Migration : „Im Osten gab es keine Aufarbeitung“

In diesem Plattenbau  in Hoyerswerda war vor  20 Jahren ein Ausländerwohnheim untergebracht.  Rechtsradikale attackierten es damals tagelang.
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In diesem Plattenbau  in Hoyerswerda war vor  20 Jahren ein Ausländerwohnheim untergebracht. 

Rechtsradikale attackierten es damals tagelang.

Ostbeauftragter macht „Erbe der DDR“ für Ausländerfeindlichkeit mitverantwortlich

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23. Mai 2018, 05:00 Uhr

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), hat beim Thema Migration unterschiedliche Einstellungen in Ost und West eingeräumt. Er führte das unter anderem auf das „Erbe der DDR“ zurück. „Es hat im Osten keine Aufarbeitung der eigenen Verantwortung im Nationalsozialismus gegeben“, sagte er der in Chemnitz erscheinenden „Freien Presse“.

In der DDR hätten die Menschen kaum „Berührung mit Ausländern“ gehabt, es habe einen „bruchlosen Übergang“ von einer Diktatur zur nächsten gegeben. Auch habe „die Rhetorik der internationalen Völkerfreundschaft nie mit der Wirklichkeit mitgehalten“.

Ostdeutschland habe „natürlich (...) ein massives Problem mit Rechtsextremismus“, sagte Hirte weiter. Allerdings werde den Ostdeutschen heute auch häufig Unrecht getan. „Beispielsweise würde niemand sagen, alle Baden-Württemberger seien rechtsradikal, selbst wenn es dort Übergriffe und Ausschreitungen gab“, so Hirte.

Allerdings lebe es sich für manchen im Westen „bequemer, wenn er Ausländerfeindlichkeit geografisch weit von sich weg verorten kann“.

Hirte lehnte eine Ostquote für politische und gesellschaftliche Führungspositionen ab. Das sei der „völlig falsche Weg“, sagte Hirte der Zeitung. „Die Gesellschaft wird doch nicht dadurch besser, wenn wir für alles Vorgaben von oben machen“, fügte er hinzu. Wenn man die besondere Situation des Ostens im Blick behalte, bekomme man „es auch ohne Quote in den Griff“.

Auch halte er wenig davon, darüber zu jammern, dass mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Familienministerin Franziska Giffey (SPD) nur zwei Ostdeutsche im Bundeskabinett vertreten seien, fügte Hirte hinzu: „Entscheidend ist doch, welche Politik gemacht wird und nicht, wo jemand geboren ist.“

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