Stadtentwicklung : Imagewandel an der Ostsee

<p>Ferienhäuser mit Reetdächern, aufgenommen in Heiligenhafen (Schleswig-Holstein).</p>
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Ferienhäuser mit Reetdächern, aufgenommen in Heiligenhafen (Schleswig-Holstein).

Bäderarchitektur hier, Tristesse der Siebziger dort - lange machten die Staädte an der Ostseeküste in MV ihren Pendants in Schleswig-Holstein das Leben schwer. Jetzt holt der Westen auf. Der Osten sieht es gelassen.

svz.de von
04. September 2017, 12:00 Uhr

Lange lag Schleswig-Holsteins Ostseeküste in einem Dornröschenschlaf. In vielen Orten prägten Betonbauten das Bild, in Hotels und Ferienwohnungen herrschte vielerorts der Charme der 1970er Jahre. Doch seit einigen Jahren tut sich eine Menge.

Allein im Ostseebad Heiligenhafen wurden zwischen 2002 und 2017 mehr als 100 Millionen Euro in neue Hotels und die gesamte touristische Infrastruktur investiert. „Der Mut hat sich gelohnt, unsere Übernachtungszahlen haben sich seit 2004 nahezu verdoppel“, sagt Heiligenhafens Tourismuschef Manfred Wohnrade.

Am augenfälligsten ist der Wandel auf dem Steinwarder, einer schmalen Nehrung zwischen dem Binnensee und der Ostsee. Hier ragt die neue, zweistöckige Erlebnisseebrücke im Zickzack ins Meer. Davor sind 2015 und 2016 zwei neue Hotels und eine 5-Sterne-Ferienhaussiedlung entstanden. Die Bauweise mit Reetdächern, Veranden, viel Holz und hellen Farben erinnert zusammen mit der Dünenlandschaft an die Hamptons im US-Bundesstaat New York, ein bevorzugtes Wochenendrefugium reicher Amerikaner.

Durch vier neue Objekte sind nach Angaben Wohnrades im vormals etwas verschlafenen Heiligenhafen 1000 Gästebetten dazugekommen, auch Handel und Gastronomie haben profitiert. „Wir sind auf dem besten Weg, ein Lifestyle-Bad mit Tradition zu werden, das auch den Bewohnern mehr Lebensqualität bietet“, sagt Wohnrade. Mindestens ebenso wichtig sei die Ausweitung des Angebots für die Vor- und Nachsaison. „Das bedeutet zusätzliche Gäste und Ganzjahresarbeitsplätze.“ Während Heiligenhafen bereits im neuen Glanz erstrahlt, bestimmen in Travemünde noch Kräne und Bauzäune das Bild. „Auch wir machen uns hübsch, um mit der Entwicklung Schritt zu halten“, sagt Uwe Kirchhoff, Leiter der Kurbetriebs des zur Hansestadt Lübeck gehörenden Ostseebades. Derzeit entsteht auf der Halbinsel Priwall für rund 128 Millionen Euro eine Hotel- und Apartmentanlage mit 1500 Betten, die dazu gehörende Promenade wird weitere neun Millionen Euro kosten. Auf der anderen Seite der Trave sind ein Hotel und ein Apartmenthaus im Bau, ein weiteres Hotel ist in Planung. „Bis 2019 werden wir unsere Bettenzahl von jetzt 3800 auf 7500 verdoppeln“, sagt Kirchhoff. 

In ganz Schleswig-Holstein arbeiteten die Ferienorte derzeit an ihrem Image, sagt der Interimsgeschäftsführer der Tourismus-Agentur (TASH), Frank Behrens. Er ist zugleich Standortberater für Hotelprojekte bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. „Der erste Ort in Schleswig-Holstein, der sich Mitte dieses Jahrzehnts Gedanken über sein Image und seine Zukunft gemacht hat, war St. Peter-Ording“, sagt er. „Zwischen 2013 und 2016 sind in ganz Schleswig-Holstein 22 neue Hotels entstanden.“ Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) spricht von einem rasanten Aufholprozess bei der Attraktivität der Urlaubsorte und der Qualität der touristischen Angebote, der sich in den letzten Jahren vollzogen hat. Seit 2012 habe das Land öffentliche Infrastrukturvorhaben, wie etwa Promenaden oder Seebrücken, mit knapp 46 Millionen Euro gefördert. Im gleichen Zeitraum wurden Neubau, Erweiterung und Modernisierung von Hotels mit rund 37 Millionen Euro bezuschusst.  Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sieht die Entwicklung im Nachbarland gelassen. „Wir freuen uns, dass auch in Schleswig-Holstein der Tourismus an Bedeutung gewinnt“, sagt er.

Den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern sieht er weiter auf der Erfolgsspur. Aber die Konkurrenz in Schleswig-Holstein und Polen schlafe nicht, räumt er ein. „Das ist auch Ansporn für uns, im stetigen Wettbewerb noch besser zu werden.“ In den vergangenen zehn Jahren wurden Zuschüsse von 581 Millionen Euro ausgereicht und damit Investitionen von 1,3 Milliarden Euro ausgelöst.

Doch auch in Mecklenburg-Vorpommern streben einige Orte einen Imagewandel an. In Binz - mit rund 2,5 Millionen Übernachtungen das größte Seebad auf der Insel Rügen - wird in der NS-Hinterlassenschaft Prora kräftig gebaut. Dort sollen laut Kurverwaltung in den nächsten Jahren 8000 bis 10 000 neue Gästebetten entstehen. Während das alte Binz für das Elegante und Mondäne stehe, könne Prora das Junge und Frische repräsentieren, sagt Gemeindechef Karsten Schneider.

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