branche mussten Millionenstrafen zahlen, so Kessler.

Die Ursprünge des Unternehmens, das heute mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt, liegen bereits in den 1930er-Jahren. 1952 zog das Matratzenwerk von Wismar nach Warin. 1994 wurde neu gebaut.

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