Tarifstreit : „Im Stich gelassen“

Verhandlungsführer Frank Bsirske (Verdi) und Jens Bullerjahn (Finanzminister Sachsen-Anhalt) verkünden das Ergebnis.
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Verhandlungsführer Frank Bsirske (Verdi) und Jens Bullerjahn (Finanzminister Sachsen-Anhalt) verkünden das Ergebnis.

Der Tarifabschluss für die Länder-Beschäftigten kann sich, verglichen mit anderen Branchen, durchaus sehen lassen. Enttäuscht wurden einmal mehr die angestellten Lehrer.

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30. März 2015, 07:52 Uhr

Der Tarifabschluss für die Länder-Beschäftigten kann sich, verglichen mit anderen Branchen, durchaus sehen lassen. Enttäuscht wurden einmal mehr die angestellten Lehrer. Nun könnte es wieder zu Streiks kommen. Mit Andreas Gehrke, Mitglied des Hauptvorstandes und Verhandlungsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sprach
Andreas Herholz.

Alle sind zufrieden, nur die angestellten Lehrer nicht. Wieso stimmt die GEW nicht zu?
Gehrke: Das Angebot der Arbeitgeberseite war für uns bei weitem nicht ausreichend. Wir fordern einen Eingruppierungstarifvertrag für die angestellten Lehrkräfte. Die Arbeitgeber wollten uns nur einen Vertrag anbieten, der an die 15 Landesbeamtengesetze angekoppelt wäre. Wir wollen einen einheitlichen bundesweiten Tarifvertrag. Wir wollen ein weiteres Auseinanderdriften zwischen angestellten und beamteten Lehrern verhindern. Das hat die Tarifgemeinschaft der Länder in dieser Runde und auch für die Zukunft abgelehnt. Was die Arbeitgeber angeboten haben und der Beamtenbund abgeschlossen hat, bedeutet eine Zementierung der Unterschiede.
Stehen die Zeichen jetzt bei Ihnen auf Streik?
Wir beraten weitere Schritte. Dazu gehört auch die Frage, in welchen Ländern es jetzt weitere Aktionen geben wird. Der Beamtenbund hat sich in die Friedenspflicht begeben. Für uns gilt dies nicht. Bis Mitte das Jahres wird es dazu klare Entscheidungen geben und dann wohl auch Streiks.
Aber flächendeckende Streiks wird es doch wohl kaum geben. Außer in Sachsen, Berlin und vielleicht in Nordrhein-Westfalen würde die GEW nur wenige angestellte Lehrer auf die Straße bekommen, oder?

Ja, das ist richtig. In diesen drei Ländern sind wir aber besonders streikfähig. Dort werden wir sicher auch als erstes reagieren und Aktionen starten. Kurzfristig wird es keine Streiks geben. Wir müssen die Ergebnisse und die neue Lage erst einmal in Ruhe intern bewerten.
Haben Beamtenbund und Verdi nur auf eigene Rechnung verhandelt?
Wir fühlen uns vom Beamtenbund im Stich gelassen, der diese Regelung alleine mit der Arbeitgeberseite abgeschlossen hat. Der Beamtenbund hat den Fehler gemacht, hier zuzustimmen, obwohl es sich nicht um eine einheitliche Tarifregelung handelt, sondern eine Ankopplung an 15 unterschiedliche Landesbeamtengesetze bedeutet.

Die Kollegen von Verdi haben immer betont, dass sie unsere Forderung unterstützen und mittragen.

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