Offene Gärten in MV : Im Rausch von Farben und Düften

Bärbel Lau möchte sich im Garten in Rethwisch wohlfühlen.  Die Bonsais  auf der Mauer pflegt ihr Mann.
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Bärbel Lau möchte sich im Garten in Rethwisch wohlfühlen.  Die Bonsais auf der Mauer pflegt ihr Mann.

Die landesweite Aktion „Offene Gärten in MV“ lädt am Wochenende wieder in 130 Gärten ein

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10. Juni 2016, 12:00 Uhr

Weit mehr als einen Blick über den Gartenzaun gewähren am Wochenende 130 Gartenfreunde in MV. Sie laden ein in ihre privaten Refugien mit Rosen, Kräutern und Gemüse, in Hof-Cafés, Vereinsgärten und in Gutsparkanlagen. Die landesweite Aktion „Offene Gärten in MV“ macht’s möglich. Eine Gartentour, die vor den Toren Schwerins beginnt, unternahm vorab unsere Redakteurin Regina Mai.

Ich bin auf Rosen eingestellt, als ich bei Bärbel und Klaus Winter in Barner Stück klingele. Inselbeete mit der Königin der Blumen und Stauden sind verteilt auf der Wiese wie die Sölle in der Landschaft – Mecklenburg en miniature. Vieles ist gut durchdacht geplant, anderes ergibt sich zufällig, wenn sich der Fingerhut selbst aussät und farblich genau zur Rose daneben passt. „Blackbox gardening – heute total in – betreibe ich seit 20 Jahren“, verrät Bärbel Winter und auch, dass ihr die Stauden inzwischen lieber sind als die Rosen. Geranium und Hostas, von denen es eine beachtliche Sammlung gibt, sind zwei Favoriten. Der Garten lockt zum Verweilen, aber ich bin jetzt mal der Besuchertyp, der viel an einem Tag sehen will. Daneben gibt es den Typ, der sich nicht mehr als drei Gärten vornimmt, verweilt und genießt. Auch eine gute Entscheidung.

Gärten zum Genießen und Abschalten

Im nur wenige Kilometer entfernten Drispeth, im Garten von Beate Schöttke-Penke, spreche ich mit der Vorsitzenden des Vereins „Offene Gärten in MV“ und höre, wie viel Arbeit und Freude dahinter steckt, eine solche Aktion auf die Beine zu stellen (siehe unten). Und schon brause ich die A  20 entlang mit Bad Doberan vor Augen. In Rethwisch haben Laus erstmals ihren Garten geöffnet. Freunde hätten sie dazu überredet. Zuvor waren sie selbst am Aktionswochenende unterwegs, höre ich. Bärbel Lau hat es mit den Rosen, ihr Mann mit den Bonsais. Einig sind sich beide, dass sie ihren Garten (rund 1000 Quadratmeter) genießen wollen. Dazu braucht es auch eine Sauna. Und selbst für ein kleines Gemüse-Hochbeet ist noch Platz.

Das mit dem Gemüse hat Silke Burmeister in Steffenshagen aufgegeben, genießen möchte aber auch sie. Nach der Arbeit in einer Kindertagesstätte ist ihr absolute Ruhe willkommen. Dann darf ausschließlich ein Brünnlein Marke Eigenbau plätschern. „Wasser gehört in jeden Garten“, sagt Silke Burmeister. Sie erzählt vom Zufall, der ihr jüngst ein Gartenhaus bescherte und von ihrem Hang zu Außergewöhnlichem: Die Stacheldrahtrose gehört ebenso dazu wie eine Witwenblume, die sich hoch in den Himmel reckt und irgendwann gelbe Blüten schiebt, und allerlei Fundsachen vom Flohmarkt, die einen Platz im Garten finden. Zum Verweilen und zu Kaffee und Kuchen werde ich eingeladen. Keine Zeit!

