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Nach der Landtagswahl MV : Im Wutbürger-Lager auf Stimmenfang

vom
Aus der Onlineredaktion

Alle Parteien verlieren und die AfD gewinnt

von
erstellt am 06.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Der Schock sitzt allerorten tief. Doch zu einem larmoyanten Alarmismus besteht kein Anlass. Der insbesondere von auswärtigen Medien gern als „rechter Rand der Republik“ stigmatisierte deutsche Nordosten reicht als Erklärungsversuch für den Wahlerfolg der AfD nicht aus. Ein Blick in die Daten zur Wählerwanderung lässt erkennen, dass alle etablierten Parteien erheblich Mitschuld am Erstarken der Protestpartei tragen, weil Teile ihrer Anhängerschaft abtrünnig wurden.

Ja, die demokratischen Parteien haben die Wahl erneut im östlichen Landesteil Vorpommern verloren. Dort, wo die NPD ihre Hausmacht hatte, räumte jetzt die sich bürgerlich gebende AfD drei Direktmandate ab und gewann auch mit der Zweitstimme diese drei Wahlkreise – davon einen (Vorpommern-Greifswald III, zu dem auch Wolgast gehört) mit 32,3 Prozent.

Direkt gewählte Abgeordnete genießen im Parlament die höchste Reputation. Als die CDU noch stark war (zuletzt 2006), zog sie aus ihren damals 20 Direktmandaten argumentativ gern die größte Legitimation für politische Entscheidungen. Seit 2011 dominiert jedoch die SPD die landesweit 36 Wahlkreise. Vor fünf Jahren gewann sie 24, jetzt sogar 26 - exakt so viele, wie ihr nach dem Zweitstimmenergebnis nun Sitze im Landtag zustehen. Die CDU gewann 2011 noch 12 Wahlkreise, diesmal nur noch sieben. Die Linke, bis 2006 wenigstens mit einem oder zwei direkt gewonnenen Wahlkreisen dabei, kam schon 2011 und jetzt erst recht nicht auch nur in die Nähe eines Direktmandats.

Wenn man betrachtet, woher die AfD ihre Wähler rekrutiert, so fällt ins Auge, dass mehr als ein Drittel ihrer Wähler (rund 55 000) zuvor nicht zur Wahl gegangen waren. Aber natürlich hat die NPD erheblich Federn gelassen: Etwa 20 000 Stimmen wanderten von den Extremisten zu den Rechtspopulisten. Das lag ideologisch nahe, aber auch daran, dass die NPD nicht einmal Direktkandidaten aufgestellt hatte.

Doch fast ebenso viele Wähler, nämlich 18 000, kamen aus dem Lager der Linken! Das spricht dafür, dass der Wutbürger-Slogan „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ hier besonders verfing, wo das Klientel mehrheitlich so links gar nicht ist, sondern im Kern oft wertkonservativer als CDU-Anhänger.

Rund 16 000 Stimmen hat auch die SPD gegenüber 2011 an das Wutbürger-Lager verloren – trotz 10 Prozent höherer Wahlbeteiligung. Den größten Aderlass aber verzeichnet die CDU: 23 000 Stimmen gingen von ihr gen AfD - das spricht für ein Bindungs- und Mobilisierungsproblem. Der Vollständigkeit halber: Auch aus der Anhängerschaft von Grünen, FDP und Sonstigen gingen rund 23 000 Stimmen an die AfD.

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