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Rückzug aus dem Windfeld : Im Norden steht die Energiewende auf dem Spiel

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Aus der Onlineredaktion

Branchenverband: Fehlende Planungen und neue Förderregeln lassen Land hinter Ausbauziele zurückfallen

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Rückzug aus dem Windfeld: Die ausbleibenden Flächenplanungen und die geänderten Regeln setzen die Energiewende in MV aufs Spiel. Wenn die Planungsverbände mit der Ausweisung von weiteren Windflächen nicht vorankommen, werde MV weiter ins Hintertreffen geraten, kritisierte Ulrich Söffker vom neuen Landesverband erneuerbare Energien (LEE). Das Land habe längst seine Spitzenstellung beispielsweise beim Ausbau der Windenergie verloren. Inzwischen bleibe MV auch hinter selbstgesetzten Zielen weit zurück. So hatte Ex-Energieminister Volker Schlotmann (SPD) 2012 angekündigt, die Flächen für den Bau von Windkraftanlagen zu verdoppeln, von 0,75 auf 1,5 Prozent der Landesfläche. Noch 2015 hieß es im vorgelegten Energiekonzept des Landes, beim Ausbau der Windenergie habe MV „seine Potenziale noch nicht ausgeschöpft“.

Wird es so schnell auch nicht: MV drosselt den Ausbau der Bioenergie. Entsprechend der derzeitigen regionalen Planungen könnten gerade einmal 0,8 Prozent der Landesfläche für den Bau von Windkraftanlagen genutzt werden – etwa 13 500 Hektar Eignungsfläche, kritisierte Söffker, Energieexperte des Landesverbandes des Bundes für Umwelt und Natur (BUND).

Flaute nach dem Boom: Inzwischen hat sich der Aufbau neuer Anlagen in MV mehr als halbiert. So seien im vergangenen Jahr gerade noch 86 Windräder neu ausgestellt worden, nach 200 jeweils in den Vorjahren. Die neu installierte Leistung brach 2016 auf 200 Megawatt ein – nur noch halb soviel wie 2013. Ohne weitere Flächenplanungen werde MV weiter zurückfallen, meinte Söffker. Die beispielsweise von Bayern betriebene Blockade des Ausbaus der erneuerbaren Energien berge das Risiko, dass der für 2022 vereinbarte Atomausstieg in Deutschland verschoben und die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängert würden, meinte Söffker.

Schatten auch in Solarparks und Druckabfall in den Biogasanlagen in Mecklenburg-Vorpommern: Die Spirale geht nach unten, meint Söffker. Die vom Bundestag beschlossene Deckelung des Ausbau der erneuerbaren Energien setzt der Branche zu. Im Solarbereich hätten auch in MV reihenweise Betriebe schließen müssen, sagte Söffker. Bei den Bio-Kraftwerken auf den Bauernhöfen gebe es mittlerweile so gut wie keine Neubauprojekte mehr. Nach den neuen Erneuerbaren-Energien-Regeln seien neue Anlagen fast nicht mehr wirtschaftlich, die Risiken zu groß. Dabei würden Biogasanlagen als Speicher für eine gleichmäßige Stromversorgung gebraucht. 2015 speisten landesweit knapp 15 000 Photovoltaik- und 545 Biogasanlagen elektrischen Strom ins Netz ein, hatte das Statistische Amt Schwerin ermittelt.

Die Branche geht jetzt in die Offensive: Der erst Ende Januar gegründete neue Landesverband erneuerbare Energien (LEE) wolle die Energiewende wieder voranbringen. Söffker forderte mehr Engagement der Landesregierung. So sollte beispielsweise das Land bei Biogasanlagen, die am Ende der Erneuerbaren-Energien-Vergütung angekommen seien, in die Förderung einsteigen. Der neue Landesverband findet indes immer mehr Unterstützung. Inzwischen seien zu den 14 Gründungsmitglieder drei neue Mitglieder hinzugekommen. Bis zum Jahresende wolle man 50 Mitglieder gewinnen, meinte Söffker.

 

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