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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 11:08 Uhr

Im Tropen-Zimmer krabbelt und kriecht es

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 09:57 Uhr

Hagenow | Wenn Tiffy sich ärgert, läuft sie schwarz an. Normalerweise ist die Vierjährige zartrosa, nicht aber, wenn ihr ein Artgenosse zu nahe kommt. Dann pustet Tiffy sich auf, faucht und verdunkelt ihren schuppigen Körper. Die Namensvetterin des rosafarbenen Vogels der Sesamstraße ist ein Pantherchamäleon.

Tiffys Art hat ihren Ursprung im Norden und an der Ostküste Madagaskas, sie selbst lebt in einer Hagenower Neubau-Siedlung bei Lars Wiegner und Anja Schwaß. In ihrer Drei-Raum-Wohnung haben sie der Chamäleondame ein eigenes 15 Quadratmeter großes Paradies voller Rankpflanzen geschaffen. Darin kann sie sich frei bewegen. "Tiffy hat regelmäßig ihren Wandertag, dann klettert und kriecht sie schon mal durch die gesamte Wohnung", erzählt Reptilienliebhaber Lars Wiegner. Im Tropen-Zimmer seiner Plattenbau-Wohnung stehen insgesamt sechs Terrarien. Da rin hausen weitere exotische Tiere, wie ein fast einen Meter großer, drachenähnlicher Steppen-Waran oder zwei Vogelspinnen, die er in Glas-Kästen hält. Besonders die waren anfangs für Freundin Anja ein absolutes Grauen.

Für Lars Wiegner sind die Exoten aber pure Faszination. Am meisten ist er von den Chamäleons angetan. "Diese Tiere sind in der Tierwelt einzigartig", sagt er und zählt sofort ihre herausstechenden Merkmale auf: Chamäleons können ihre Augen um 360 Grad drehen - und das unabhängig voneinander. Deshalb besitzen sie auch zwei Gehirne. Ihre Zunge ist fast genauso lang wie ihr Körper. Sie sind wechselwarme Tiere, die ihre Körpertemperatur von ihrer Umwelt abhängig machen. Und: Sie wechseln ihre Farben.

Da Tiffy ein Weibchen ist, ist ihr Farbspektrum allerdings eher unspektakulär. Besuchermagnet bei dem Pärchen in Hagenow ist daher das männliche Pendant zu Tiffy namens Faxe. Das 50 Zentimeter große Pantherchamäleon lebt bei dem Pärchen in einem mannshohen Terrarium im Wohnzimmer.

"Sogar meine Arbeitskollegen kommen nur zum Schauen vorbei", erzählt die Arzthelferin Anja. Kein Wunder, denn Faxe strahlt in den buntesten Farben und Mustern. "Er macht seinem Namen auf jeden Fall alle Ehre", meint sie. Bei schlechtem Wetter musste die 30-Jährige einmal rote Wäsche in der Stube trocknen, erzählt sie. "Das hat ihm gar nicht gepasst, dass da was bunter ist als er. Da ist er farblich richtig ausgeflippt."

So sehe halt Kommunikation bei Chamäleons aus, erklärt Lars Wiegner. Besonders zur Paarungszeit sei Faxe wie ein wandernder Regenbogen. Und das hat anscheinend auch bei Tiffy gezogen. Denn zusammen haben die beiden 31 Baby-Chamäleons bekommen, die in zwei weiteren Terrarien gehalten werden. Neun Monate hätten die Eier gebraucht, bis der erste Nachwuchs schlüpfte. "Das war Ende Februar. Da aber das Schlüpfen stark abhängig ist von den äußeren Einflüssen wie der Temperatur, kamen die letzten erst Anfang April zur Welt" erzählen die beiden.

Die ersten Mini-Chamäleons hat Lars Wiegner schon verkauft. Elf Tiere von Mutti Tiffy und Vati Faxe sind zum Zeitpunkt unseres Besuchs noch übrig. Aufgrund der rechtlichen Lage lassen sich Chamäleons nicht einfach so züchten. Lars Wiegner hat viele bürokratische Auflagen zu beachten. "Jedes Tier, das durch das Washingtoner Artenschutzabkommen unter besonderem Schutz steht, muss behördlich gemeldet werden", erklärt er. Demnach müsse jedes Chamäleon beim Kauf beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV in Güstrow angemeldet und beim Verkauf dort auch wieder abgemeldet werden. "Das wiederholt sich dann beim neuen Käufer". Somit könne der Schutz dieser Tiere gewährleistet werden. "Ich bin gerne bereit, diese Schritte auch zu unternehmen, um die Arterhaltung zu unterstützen" sagt der Chamäleon-Fan.

"In Güstrow bin ich bestimmt schon bekannt wie ein bunter Hund", scherzt der 32-Jährige. Denn neben den Vogelspinnen, dem Steppen-Waran, Tiffy und Faxe sowie deren Nachwuchs, wohnt noch Jemen-Chamäleon Spencer im Tropenhaus Wiegner/Schwaß. Spencer sticht durch das helm ähnlichen Gebilde auf seinem Kopf hervor. Wie die anderen Chamäleons braucht auch er besondere Lebensbedingungen. Bis zu einhundertprozentige Luftfeuchtigkeit und Wärmelampen sind für die wechselwarmen Tiere notwendig. "Dazu kommt einfach das entsprechende Wissen", sagt der Profi, der sich sein Know-How durch Fachbücher und Gespräche mit anderen Züchtern angeeignet hat und es ständig erweitert. Es ist besonders das Verhalten der Chamäleons, dessentwegen er sich für die Zucht dieser Tiere entschieden hat. Ein Chamäleon sei eben kein Hund, aber es gibt mindestens genauso viel Freude zurück. Auch die schlechtgelaunte schwarze Tiffy, die sich von unserem Besuch gestört fühlt. Ja, auch unter Chamäleons gibt es eben die ein oder andere kleine Zicke.

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