Wildromantisch und doch gelenkt

Bis zum Garten von Jana Kohlschmidt in Bad Doberan ist es nicht weit. Hier stehen die Pflanzen im Mittelpunkt. „Kuchen können die Besucher bei Burmeisters essen, bei mir gibt es dafür einen kleinen Pflanzenverkauf“, sagt sie und führt mich durch den Garten. Pfingstrosen und Rosen sorgen für einen Rausch der Farben und der Düfte. „Es ist der perfekte Zeitpunkt für offene Gärten“, sagt die Doberanerin und freut sich auf viele nette Gespräche mit den Besuchern.

Den Satz höre ich auch von Gudrun Schützler, nachdem ich mich wieder Richtung Süden orientiert und einen versteckten Garten in Moltenow habe links liegen lassen. Im Garten des alten Pfarrhauses fühle ich mich schnell zu Hause. Vielleicht hätte ich mich doch für den Genießer-Typ entscheiden sollen!? Sanft streicht der Wind durch die alten Bäume im wildromantischen Garten. Bei den Blumen lässt Gudrun Schützler viel Natur zu, musste aber auch lernen, dass es ohne die lenkende Hand des Gärtners nicht funktioniert. Höchst ausbreitungswillige Pflanzen müssen im Zaum gehalten werden. Als Pendant zum bunten Blumenmeer wachsen Kartoffeln, Erdbeeren, Zwiebeln usw. exakt in Reihe. Das Herrschaftsgebiet ihres Mannes, verrät Gudrun Schützler und lässt mich nicht gehen, ohne den hauseigenen Apfelsaft probiert zu haben. Und: Heidemarie Beyer möchte ich grüßen. Nach einem kurzen Abstecher in den Garten an der Alten Schule in Baumgarten – ein bisschen verwunschen und voller Überraschungen, ein prächtiger Weidendom – erreiche ich Lübzin. Die Hobbygärtnerin zeigt ihre neueste Errungenschaft. Ein Sitzplatz mit Rundbank unter einer Kastanie. Von hier blickt man auf Rosen und Stauden. Heidemarie Beyer erzählt vom blauen, weißen und roten Beet und vom ewigen Kampf gegen Giersch und Co. Lange noch bleibt mir der Duft der Robinieblüte auf dem Weg nach Schwerin im Gedächtnis… Ja, ich hätte auch in die Schaalseeregion oder in den Kreis Vorpommern-Rügen fahren können – vielleicht nächstes Jahr.

Kleine Konzerte und Führungen

Garten  Sokolow,  Neuhof

Karin Wiedemann, Vizepräsidentin der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur , hält am Sonntag den Vortrag „Epochen der Gartenkultur – Wissen schafft (noch) mehr Freude am eigenen Garten“. Jüngst gründete sich ein Mecklenburger Zweig der Gesellschaft.

Garten  Beyer, Lübzin

Der Eintritt von einem Euro soll den Kauf einer Geige für  Aren Oganesian unterstützen. Der Armenier hatte vor 16 Jahren seine Heimat verlassen. Er gibt  Sonnabend um 15 Uhr ein kleines Gartenkonzert.

Rosenmüllers „Insel“-Reich , Klein Nemerow

Das Eintrittsgeld von einem Euro soll die Arbeit des Vereins Campact, eine Bürgerinitiative, die  für eine progressive Politik streitet, unterstützen.

Pfarrgarten, Starkow

Musik  an der Backsteinscheune lässt Lonny Craimler am Sonnabend ab 14 Uhr erklingen. Am Sonntag musizieren „Folkwang Revorders“ um 15 Uhr. Es folgt um 16 Uhr ein Flötenkonzert mit Werken aus den Zeiten von Renaissance bis Barock.

Wangeliner 

GartenGarten- und Lehmbauführungen werden am Sonnabend und Sonntag um 11 und 14 Uhr angeboten.

Mehr  Informationen auf: www.offene-gaerten-in-mv.de
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