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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 01:42 Uhr

Arbeitslosenzahl in MV : Im Sinkflug

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit den ersten Sonnenstrahlen kennt die Arbeitslosenzahl in MV nur noch eine Richtung: nach unten

Der Frühling lässt die Zahl der Erwerbslosen in Mecklenburg-Vorpommern abschmelzen und gibt den Arbeitsagenturen Anlass zu großen Erwartungen. Ende März waren 79 400 Menschen im Nordosten erwerbslos gemeldet – 5600 weniger als im Februar und 11 500 weniger als vor einem Jahr, wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit gestern in Kiel bekannt gab. Erstmals in einem März seit der Wiedervereinigung gebe es damit weniger als 80 000 Jobsuchende in MV. Die Quote sank von 10,3 Prozent im Februar auf jetzt 9,6 Prozent.

Der Arbeitsmarkt habe deutlich von der einsetzenden Frühjahrsbelebung profitiert, sagte die Chefin der Regionaldirektion, Margit Haupt-Koopmann. Im März nehmen der Tourismus, der Bau und die Landwirtschaft nach der Winterruhe wieder Fahrt auf. „Ich gehe davon aus, dass wir auch in den kommenden Monaten über weiter sinkende Arbeitslosenzahlen berichten werden“, sagte Haupt-Koopmann.

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Unter den Regionen des Landes schnitt erneut der wirtschaftsstarke und Hamburg-nahe Landkreis Ludwigslust-Parchim mit einer Erwerbslosenquote von 6,5 Prozent am besten ab. Am höchsten ist die Quote mit 12 Prozent im Landkreis Vorpommern-Rügen. Die beiden kreisfreien Städte Rostock und Schwerin liegen mit 9,4 beziehungsweise 9,6 Prozent im Mittelfeld.

Deutschlandweit ist die Zahl der Arbeitslosen im März um 100 000 auf 2,662 Millionen gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr waren es sogar 183 000 Erwerbslose weniger.

„Arbeitslosenstatistiken sind gezielte Desinformation“

Wenn die Arbeitsagentur ihre monatliche Statistik veröffentlicht, haben viele Bürger ein ungutes Gefühl. Hört man nicht immer wieder, dass die Politik die Zahlen absichtlich schönt? Die nordrhein-westfälische AfD bezeichnete die offizielle Statistik kürzlich sogar als „Beispiel für gezielte Desinformation der Bürger“. In Wirklichkeit würden Hunderttausende Menschen ohne Arbeit statistisch gar nicht erfasst. Doch diese Aussage ist falsch. Beispiel März: Die Arbeitsagentur sprach von 2,66 Millionen Arbeitslosen. Es stimmt – in dieser Zahl sind nicht alle Menschen enthalten, die keinen Job hatten.
Wer z. B. an einem Bewerbungstraining teilnimmt, einen Ein-Euro-Job hat oder sich beruflich fortbildet, zählt nicht in die Quote. Allerdings werden die Betroffenen sehr wohl erfasst. Die entsprechenden Zahlen veröffentlicht die Arbeitsagentur jeden Monat unter dem Stichwort „Unterbeschäftigung“ – im März waren rund 3,69 Millionen Menschen im weiteren Sinne arbeitslos, also etwa eine Million mehr. Unzulässige Tricksereien lassen sich der Agentur nicht vorwerfen. Die Kriterien für die Statistik sind  gesetzlich festgelegt. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Kriterien für Arbeitslosigkeit sogar relativ weit gefasst. Und wenn der Chef der Arbeitsagentur von einer Verbesserung der Situation spricht, hat er damit nicht unrecht, auch wenn er nicht explizit auf die Unterbeschäftigung eingeht. Denn die langfristige Entwicklung zeigt: Sinkt die offiziell definierte Arbeitslosigkeit, gilt das Gleiche auch für die Unterbeschäftigung.

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